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Zweiter Weltkrieg: Athen beziffert deutsche Schuld auf 278 Milliarden Euro

Gräber in Distomo, Griechenland: Die Nazis verübten hier 1944 ein Massaker Zur Großansicht
AP/dpa

Gräber in Distomo, Griechenland: Die Nazis verübten hier 1944 ein Massaker

Erstmals nennt die griechische Regierung eine konkrete Zahl: Deutschlands Reparationsschuld aus dem Zweiten Weltkrieg soll sich demnach auf rund 278 Milliarden Euro belaufen.

Der griechische Vize-Finanzminister Dimitris Mardas hat erstmals konkrete Zahlen genannt: Als Reparationsschuld Deutschlands für den Zweiten Weltkrieg erwarte die Regierung in Athen 278,7 Milliarden Euro.

Die Summe nannte Mardas im Parlament, bei einer Sitzung des parlamentarischen Komitees, das untersuchen soll, wie Griechenland seinen Berg von Staatsschulden angehäuft hat.

Laut Mardas setzt sich die Summe folgendermaßen zusammen: 10,3 Milliarden Euro betrage der Wert der Zwangsanleihe, die Griechenland den deutschen Besatzern gewähren musste. Die restliche Summe entspreche den Entschädigungszahlungen, die den Angehörigen der Opfer der Besatzung zustünden. Hinzu komme Schadensersatz für die damals zerstörte Infrastruktur im Land.

"Die Rechnungsprüfer haben gute Arbeit geleistet, als sie all die Daten zum Thema 'Deutsche Reparationen' gesammelt haben", erklärte Mardas. "Alle Akten sind vollständig." Das Material stehe nun jeder zuständigen Behörde zur Verfügung, die davon Gebrauch machen wolle.

50.000 Dokumente geprüft

In der Griechenland-Krise ist immer wieder von deutschen Reparationsschulden gegenüber Athen die Rede. Eine konkrete und offiziell bestätigte Summe wurde bisher aber nicht genannt.

Den von Mardas erwähnten Bericht hat ein sechsköpfiges Expertenteam des griechischen Rechnungshofs geschrieben; 50.000 Dokumente sollen die zuständigen Mitarbeiter dafür geprüft haben.

Außerdem haben sie eine Aufstellung aller Zerstörungen und Beschlagnahmungen während der Besatzung erstellt. Die Daten dafür wurden vom Kultusministerium zur Verfügung gestellt.

Ob die Bundesregierung die genannte Summe von 278,7 Milliarden Euro für diskussionswürdig hält, ist mehr als fraglich. Der deutsche Standpunkt war bisher stets, dass es juristisch keine Verpflichtung zu weiteren Reparationszahlungen gebe. Die griechische Seite hingegen spricht das Thema regelmäßig an.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels hieß es, die griechische Regierung habe eine Summe von 287 Milliarden Euro genannt. Tatsächlich sind es aber rund 278 Milliarden Euro. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

gec/juh

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 423 Beiträge
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1.
Zapallar 06.04.2015
Und wie hoch beziffert der Deutsche Staat die Schulden, die Griechenland bei uns hat, immerhin sind die über 1.2 Millionen Gulden Darlehen von Wilhelm I. aus 1832 noch offen. Den aktuellen Betrag bitte mit Zins und Zinseszins auf den aktuellen Stand in € bringen, die Staatshilfen an Griechenland seit 1980 dazurechnen und das alles mit den besagten 287 Milliarden verrechnen.
2. Es reicht...
dschmi 06.04.2015
Wie dreist ist diese griechische Regierung. Kein internationales Gericht wird diesen Ansprüchen recht geben... Wieso? Ansonsten müsste die USA, Russland, Frankreich und UK massenhaft an Entschädigungen zahlen für die Kriege in den letzten 70 Jahren... Allein die ehemaligen Kolonialmächte... Lasst sie doch endlich gehen... umso länger man diese Regierung toleriert umso mehr Zulauf bekommen FN, AfD und Podemos... und wenn Le Pen mal Präsidentin ist, ist eh Schluss mit dem Euro... Und das wollen wir doch alle nicht... Daher lasst sie endlich gehen... Bitte Bitte Bitte Bitte Bitte Schluss mit diesem Wahnsinn
3.
djoser 06.04.2015
Es ist faszinierend, wie gewissenhaft in Griechenland Zahlen gesammelt werden (können), wenn man Geld möchte. Vielleicht tue ich damit jetzt den Verantwortlichen unrecht, aber mein Gefühl sagt mir, dass der Eifer beim Bezahlen nicht ganz so groß ist.
4.
Wolffpack 06.04.2015
Warum wird dem Quatsch eine Plattform geboten? Die Griechen sind da wo sie gerade sind nicht wegen irgendwelcher deutscher Kriegsschäden, sondern wegen Jahrzenten von Vettern- und Misswirtschaft.
5. Irgendwann holt uns die Vergangenheit halt ein ...
westerwäller 06.04.2015
Und es wird endlich Zeit, diese unselige Vergangenheit aufzuarbeiten. Was wäre wohl eine bessere Gelegenheit als jetzt? Was man sich eingebrockt hat, muss man auch auslöffeln ...
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