Festnahme auf Lesbos Griechische Justiz ermittelt gegen syrische Flüchtlingshelferin

Während ihrer Flucht nach Europa 2015 rettete sie Flüchtlingen schwimmend das Leben. Nun wird gegen Sarah Mardini ermittelt: Griechenlands Justiz wirft der in Berlin lebenden Syrerin illegale Flüchtlingshilfe vor.

Flüchtlingsboot vor Lesbos (Archiv)
AP/dpa

Flüchtlingsboot vor Lesbos (Archiv)


Die griechische Justiz hat ein Ermittlungsverfahren gegen die in Berlin lebende Syrerin Sarah Mardini eingeleitet. Die Strafverfolgungsbehörden werfen ihr unter anderem Mitgliedschaft in einem illegalen Netzwerk für Flüchtlingshilfe vor. Die 23-Jährige befindet sich nach SPIEGEL-Informationen im Athener Korydallos-Gefängnis in Untersuchungshaft.

Sarah Mardini ist die ältere Schwester der Olympia-Schwimmerin Yusra Mardini. Die Schwestern waren im Jahr 2015 vor dem Bürgerkrieg in Syrien geflohen. In einem Schlauchboot voller Flüchtlinge versuchten sie, zur griechischen Insel Lesbos zu gelangen. Als das Boot eine Panne hatte, schwammen Sarah und Yusra stundenlang und zogen das Boot mit seinen 18 Insassen an einem Seil hinter sich her. Die Leistungssportlerinnen ließen sich in Deutschland nieder.

Yusra nahm an den Olympischen Spielen 2016 in Rio teil und wurde zur jüngsten Uno-Goodwill-Botschafterin aller Zeiten. Sarah wurde von Barack Obama eingeladen, vor der Uno zu sprechen. 2016 wurden die Schwestern mit dem Bambi ausgezeichnet. Nach ihrer Niederlassung in Deutschland kehrte Sarah wiederholt nach Lesbos zurück, um Flüchtlingen zu helfen.

Sarah (links) und Yusra Mardini
AFP

Sarah (links) und Yusra Mardini

Mardini wurde auf der Insel Lesbos zusammen mit zwei weiteren Aktivisten der Nichtregierungsorganisation Emergency Response Centre International (ERCI)festgenommen. Die griechische Polizei gab daraufhin die Zerschlagung des "kriminellen Netzwerks" bekannt.

Die Behörden werfen den Aktivisten vor, Migranten bei der illegalen Einreise nach Griechenland geholfen zu haben. Dabei hätten sie auch mit organisierten Schleppern zusammengearbeitet. Gegen 30 Mitglieder der NGO wird demnach ermittelt.

Mardinis Anwalt, Haralambos Petsikos, wies dem SPIEGEL gegenüber alle gegen seine Mandantin erhobenen Anschuldigungen zurück. Seine Mandantin war laut Petsikos an manchen der Tage, an denen sie laut Polizei an illegalen Aktionen beteiligt gewesen sein soll, gar nicht in Griechenland. Insgesamt erhebt die Justiz demnach fünf Vorwürfe gegen Mardini, darunter Spionage. Petsikos hat die vorläufige Freilassung der 23-Jährigen beantragt.

gez/asa/AFP



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