"Nordmazedonien" Griechisches Parlament stimmt Abkommen im Namensstreit zu

Nach fast 30 Jahren Streit hat das griechische Parlament sein Okay gegeben: Der nördliche Nachbar soll nicht mehr "Republik Mazedonien", sondern "Nordmazedonien" heißen.

Griechisches Parlament
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Das griechische Parlament hat das Abkommen zur Überwindung des Namensstreits um den Namen Mazedoniens gebilligt. 153 Abgeordnete votierten für das Abkommen. 146 stimmten dagegen. Es gab eine Stimmenthaltung.

Ein entsprechendes Abkommen hatte der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras 2018 mit seinem Amtskollegen aus Skopje getroffen. An dem Streit war die griechische Regierungskoalition zerbrochen: Der Verteidigungsminister und Chef der rechtspopulistischen Partei "Unabhängige Griechen", Panagiotis Kammenos, war deswegen zurückgetreten. Anschließend überstand Tsipras knapp ein Misstrauensvotum.

Der Namensstreit schwelte, seit Mazedonien 1991 als ehemalige Teilrepublik Jugoslawiens unabhängig wurde. Griechenland lehnte den Landesnamen Mazedonien lange ab, weil seine im Norden liegende Provinz ebenfalls so heißt.

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Viele Griechen befürchteten Umfragen zufolge, das Nachbarland könne Gebietsansprüche an die nordgriechische Region Mazedonien stellen.

Als Gegenleistung für die nun abgesegnete Namensänderung will sich Athen nicht mehr gegen den Beitritt dieser Republik in die Nato sperren und auch die Aufnahme von EU-Beitrittsverhandlungen nicht mehr blockieren.

Das Parlament in Mazedonien hat das Abkommen trotz ähnlicher Reaktionen nationalistischer Kreise im eigenen Land bereits ratifiziert.

Im Vorfeld hatten Rechte und nationalistische Organisationen mit Zehntausenden Menschen in Athen gegen die Namensänderung von Mazedonien in Nordmazedonien protestiert.

mho/AFP/dpa



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FakeBot 25.01.2019
1.
Scheinbar haben beide Parlamente doch noch so etwas wie Verantwortungsgefühl. Wer hätte das gedacht.
gothograecus 25.01.2019
2. Die Landkarte
Na dann aber bitte auch gleich die Karte aktualisieren, lieber SPON... :) Tsipras, dessen Amtszeit ansonsten eine Katastrophe war, hatte tatsächlich die besseren Argumente in dieser der Außenwelt kaum zu vermittelnden Debatte, die aber an sehr tiefe Befindlichkeiten rührt. Sein Gegner Mitsotakis kann zwar im Volk und vor allem in Nordgriechenland punkten, hat sich aber unnötig weit rechts aus dem Fester gelehnt. Tatsächlich hatte Tsipras unter anderem mit dem Vertrag versucht, die Konservativen zu spalten, und insofern war es legitim, selbst mit Scheinargumenten einen Vertag abzulehnen, der im wesentlichen die griechische politische Position der letzten 10-15 Jahre bestätigt (zusammengesetzter Staatsname mit geografischer Kennzeichnung für jeglichen Gebrauch). Mitsotakis hätte es bei der Ablehnung unter Vorwänden belassen können, ohne das ganze Getöse. So hat er sein Ansehen im Ausland (Mutti!) und auch bei einem Teil der liberalen Wählerschaft im eigenen Land lädiert, um seinen rechten Rand bei der Stange halten zu können.
betonklotz 25.01.2019
3. Geschichte ist die Lüge, die sich durchgesetzt hat.
Das bestätigt sich doch immer wieder. Die Bewohner des heutigen Mazedonien haben mit den atiken Bewohnern dieser Region herzlich wenig zu tun, da stimmt schon. Nur sieht das für die heutigen Griechen auch nicht anders aus. Desweiteren galten die Makedonen im antiken Griechenland als Halbwilde, auf welche man herabblickte. Es ist von daher schon geradezu eine Groteske in Monthy Python Manier, wenn die heutigen Griechen Alexander den "Großen" als den größten Griechen aller Zeiten verehren. Schließlich hatten er rsp. sein Vater Philipp Geriechenland in blutigen Kämpfen unterworfen, waren also Besatzer. Eigentlich sollten die Leute dort doch genug andere Probleme haben, ist ja nicht gerade so, daß sie im Garten Eden ein Leben frei von Sorge und Nöten führen würden.
rudi_ralala 25.01.2019
4.
Zitat von betonklotzDas bestätigt sich doch immer wieder. Die Bewohner des heutigen Mazedonien haben mit den atiken Bewohnern dieser Region herzlich wenig zu tun, da stimmt schon. Nur sieht das für die heutigen Griechen auch nicht anders aus. Desweiteren galten die Makedonen im antiken Griechenland als Halbwilde, auf welche man herabblickte. Es ist von daher schon geradezu eine Groteske in Monthy Python Manier, wenn die heutigen Griechen Alexander den "Großen" als den größten Griechen aller Zeiten verehren. Schließlich hatten er rsp. sein Vater Philipp Geriechenland in blutigen Kämpfen unterworfen, waren also Besatzer. Eigentlich sollten die Leute dort doch genug andere Probleme haben, ist ja nicht gerade so, daß sie im Garten Eden ein Leben frei von Sorge und Nöten führen würden.
Obwohl ich auch nicht unbedingt der griechischen Geschichtsschreibung folgen mag, gibt es aber immerhin Beweise genug, dass zumindest die makedonische Aristokratie die griechische Kultur adoptiert hatte und das nachgewiesener Massen seit Alexander I. Alexander III. wurde von Aristoteles geschult. Die Namen Alexander und auch Phillip sind definitiv griechischer Herkunft. Alle (!) Inschriften die man in Makedonien fand sind in attisch-griechisch oder zumindest in einem griechischen Dialekt verfasst. Niemand kann bis heute beweisen, dass die makedonische Sprache ein komplett andere war als die Griechische. Möglichweise war es ein griechischer Dialekt. Was mich in Griechenland stört ist, dass tausende Dummbeutel, die angeblich patriotisch sind, sich auf dem Syntagma über Nordmakedonien echauffieren. Leute, die wenn man sie fragt, nicht die Bohne Ahnung haben von der griechischen, antiken Geschichte.
RealSim 25.01.2019
5. Sachsen
Erinnert mich an den Namen meines Heimat-Bundeslandes (Sachsen) welches mit dem Siedlungsgebiet des ursprünglichen Volkes der Sachsen ja auch nichts zu tun hat. Dann gibts ja noch Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Naja glaube nicht dass sich in Deutschland jemand an diesen Namen stößt. Genauso wird sich die Mazedoniengeschichte entwickeln. Von wegen Gebietsansprüche, diese Vorwürfe sind lächerlich.
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