Früherer FDP-Politiker Chatzimarkakis hört als Athener Sonderbotschafter auf

Die Polit-Karriere von Jorgo Chatzimarkakis in Griechenland scheint vorerst beendet. Der frühere FDP-Politiker gibt kurz nach dem Antritt des neuen Premiers Tsipras sein Amt als Sonderbotschafter der Regierung ab.

Jorgo Chatzimarkakis: "Eine finanzielle Entscheidung"
DPA

Jorgo Chatzimarkakis: "Eine finanzielle Entscheidung"


Berlin - Er sollte Griechenland helfen, aus der Finanzkrise zu kommen und den geordneten Ausstieg aus den Programmen der Euro-Rettungsschirme zu schaffen. Ende 2014 präsentierte die damalige griechische Regierung Jorgo Chatzimarkakis als Sonderbotschafter. Doch die hochgesteckten Ziele Griechenlands sind weit entfernt - und Chatzimarkakis wird sie als Sonderbotschafter nicht mehr mit umsetzen. Denn Anfang Mai wird der frühere FDP-Politiker sein Engagement für die griechische Regierung beenden.

Darauf habe er sich mit der Regierung von Ministerpräsident Alexis Tsipras bei einem Treffen in Athen verständigt, sagte Chatzimarkakis dem "Tagesspiegel". "Beide Seiten haben das so entschieden." Sein Amt werde er am 5. Mai niederlegen. "Für mich war das keine politische Entscheidung, sondern eine finanzielle", ergänzte er. "Als Vater von drei Kindern kann man von einem halben Ehrenamt nicht leben."

Demnach hat der Politiker nach eigenen Angaben 1000 Euro monatlich für sein Engagement erhalten. Chatzimarkakis wurde von der damaligen konservativen griechischen Regierung angeheuert. Seit Ende Januar wird Griechenland von einer Koalition aus der linken Syriza-Partei und der rechtspopulistischen Partei Unabhängige Griechen (Anel) regiert.

Der "Tagesspiegel" berichtete unter Berufung auf Gerüchte aus Athener Regierungskreisen, Außenminister Nikos Kotzias wolle den ehemaligen griechischen Botschafter in Berlin, Dimitris Rallis, künftig mit der Beziehungspflege zu Deutschland betrauen.

Noch vor einigen Tagen hatte Chatzimarkakis für die Linksregierung unter Tsipras gesprochen. So präsentierte er einen Vorschlag im Schuldenstreit. Er forderte, Deutschland solle eine griechische Aufbaubank mitfinanzieren. Damit sei dem griechischen Staat geholfen - und Deutschland könne Nazi-Verbrechen entschädigen.

Chatzimarkakis hat sowohl die deutsche als auch die griechische Staatsbürgerschaft. Er saß für die Liberalen im Europaparlament. Anfang 2014 war er aus der FDP ausgetreten, weil er mit deren Europapolitik nicht einverstanden war. Er gründete in Griechenland die Partei der hellenischen Europabürger. Diese scheiterte bei der Europawahl aber an der Drei-Prozent-Hürde.

Chatzimarkakis machte zudem mit einer Plagiatsaffäre Schlagzeilen. Er musste 2011 seinen Doktortitel abgeben, nachdem die Universität Bonn zu dem Schluss gekommen war, er habe in seiner Dissertation weite Passagen abgeschrieben.

mmq/dpa

Mehr zum Thema


Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 32 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
h.kuebler 14.03.2015
1. stimmt mich hoffnungsfroh
Sollte die griechische Regierung etwa jetzt doch mal auf die Qualifikation ihrer Mitarbeiter schauen? Das wäre neu, aber lieber spät als nie. Es gäbe noch mehr Schwätzer auszusortieren.
flieger56, 14.03.2015
2.
....ich denke mal,daß sich für den ehemaligen FDP Politiker etwas finden läßt.Soll er doch mal die s.g."Schleckerfrauen"fragen.1000 Euro sind zu wenig ? Dann soll doch seine Frau auch arbeiten gehen.Kaum sieht mal so ein abgehobener Typ,wie es den ehrlichen,ohne Dr.Titel arbeitenden Leuten geht.
geo11a 14.03.2015
3. Wahrscheinlich
, so denke ich jedenfalls, wurde er aus Reputations- gründen aussortiert. Tricksen , Mogeln, Täuschen.
Lok Leipzig 14.03.2015
4. Good news
Das kann für beide Länder nur hilfreich sein. Den Griechen hat er nicht geholfen, den Deutschen stiehlt er künftig keine Zeit mehr. Chatzimarkakis ist der Prototyp des nichtsnutzen Vielschwätzers. Sein Honorar von 1.000 € / Monat zeigt den Marktwert von Politikern seines Kalibers. Der famose EU-Parlamentspräsident Schulz käme auf ein ähnliches Salär, wenn er es mit Arbeit versuchen müsste.
hansulrich47 14.03.2015
5. Ich bleibe skeptisch!
Zitat von h.kueblerSollte die griechische Regierung etwa jetzt doch mal auf die Qualifikation ihrer Mitarbeiter schauen? Das wäre neu, aber lieber spät als nie. Es gäbe noch mehr Schwätzer auszusortieren.
Mit Qualifikation hatte die 'Ernennung' wohl kaum etwas zu tun, eher mit Beziehungen und (vielleicht) Sprachkenntnissen. Nachdem Herr Varoufakis ja für Paris Match in seinem eigenen (?) Buch liest um dort Neues (?) zu finden, ist die Frage der Qualifikation für Ämter wohl nicht nur in Griechenland mehr als offen. Das Zerschlagen von Porzellan bei internationalen Beziehungen ist wohl auch eher eine fragwürdige Qualität.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.