Flüchtlingsdrama: Löning wirft Athener Regierung fehlenden Willen vor

Extrem verstörend nennt der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung das, was mit Flüchtlingen in Griechenland passiert. Markus Löning ist empört über die katastrophale Lage und nennt sie eine "Schande für ganz Europa".

Flüchtlinge in Athen: Dicht zusammengedrängt schlafen sie in diesem Haus Zur Großansicht
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Flüchtlinge in Athen: Dicht zusammengedrängt schlafen sie in diesem Haus

Berlin - Es sind deutliche Worte, die der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), zum Flüchtlingsdrama in Griechenland findet. "Es ist eine Schande für alle Europäer, was in Griechenland passiert", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Versorgung und Schutz - etwa vor Übergriffen Rechtsextremer - seien unzureichend. "In dieser Kombination ist das extrem verstörend."

Der Menschenrechtsbeauftragte warf den Verantwortlichen fehlenden Willen zur Verbesserung der Lage vor. "Gäbe es in Griechenland einen Willen, den Flüchtlingen zu helfen, wäre das auch zu leisten", sagte Löning der Zeitung. Es gebe immer noch genügend Beschäftigte im Öffentlichen Dienst, die dafür eingesetzt werden könnten.

Amnesty International wirft Griechenland unmenschliche Behandlung von Flüchtlingen vor. Die Migranten - unter ihnen viele Kinder - müssten in Griechenland unter "beschämenden und fürchterlichen" Bedingungen leben. In einem aktuellen Bericht listet die Menschenrechtsorganisation die Missstände auf: Die Flüchtlinge leben danach auf der Straße oder in miserablen Unterkünften, sie müssen tagelang vor Behörden warten und werden von Rassisten angegriffen. Die Bedingungen in den Haftzentren seien vielfach "unmenschlich" und "erniedrigend".

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Griechenland: Flüchtlinge in Not
Zehntausende Migranten strömen jedes Jahr nach Griechenland, sie stammen aus Afghanistan und Pakistan, Iran, Syrien und Afrika. Viele kommen über den Landweg. Doch die Grenze wird immer stärker gesichert wird, deshalb versuchen sie nun, über das Meer und den Grenzfluss Evros nach Griechenland zu kommen.

Ohne Zweifel trage Griechenland eine Hauptlast bei den ankommenden Flüchtlingen, sagte Löning der Zeitung. "Die EU, aber auch Deutschland und andere Mitgliedsländer stellen deswegen seit langem finanzielle und logistische Hilfe zur Verfügung, da der würdige Umgang mit Menschen, die bei uns Schutz suchen, eine gemeinsame europäische Aufgabe ist." Der Bericht zeige aber, dass in Griechenland noch erhebliche weitere Anstrengungen nötig seien.

"Wenn Griechenland das Problem selbst nicht in den Griff bekommt, muss überlegt werden, ob internationale Organisationen wie das Uno-Flüchtlingshilfswerk eingeschaltet werden", so Löning.

heb/kgp/dpa/dapd

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insgesamt 32 Beiträge
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1. optional
Sgt.Moses 20.12.2012
Alles klar. Die bösen Griechen wieder. Soll er sich doch lieber dafür einsetzen, dass die unselige Regelung mit dem sicheren Drittstaat abgeschafft wird! Griechenland ist ein Freistaat und Deutschland macht sich's als Bundesland einfach, schiebt alle Flüchtlinge wieder dorthin ab... Echte Verantwortung erschöpft sich jedenfalls nicht in Ermahnungen!
2. Mit Menschlichkeit hat das wirklich nichts mehr zutun...
flüchtig 20.12.2012
...ich befürchte jedoch, daß sich hier, in nicht allzu ferner Zukunft genau das gleiche abspielen wird! Auch hier geht die Bevölkerung immer unduldsamer mit Wirtschaftsflüchtlichen, Asylanten und Migranten um. Wie im Tierreich wird das Revier mit Zähnen und Klauen verteidigt!
3. Deutschland macht es sich zu einfach
giostamm 20.12.2012
und warum nimmt Deutschland nicht seinen Teil an Fluechtlngen auf anstelle diese mit der Drittstaatenregelung gleich wieder nach Griechenland oder Italien zurueckzuschieben? Die gennanten inanziellen Hilfen sind laecherlich. Das Land soll gefaelligst tausende Menschen aufnehmen wie das andere auch tun!!!!
4. Kein Problem
Inselbewohner 20.12.2012
Wir überweisen einfach einige Millionen mehr an GR damit sie dieses Problem lösen oder wie es unsere Gutmenschen vorschlagen würden, wir holen die Wirtschftsflüchtigen einfach her. Problem gelöst! Die Griechen krebsen am Existensminimum und haben einfach nichts über um Leute durchzufüttern. Ausserdem dauert so ein Asylverfahren elendig lange, kein Wunder bei dem öffentlichen Dienst den die haben, mit Arbeit haben da es nicht viele. Gruß HP
5.
friedrichii 20.12.2012
Zitat von giostammund warum nimmt Deutschland nicht seinen Teil an Fluechtlngen auf anstelle diese mit der Drittstaatenregelung gleich wieder nach Griechenland oder Italien zurueckzuschieben? Die gennanten inanziellen Hilfen sind laecherlich. Das Land soll gefaelligst tausende Menschen aufnehmen wie das andere auch tun!!!!
Wenn Sie sich nur etwas informieren wuerden haetten auch Sie feststellen koennen, dass Deutschland schon seit einiger Zeit keine Fluechtlinge mehr nach Griechenland abschiebt.
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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