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"Goldene Morgenröte": Komplette Spitze von griechischer Neonazi-Partei angeklagt

"Morgenröte"-Chef Michaloliakos (r., Archivbild): Parteispitze angeklagt Zur Großansicht
DPA

"Morgenröte"-Chef Michaloliakos (r., Archivbild): Parteispitze angeklagt

Mehr als 70 führende Politiker der griechischen rechtsextremen Partei "Goldene Morgenröte" müssen vor Gericht. Es geht unter anderem um Totschlag, illegalen Waffenbesitz und Mord.

Athen - Die gesamte Führung der rechtsextremistischen Partei "Goldene Morgenröte" (Chrysi Avgi) muss sich in Griechenland vor Gericht verantworten. Dies hat ein dreiköpfiges Richtergremium nach einer Anklage der Athener Staatsanwaltschaft beschlossen. Die Vorwürfe lauten: Gründung einer kriminellen Vereinigung, Körperverletzung und illegaler Waffenbesitz, berichtete der staatliche Rundfunk unter Berufung auf Mitarbeiter des zuständigen Staatsanwaltes.

Unter den 72 Angeklagten sind Parteichef Nikolaos Michaloliakos sowie weitere 17 ehemalige und heutige Abgeordnete der Partei. Ihnen drohen Strafen von bis zu 20 Jahren Gefängnis. Michaloliakos und sechs weitere Parlamentarier sitzen schon seit Monaten in Untersuchungshaft.

Der Prozess soll voraussichtlich im April beginnen, meldet die Nachrichtenagentur dpa. Auslöser der strafrechtlichen Verfolgung war ein Zwischenfall aus dem September 2013, als ein linker Musiker von einem Anhänger der "Goldenen Morgenröte" erstochen worden war. Der Täter gestand; es folgten Hausdurchsuchungen und Ermittlungen gegen die Parteispitze sowie zahlreiche Funktionäre.

Die Partei, die enge Kontakte zur Neonazi-Szene unterhält, ist wegen ihrer Angriffe auf Migranten bekannt. So soll sie an der Ermordung eines pakistanischen Einwanderers sowie an die Misshandlung politischer Gegner beteiligt gewesen sein.

Trotz der Ermittlungen der Justiz war die rechtsradikale Partei bei der Wahl am 25. Januar mit 6,3 Prozent drittstärkste politische Kraft geworden - Michaloliakos und die meisten angeklagten Abgeordneten wurden wiedergewählt. Die rechtsextreme Partei hatte infolge der schweren Wirtschaftskrise seit 2010 an Einfluss gewonnen und profitierte insbesondere von der Wut der Bürger auf etablierte Parteien und politische Eliten.

Bereits seit 2013 sitzen sechs Funktionäre der Neonazi-Partei in Haft, darunter auch ihr Chef Nikolaos Michaloliakos. Ihnen werden Mord, versuchter Totschlag, illegaler Waffenbesitz und Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

mxw/dpa/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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1. Auf einem Gebiet Aktionismus, aber
gerald246 04.02.2015
naja, bin ja froh dass die Griechen auf einem Gebiet etwas Aktionismus zeigen - beim Steuer einziehen von den reichen leuten halten sie sich ja immer noch ziemlich zurueck
2. Politjustiz?
blaubärt 04.02.2015
Diese Goldene Morgenröte ist ja sicher eine sehr unschöne Vereinigung, aber das hört sich nun schon sehr nach Politjustiz an. Möchte da vielleicht ein ehrgeiziger Staatsanwalt unter den neuen Machthabern Karriere machen?
3.
friedrich_eckard 04.02.2015
Zitat von gerald246naja, bin ja froh dass die Griechen auf einem Gebiet etwas Aktionismus zeigen - beim Steuer einziehen von den reichen leuten halten sie sich ja immer noch ziemlich zurueck
Darf ich Mitforisten gerald246 höflichst fragen, ob ihm bekannt ist, wie lange die griechische Linksregierung inzwischen amtiert? Nach meiner Kenntnis sind das neun(!) Kalendertage, den Tag der Vereidigung Tsipras als Ministerpräsident und den heutigen Tag mit eingerechnet. Ich habe ja als Parteigänger der LINKEN für Tsipras und die Seinen grösste Sympathie, und ich traue ihnen auch viel zu - aber man kann es doch auch übertreiben.
4.
friedrich_eckard 04.02.2015
Zitat von blaubärtDiese Goldene Morgenröte ist ja sicher eine sehr unschöne Vereinigung, aber das hört sich nun schon sehr nach Politjustiz an. Möchte da vielleicht ein ehrgeiziger Staatsanwalt unter den neuen Machthabern Karriere machen?
Das ist schon deshalb "daneben", weil die sicherlich sehr umfangreiche Anklage, die jetzt zugelassen worden ist, schon deutlich vor dem Wahltag bei Gericht eingereicht worden sein muss.
5. @blaubärt
derdesillusionierte 04.02.2015
Die Justiz war lange genug auf dem rechten Auge blind, auch in Griechenland und hat dem gewaltsamen Treiben der Goldenen Morgenröte zugeschaut. Da jetzt von Politjustiz zu sprechen, wenn Verbrecher, die lange schalten und walten könnten, endlich angeklagt werden, ist gelinde gesagt grotesk.
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Regierungschef: Alexis Tsipras

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