Schuldenstreit mit Griechenland Obama springt Tsipras zur Seite

Überraschende Unterstützung für Alexis Tsipras: US-Präsident Barack Obama fordert Verständnis für die neue Regierung in Griechenland - und kritisiert die EU scharf.

US-Präsident Obama: Forderung nach Kompromisse auf allen Seiten
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US-Präsident Obama: Forderung nach Kompromisse auf allen Seiten


New York/Hamburg - US-Präsident Barack Obama hat sich wortstark in den Konflikt zwischen der EU und Griechenland eingemischt. "Sie können Länder, die sich mitten in einer Depression befinden, nicht immer weiter ausquetschen", sagte Obama am Sonntag im Interview mit dem US-Fernsehsender CNN. Bei einer Wirtschaft, die sich "im freien Fall" befinde, brauche es vor allem eine Wachstumsstrategie. Nur so könne ein Land seine Schuldenlast reduzieren.

Obama räumte ein, dass Strukturreformen in Griechenland bitter nötig seien. Angesichts des rapide sinkenden Lebensstandards der Menschen seien diese aber schwer umzusetzen. Er hoffe, dass Griechenland in der Eurozone bleiben könne, sagte Obama. Dafür seien aber Kompromisse auf allen Seiten nötig.

Das überschuldete Griechenland erhält seit 2010 Kredite in Höhe von 240 Milliarden Euro, um den Staatsbankrott abzuwenden. Im Gegenzug musste das Land sich zu Reformen bereit erklären, deren Fortschritte von der Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), Europäischer Zentralbank (EZB) und EU-Kommission überwacht werden. Die neu gewählte Regierung unter dem linken Regierungschef Alexis Tsipras will viele Sparmaßnahmen aussetzen und hat die Zusammenarbeit mit der Troika aufgekündigt. Vor allem die Bundesregierung lehnt einen von Athen geforderten Schuldenschnitt aber ab.

Tsipras und sein Finanzminister Giannis Varoufakis sind derzeit auf Rundreise durch Europa, um für ihren Kurswechsel zu werben. Tsipras traf am Montag in Zypern Staatspräsident Nikos Anastasiades, sein Minister Varoufakis reiste nach London. Er will nach eigenen Worten auch bald nach Deutschland kommen, um die griechische Position zu erläutern.

Der Finanzminister hatte am Sonntag in Paris angekündigt, dass Athen bis Ende Februar detaillierte Pläne auf den Tisch legen wird. Bis Ende Mai hofft er auf eine neue, international abgestimmte Lösung, was den Umgang mit der griechischen Schuldenkrise angeht. EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker plant laut einem Bericht des "Handelsblatts" indes, die Griechenland-Troika abzuschaffen.

mxw/AFP

Forum - Diskussion über diesen Artikel
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demophon 02.02.2015
1. Obama fürchtet Annäherung an Russland
Obama will Griechenland in der Nato behalten und eine Annäherung an Russland verhindern. Daher stellt er sich auf die Seite der neuen Regierung in Athen. Die Kosten für Obamas Forderungen haben ja andere, vornehmlich Deutschland, zu tragen.
Niederbayer 02.02.2015
2. Jeder kehre vor seiner eigenen Türe...
Damit hat er genug zu tun. Ich mag die Amis eigentlich recht gerne und wahr auch schon sehr häufig drüben. Aber bei diesem Thema sollte der gute Obama besser den Rand halten, das geht ihn nämlich gar nichts an.
viwaldi 02.02.2015
3. Darauf konnte man wetten
Die USA sind froh, wenn der Euro scheitert. Das sollten wir immer klar sehen. Daher sind solche Vorschläge von Obama gut zu verstehen. Einmal Euro zerschlagen, und griechischstämmige Wähler im eigenen Land für sich gewinnen. Win-Win Situation für Obama, Lose-Option für Deutschland. Hören wir nicht auf Obama, er vertritt nicht unsere Interessen.
Immanuel_Goldstein 02.02.2015
4.
Dass die USA ja nun wirklich keinerlei Interesse an einem wirtschaftlich starken Europa haben, welches die US-Vormachtstellung gefährden könnte, ist seit langem bekannt. Vor diesem Hintergrund wirkt Obamas Einlassung mehr als lächerlich, aber es ist ihm unbenommen für die griechischen Schulden einzustehen. Alles andere geht ihn schlichtweg nichts an und er sollte sich raushalten.
adal_ 02.02.2015
5.
Ja, Obama. Es hat sich nicht nur bis zum IWF, sondern inzwischen sogar bis Brüssel herumgesprochen, dass die Troika gescheitert ist: Weiter steigende griechische Staatsverschuldung trotz gnadenloser Austerität ist der Offenbarungseid.
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