Griechenland Olympisches Feuer entzündet - Demonstranten stören Zeremonie

Aufregung im antiken Stadion: Zwei Pro-Tibet-Aktivisten haben mit Schreien und schwarzen Fahnen die feierliche Entfachung des Olympischen Feuers verzögert. Die Männer wurden festgenommen - und nun brennt die berühmteste Fackel der Welt.


Olympia - Die Unbekannten stürmten ins antike Olympiastadion, als der Präsident des chinesischen Organisationskomitees, Liu Qi, eine Rede hielt - kurz vor der Entzündung des Feuers. Polizisten setzten die Männer fest und brachten sie vom Ort des Geschehens weg, wie das Fernsehen zeigte. Die Zeremonie fand in der antiken Stätte von Olympia auf der Halbinsel Peloponnes statt. Die Flamme wurde trotz zum Teil bewölkten Himmels mit einem Hohlspiegel und mit Hilfe der Sonnenstrahlen entzündet. Die griechische Schauspielerin Maria Nafpliotou in der Rolle der "Obersten Priesterin" richtete einen Aufruf an den antiken Gott der Sonne Apollon. Anschließend übergab sie das Feuer an den ersten Fackelträger, den griechischen Silber-Olympiasieger 2004 im Teakwondo, Alexandros Nikolaidis. Gleichzeitig wurde eine Friedenstaube befreit.

Protest mit schwarzer Olympia-Flagge: Pro-Tibet-Aktivisten stören die Rede des Präsidenten des chinesischen Organisationskomitees und werden festgenommen.
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Protest mit schwarzer Olympia-Flagge: Pro-Tibet-Aktivisten stören die Rede des Präsidenten des chinesischen Organisationskomitees und werden festgenommen.

"Wir schicken heute die Nachricht des Olympischen Waffenstillstandes", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, Jacques Rogge. "Die Olympischen Spiele müssen in einer friedlichen Umgebung stattfinden."

Eine Gruppe tibetischer Dissidenten hatte zuvor Proteste während der Feierlichkeiten angekündigt. Der Sprecher der Organisation Studenten für ein freies Tibet, Tenzin Dorjee, rief das Internationale Olympische Komitee (IOC) dazu auf, Tibet von der Liste der Regionen zu streichen, durch die die Fackel getragen werden soll. "Die chinesische Regierung hat Blut an ihren Händen", sagte er mit Blick auf die jüngsten Unruhen in Tibet.

Griechenland hatte ein Aufgebot von rund 1000 Polizisten bereitgestellt, um tibetische Demonstranten von der Feier fernzuhalten. Am Ostersonntag hatten als antike Priesterinnen verkleidete Schauspielerinnen die Zeremonie vor den Ruinen des Hera-Tempels in Olympia, der Geburtsstätte der Spiele, geprobt.

Von Griechenland aus wird das Olympische Feuer um die halbe Welt bis nach Peking getragen, wo am 8. August die Olympischen Sommerspiele feierlich eröffnet werden sollen. Der Fackelzug soll bis auf den Gipfel des Mount Everest führen. Dies bedeutet, dass auch tibetisches Territorium durchlaufen wird, was zahlreiche Proteste ausgelöst hat. China hat am Wochenende indessen noch einmal bekräftigt, den Staffellauf ohne jegliche Abstriche wie geplant durchführen zu wollen.

IOC-Präsident Rogge betonte, er sehe derzeit keine Anzeichen für einen Boykott der Olympischen Spiele. "Die führenden Politiker der Welt wollen keinen Boykott", so Rogge. Weder US-Präsident Georg W. Bush noch Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy oder der britische Premierminister Gordon Brown wollten einen Boykott. "Es gibt keine Boykottbewegung", schlussfolgerte Rogge.

Unterdessen wurde bekannt, dass eine thailändische Fackelläuferin das Feuer nicht tragen will. Die Umweltschützerin hat ihre Teilnahme abgesagt. Damit will Narisa Chakrabongse, die Vorsitzende von Thailands "Grüner Welt Stiftung", gegen Chinas gewaltsames Vorgehen gegen Aufständische in der autonomen Region Tibet demonstrieren.

"Ich will eine starke Botschaft an China senden und zeigen, dass die Welt die Vorfälle in Tibet nicht akzeptiert. Das Land sollte dringend seine Tibet-Politik überdenken", hieß es in einem Statement, das am Osterwochenende veröffentlicht worden war. Chakrabongse sollte eine von 80 Fackelläuferinnen sein, wenn das Feuer am 18. April durch Bangkok getragen wird.

Die blutig niedergeschlagenen Proteste in Tibet begannen am 10. März. Nach Angaben der tibetischen Exil-Regierung kamen dabei bislang schon rund 100 Menschen ums Leben. China spricht von 19 Toten und beschuldigt den Dalai Lama, Drahtzieher der Aufstände zu sein.

Bereits am Montag trugen drei deutsche Sportler die Flamme jeweils 200 Meter weit. Hockey-Olympiasiegerin Nadine Ernsting-Krienke, der Wolfsburger Fußball-Trainer Felix Magath und der frühere Formel-1-Pilot Hans-Joachim Stuck hielten die Fackel auf ihrem Weg durch Griechenland in den Händen.

Das Feuer wird am 30. März an die Olympia-Organisatoren übergeben und kommt am 31. März in Peking an, ehe es zu seiner "Reise der Harmonie" über alle Kontinente und durch alle chinesischen Provinzen, inklusive der autonomen Region Tibet startet.

Gleichzeitig wird bekannt, dass ein chinesisches Gericht einen Bürgerrechtler zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt hat, weil er sich in einem offenen Brief für die Verwirklichung von Menschenrechten eingesetzt hat.

Das teilte ein Gerichtssprecher in der Stadt Jiamusi in der nordöstlichen Provinz Heilongjiang mit. Yang Chunlin sei der Untergrabung der Staatsmacht beschuldigt worden. Mit diesem Vorwurf gehen die chinesischen Behörden regelmäßig gegen Dissidenten vor.

Yang hatte mehr als 10.000 Unterschriften für einen offenen Brief mit dem Titel gesammelt: "Wir wollen Menschenrechte, nicht die Olympischen Spiele." Er wurde im vergangenen Juli festgenommen. Gerichtssprecher Nie Lei sagte, Yang könne Berufung gegen das Urteil einlegen.

jdl/dpa/AP/Reuters



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