"Goldene Morgenröte" Chef von griechischer Neonazi-Partei kommt in U-Haft

Totschlag, Erpressung, Sprengstoffanschläge, Geldwäsche: Griechenlands Justiz wirft dem Chef der Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte" die Leitung einer kriminellen Vereinigung vor. Jetzt wurde Untersuchungshaft gegen Nikolaos Michaloliakos angeordnet.

Parteichef Michaloliakos: "Die 'Goldene Morgenröte' lebe hoch"
DPA

Parteichef Michaloliakos: "Die 'Goldene Morgenröte' lebe hoch"


Athen - Der Vorsitzende der griechischen Neonazi-Partei Chrysi Avgi ("Goldene Morgenröte") ist in Untersuchungshaft genommen worden. Nikolaos Michaloliakos werde die "Leitung einer kriminellen Vereinigung" vorgeworfen, berichtete die amtliche griechische Nachrichtenagentur Ana. Michaloliakos wurde mit Handschellen abgeführt. Er schrie Reportern vor Ort zu: "Griechenland lebe hoch und die 'Goldene Morgenröte' lebe hoch."

Michaloliakos war bereits am Samstag festgenommen worden und wurde nun den Ermittlungsrichtern vorgeführt. Die Justiz wirft ihm und 31 anderen führenden Mitgliedern vor, die Neonazi-Partei in eine kriminelle Vereinigung umgewandelt zu haben. Ihnen werden außerdem Totschlag, Erpressung, Sprengstoffanschläge und Geldwäsche zur Last gelegt. Der Parteichef hat die Vorwürfe von sich gewiesen.

Am Mittwoch waren vier rechtsextreme Abgeordnete 16 Stunden lang verhört worden. Der Abgeordnete Giannis Lagos wurde in Untersuchungshaft genommen. Seine drei Kollegen, darunter Parteisprecher Ilias Kasidiaris, mutmaßlicher Anführer der Schlägertrupps der Partei, kamen gegen Auflagen vorläufig frei. Michaloliakos' Stellvertreter Christos Pappas soll sich am Donnerstag vor dem Haftrichter verantworten.

Die griechische Regierung von Ministerpräsident Antonis Samaras hat ein hartes Durchgreifen gegen die "Goldene Morgenröte" angekündigt. Grund für den Kampf gegen eine immer stärker werdende Neonazi-Szene in Griechenland ist der Tod eines linken Rappers. Er war in der Nacht zum 18. September in Piräus von einem Mitglied der "Goldenen Morgenröte" ermordet worden. Die Gewalttat sorgte landesweit und international für Empörung. Der mutmaßliche Täter sitzt in Haft und hat den Anschlag Medienberichten zufolge gestanden.

Die "Goldene Morgenröte" stellt 18 der 300 Parlamentsabgeordneten und lag vor dem Anschlag mit 14 Prozent an dritter Stelle in der Gunst der Wähler. Die Zustimmung in den Umfragen ist seither auf weniger als sieben Prozent abgestürzt.

ulz/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 6 Beiträge
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Lektorat Berlin 03.10.2013
1. Tja,
das kling zwar gut, aber ich kann und kann den Griechen einfach nicht mehr über den Weg trauen - da ist aber auch JEGLICHES Vertrauen verspielt.
bjuv 03.10.2013
2. Mal sehen, ob denn der dringende Tatverdacht und
die Haftgründe öffentich werden, ohne die wohl auch in GR niemand in U-Haft genommen werden darf. Anderfalls wäre allzu offensichtlich, dass eine untergehende korruptionsverdächtigte Regierung mit diesen Mitteln Politik betreibt.
gerald246 03.10.2013
3. Und was ist mit den Steuerschulden?
Zitat von sysopDPATotschlag, Erpressung, Sprengstoffanschläge, Geldwäsche: Griechenlands Justiz wirft dem Chef der Neonazi-Partei "Goldene Morgenröte" die Leitung einer kriminellen Vereinigung vor. Jetzt wurde Untersuchungshaft gegen Nikolaos Michaloliakos angeordnet. http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-chef-der-goldenen-morgenroete-in-untersuchungshaft-a-925930.html
Ich würde mir wünschen, die Griechen wären beim Entlassen korrupter Staatsbeamter und beim Eintreiben von Steuerschulden ähnlich schlagkräftig bei der Sache. Da das aber nicht der Fall ist, scheint es sich hier eher um ein Ablenkungsmanöver zu handeln..
zieglerm 03.10.2013
4. Woher kommt so eine unqualifizierte Unterstellung ?
Zitat von bjuvdie Haftgründe öffentich werden, ohne die wohl auch in GR niemand in U-Haft genommen werden darf. Anderfalls wäre allzu offensichtlich, dass eine untergehende korruptionsverdächtigte Regierung mit diesen Mitteln Politik betreibt.
Es sind 4 Personen unter Verdacht festgenommen worden. 3 wurden nach Prüfung wieder unter Auflagen freigelassen eine in Untersuchungshaft genommen. Also von politischem Aktionismus kann ich hier nichts erkennen Klingt für mich nach rechtsstaatlichem Verfahren, bei dem die Justiz ihre Arbeit macht. Schade dass sowohl hierzulande als auch in Griechenland in der Vergangenheit die Justiz auf dem rechten Auge eher blind zu sein schien. (siehe NSU Morde)
bjuv 03.10.2013
5. Keine Unterstellung, nur kein Vertrauen
Zitat von zieglermEs sind 4 Personen unter Verdacht festgenommen worden. 3 wurden nach Prüfung wieder unter Auflagen freigelassen eine in Untersuchungshaft genommen. Also von politischem Aktionismus kann ich hier nichts erkennen Klingt für mich nach rechtsstaatlichem Verfahren, bei dem die Justiz ihre Arbeit macht. Schade dass sowohl hierzulande als auch in Griechenland in der Vergangenheit die Justiz auf dem rechten Auge eher blind zu sein schien. (siehe NSU Morde)
Unterstellung wäre, wenn ich der GR-Justiz in Kooperation mit der Regierung ein Komplott gegen den Verhafteten vorwerfen würde. Das habe ich gerade nicht getan. - Andererseits gibt es seit dem KonvergenzkriterienBETRUG auch Grund, sowohl der GR Regierung als auch aufgrund der nachfolgenden Berichte über Koruption und Steuerhinterziehung Vertrauen entgegen zu bringen. Das müssen sie sich erst wieder erarbeiten - z.B. durch Transparenz und Aufklärung. - Deshalb sollten hinreichender Tatverdacht und Haftgründe schon genannt werden, zumindest von einem der Verteidiger. Andernfalls könnte der Eindruck entstehen, dass gerade (von wem und warum auch immer) gerade der Kopf der Partei mundtot gemacht werden soll.
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