20. Dezember 2012, 18:20 Uhr

Flüchtlingsdrama

Löning wirft Athener Regierung fehlenden Willen vor

Extrem verstörend nennt der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung das, was mit Flüchtlingen in Griechenland passiert. Markus Löning ist empört über die katastrophale Lage und nennt sie eine "Schande für ganz Europa".

Berlin - Es sind deutliche Worte, die der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), zum Flüchtlingsdrama in Griechenland findet. "Es ist eine Schande für alle Europäer, was in Griechenland passiert", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Versorgung und Schutz - etwa vor Übergriffen Rechtsextremer - seien unzureichend. "In dieser Kombination ist das extrem verstörend."

Der Menschenrechtsbeauftragte warf den Verantwortlichen fehlenden Willen zur Verbesserung der Lage vor. "Gäbe es in Griechenland einen Willen, den Flüchtlingen zu helfen, wäre das auch zu leisten", sagte Löning der Zeitung. Es gebe immer noch genügend Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, die dafür eingesetzt werden könnten.

Amnesty International wirft Griechenland unmenschliche Behandlung von Flüchtlingen vor. Die Migranten - unter ihnen viele Kinder - müssten in Griechenland unter "beschämenden und fürchterlichen" Bedingungen leben. In einem aktuellen Bericht listet die Menschenrechtsorganisation die Missstände auf: Die Flüchtlinge leben danach auf der Straße oder in miserablen Unterkünften, sie müssen tagelang vor Behörden warten und werden von Rassisten angegriffen. Die Bedingungen in den Haftzentren seien vielfach "unmenschlich" und "erniedrigend".

Zehntausende Migranten strömen jedes Jahr nach Griechenland, sie stammen aus Afghanistan und Pakistan, Iran, Syrien und Afrika. Viele kommen über den Landweg. Doch die Grenze wird immer stärker gesichert wird, deshalb versuchen sie nun, über das Meer und den Grenzfluss Evros nach Griechenland zu kommen.

Ohne Zweifel trage Griechenland eine Hauptlast bei den ankommenden Flüchtlingen, sagte Löning der Zeitung. "Die EU, aber auch Deutschland und andere Mitgliedsländer stellen deswegen seit langem finanzielle und logistische Hilfe zur Verfügung, da der würdige Umgang mit Menschen, die bei uns Schutz suchen, eine gemeinsame europäische Aufgabe ist." Der Bericht zeige aber, dass in Griechenland noch erhebliche weitere Anstrengungen nötig seien.

"Wenn Griechenland das Problem selbst nicht in den Griff bekommt, muss überlegt werden, ob internationale Organisationen wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk eingeschaltet werden", so Löning.

heb/kgp/dpa/dapd


URL:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH