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Griechenland-Hilfe: Euro-Länder einigen sich auf Schuldenschnitt von 50 Prozent

Spannender Gipfel-Krimi in Brüssel: In der Nacht einigten sich die Euro-Länder auf einen Schuldenschnitt für Griechenland. Die Banken werden auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. Kanzlerin Merkel zeigte sich "sehr zufrieden".

Kanzlerin Merkel in Brüssel: Einigung in den frühen Morgenstunden Zur Großansicht
AFP

Kanzlerin Merkel in Brüssel: Einigung in den frühen Morgenstunden

Brüssel - Stundenlang war verhandelt worden - nun haben sich die Spitzenvertreter der 17 Euro-Länder und die Banken beim Krisengipfel in Brüssel geeinigt. Der Schuldenschnitt für Griechenland beträgt demnach 50 Prozent. Das bestätigte der französische Präsident Nicolas Sarkozy am Donnerstagmorgen in der belgischen Hauptstadt.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte: "Die Welt hat heute auf uns geschaut, wir haben gezeigt, dass wir die richtigen Schlüsse gezogen haben." Sie sei mit den Entscheidungen "sehr zufrieden", so die Kanzlerin weiter.

Auf einen Schuldenschnitt hatte Deutschland gepocht, um die griechische Schuldenlast bis 2020 auf 120 Prozent der Wirtschaftsleistung zu drücken. Der Internationale Bankenverband (IIF) kündigte eine Stellungnahme an.

Der Schuldenerlass entspricht einem Verzicht von etwa 100 Milliarden Euro. Die privaten Gläubiger sollen ihre Anleihen nun in neue Anleihen umtauschen. Das soll Merkel zufolge im Januar geschehen. Allerdings werden zu diesem Schuldenschnitt aus dem Euro-Rettungsfonds (EFSF) 30 Milliarden Euro beigetragen zur Absicherung, wie es heißt. Die Hälfte dieser Summe soll aus Verkäufen von griechischem Staatseigentum erlöst werden.

Auf Grundlage dieser Vereinbarung wollen auch die Euro-Länder weitere Hilfen für Griechenland genehmigen: Bis zum Jahr 2014 soll Athen weitere 100 Milliarden aus öffentlichen Quellen geliehen bekommen, damit waren in der Vergangenheit immer der EFSF und der Internationale Währungsfonds (IWF) gemeint.

Nicht mehr umgesetzt wird das im Juli beschlossene Programm, das einen Schuldenverzicht des Privatsektors in Höhe von 21 Prozent und öffentliche Hilfen in Höhe von 109 Milliarden Euro vorgesehen hatte. Dies war auf Grundlage von Annahmen ausgehandelt worden, die aufgrund der sich rasch verschlechternden Wirtschaftslage des Landes nicht mehr gegeben waren.

Merkel und Sarkozy verhandelten direkt mit den Banken

Mehrfach hatten Merkel und Sarkozy zuvor die Beratungen mit den Chefs der Euro-Länder unterbrochen und das direkte Gespräch mit den Vertretern des Weltbanken-Verbands IIF gesucht. Auch IWF-Chefin Christine Lagarde und die Spitzen der EU-Institutionen wollten die Banken dabei zu einem größeren Forderungsverzicht bei griechischen Staatsanleihen bewegen.

Auch in einer anderen wichtigen Frage hat der zweite Rettungsgipfel binnen drei Tagen einen Beschluss gebracht. Die 27 EU-Staaten hatten am Mittwochabend in einer ersten Sitzung eine Rekapitalisierung ihrer Banken verabschiedet. Die Geldhäuser müssen Kernkapital in Höhe von neun Prozent ihrer sogenannten risikogewichteten Anlagen vorhalten. Bisher sind vier Prozent gesetzlich vorgeschrieben.

Für die Kapitalaufstockung haben die Institute Zeit bis zum 30. Juni 2012, so lange werden Bonus- und Dividendenzahlungen beschnitten.

Hoher Kapitalbedarf bei den Banken

Die Rekapitalisierung der Banken wird finanziell enorm aufwendig. Auf rund 106 Milliarden Euro schätzt die Europäische Bankenaufsicht EBA den Kapitalbedarf. Die größten Summen brauchen demnach mit 30 Milliarden Euro Banken aus Griechenland sowie mit 26,16 Milliarden Euro Institute aus Spanien, mit 14,77 Milliarden Euro italienische Banken und mit 8,84 der Finanzsektor in Frankreich. Deutsche Geldhäuser brauchen laut EBA frisches Kernkapital in Höhe von 5,18 Milliarden Euro.

Vor dem Griechenland-Deal hatte sich die Euro-Zone außerdem auf einen Hebel für den Rettungsfonds EFSF geeinigt. Er soll künftig neue Staatsanleihen absichern. Dadurch soll die "Feuerkraft" des Fonds auf bis zu eine Billion Euro erhöht werden. Zudem soll der EFSF einen neuen Fonds für Auslandsinvestitionen bekommen. Der französische Staatschef Sarkozy will bereits am Donnerstag mit seinem chinesischen Kollegen Hu Jintao sprechen, um ihn für Investitionen in den EFSF-Topf zu gewinnen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes hieß es, dass die Schlagkraft des Rettungsfonds EFSF auf bis zu 1,4 Billion Euro erhöht werde. Tatsächlich sind es eine Billion Euro. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

jok/dapd/dpa/Reuters

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insgesamt 35 Beiträge
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1. Schuldenschnitt für Griechenland
Niamey 27.10.2011
Zitat von sysopBeim*EU-Gipfel in Brüssel zeichnet sich eine Entscheidung ab. Die Euro-Länder*haben laut*Diplomaten eine Einigung in der Schlüsselfrage zur Krise Griechenlands erzielt: Demnach wurde ein Schuldenschnitt von 50 Prozent vereinbart. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794265,00.html
So, und wem verdanken wir, dass es soweit kommen musste? Genau, den "großen Staatsmännern" die uns den Euro ohne Volksbefragung und unter Vorspielung falscher Tatsachen aufoktroyiert haben! Beteiligen die sich an dem Schuldenschnitt indem sie auf 50% ihrer Renten verzichten? Nein, die wollen nur groß in die europäische Geschichte eingehen. Mein Gefühl sagt mir, dass wir alle und insbesondere unsere Kinder in der Zukunft ganz hässlich dafür bluten werden. Das der Bundestag so geschlossen hinter dieser Entscheidung steht, hat auch einen ganz einfachen Grund: Fast jeder dort hat soviel Dreck am Stecken, dass man Druck auf ihn ausüben könnte. Die Wenigsten verstehen überhaupt über was sie da abstimmen..... würg!
2. Die Haare sind immer noch zu lang...
redhead72 27.10.2011
Zitat von sysopBeim*EU-Gipfel in Brüssel zeichnet sich eine Entscheidung ab. Die Euro-Länder*haben laut*Diplomaten eine Einigung in der Schlüsselfrage zur Krise Griechenlands erzielt: Demnach wurde ein Schuldenschnitt von 50 Prozent vereinbart. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794265,00.html
Also mit 50% mal klein anfangen und austasten, wie die Märkte darauf reagieren... Die Eurokraten werden sich noch gehörig wundern - am bitteren Ende wird es wohl bedeutend mehr sein müssen...
3. Titel
storchenfreund 27.10.2011
Zitat von sysopBeim*EU-Gipfel in Brüssel zeichnet sich eine Entscheidung ab. Die Euro-Länder*haben laut*Diplomaten eine Einigung in der Schlüsselfrage zur Krise Griechenlands erzielt: Demnach wurde ein Schuldenschnitt von 50 Prozent vereinbart. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794265,00.html
Jetzt knallen in Athen die Sektkorken und in drei Wochen hält der Rest vom Club Med die Hand auf. Willkommen in der Transferunion.
4. die dummheit der politischen klassen ...........
otto huebner 27.10.2011
Zitat von sysopBeim*EU-Gipfel in Brüssel zeichnet sich eine Entscheidung ab. Die Euro-Länder*haben laut*Diplomaten eine Einigung in der Schlüsselfrage zur Krise Griechenlands erzielt: Demnach wurde ein Schuldenschnitt von 50 Prozent vereinbart. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,794265,00.html
ist tatsaechlich grenzenlos. grenzenlos DUMM. es glaubt doch niemand im erst das diese schxxx wirklich das problem loesst.
5. Wenns um Geld geht... Sparkasse
fessi1 27.10.2011
Na, dann werd ich mir mal ein schönes Finanzkonstrukt ausdenken und damit meinen Sparkassenberater beim nächsten Treffen überraschen. Ein Schuldencut von sagen wir, man ist ja nicht gierig, 40% sollte machbar sein. Ist das Häuschen glatt in der Hälfte der Zeit bezahlt. Ich freu mich drauf. Und Silvio bestimmt auch. Was dem Griechen recht ist, kann dem Italiener nur billig sein. PS. Hätte ich doch bloss doppelt so gross gebaut...
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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

dapd
Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.


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