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Zweiter Weltkrieg: Berlin verweigert Rückzahlung von Griechen-Zwangskredit

Es geht um 476 Millionen Reichsmark: Die Tsipras-Regierung will von Berlin Geld zurück, das Griechenland dem "Dritten Reich" leihen musste. Die Bundesregierung lehnt dies ab.

Berlin - Die Bundesregierung lehnt einem Pressebericht zufolge eine von Athen geforderte Rückzahlung eines griechischen Zwangskredits an Nazi-Deutschland ab.

Es geht um eine Anleihe über 476 Millionen Reichsmark, die Nazi-Deutschland der griechischen Zentralbank im Jahr 1942 abgepresst hatte. Das Bundesfinanzministerium hält dieses Geld im Rahmen des Reparationsvertrags von 1960 für abgegolten, berichtet die "Bild"-Zeitung aus einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linken im Bundestag. Diese Antwort ist allerdings bereits ein Jahr alt.

"Infolge des historischen und sachlichen Zusammenhangs der Zwangsanleihe (...) ist diese formal ohne weiteres als Reparationsforderung (...) zu klassifizieren", zitiert das Blatt daraus. Damit fällt sie nach Lesart der Bundesregierung unter den Wiedergutmachungsvertrag, den Deutschland und Griechenland 1960 abgeschlossen haben und in dem sich Deutschland damals zur Zahlung von 115 Millionen Mark verpflichtet hatte.

In diesem Vertrag sei die Frage der Wiedergutmachung von NS-Unrecht "abschließend geregelt", heißt es in der Antwort der Bundesregierung weiter.

Die Forderung wurde von der Regierung von Alexis Tsipras wieder auf die Tagesordnung gesetzt. Elf Milliarden Euro solle Deutschland zahlen, forderte der Premierminister in seiner Regierungserklärung am Sonntag. Darüber hinaus will Tsipras Wiedergutmachung für die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg verlangen.

Dabei geht es sowohl um ermordete Widerstandskämpfer wie die von Kesariani als auch um Massaker an der Zivilbevölkerung, etwa in den Dörfern Distomo und Kalavrita. Die Bundesregierung wies dies zuletzt mehrfach zurück.

Tsipras hatte in seiner ersten großen Parlamentsrede das griechische Rettungsprogramm für beendet erklärt und fordert neue Verhandlungen über den Umgang mit den griechischen Schulden. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker sagte daraufhin, er sehe kaum noch Chancen für eine rasche Einigung. Die britische Regierung spielt bereits auf höchster Ebene die Folgen eines Euro-Austritts durch.

Anmerkung der Redaktion: Liebe Leser, in einer früheren Version dieses Artikels entstand der Eindruck, die Bundesregierung habe die von Griechenland geforderte Rückzahlung eines Zwangskredits an Nazi-Deutschland noch einmal abgelehnt. Es geht dabei um eine Anleihe aus dem Jahr 1942. Die Nachrichtenagentur dpa berichtete unter Bezug auf einen Artikel der "Bild"-Zeitung, dass die Bundesregierung die wieder aufgekommene Forderung der griechischen Regierung erneut abgelehnt habe - das gehe aus einer Antwort auf die Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Tatsächlich stammt diese Antwort bereits aus dem Februar 2014. Somit ist die Position der Bundesregierung zwar korrekt wiedergegeben worden. Allerdings hat die Bundesregierung ihre Position nicht erneut auf Anfrage der Linksfraktion bekräftigt. Wir bitten, die falsche Darstellung zu entschuldigen.

fab/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 271 Beiträge
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1. 1960?
fanis2015 10.02.2015
wenn man schon von 1960 spricht dann sollte man auch nicht vergessen dass GR auch am Schuldenschnitt von D zugestimmt hatte aber sowas vergisst man auch mal wieder
2. ?
KAdam 10.02.2015
Erwartet Tsipras tatsächlich, dass Deutschland noch gutes Geld dem vielen Schlechten hinterherwirft? Allenfalls kann er doch erwarten, dass die ominösen Reparationszahlungen mit den Schulden Grichenlands an Deutschland verrechnet werden. Das wird nur weder Griechenland noch den Schuldnern viel nützen. Pleite bleibt Griechenland dennoch.
3. Dumm oder frech?
drent 10.02.2015
Nein, dumm und frech!
4. Griechische Reparationsforderungen
huddi03 10.02.2015
prüfen!Sollten diese berechtigt sein begleichen, eventuell gegen Italien bestehende gleich mit übernehmen und dann sollten es die Griechen auf eigene Faust mit eigener Währung versuchen. Auch ein Schuldenschnitt oder gar - erlass sollte dabei kein Tabu sein! Alles dürfte besser sein als Griechenland für alle Zeiten zu alimentieren. PS Wo war Syriza eigentlich als die griechischen Regierungen ganz Europa wiederholt betrogen haben? Warum wollte der griechische Wähler solange nichts von denen wissen wie der Ritt auf der Rasierklinge zu gelingen schien? Wird die nächste Hoffnung des griechischen Wählers die Goldene Morgenröte sein? Fragen über Fragen...
5. Das wird Griechenland nicht vor der Pleite retten.
thunderstorm305 10.02.2015
Haben wir nicht bereits einen Schuldenschnitt geleistet und auf Schulden verzichtet? Wieso wird das von der griechischen Regierung nicht gewürdigt? Man kann natürlich fordern was man will, aber das wird Griechenland kurzfristig nicht retten.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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