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Reparationsforderungen: Griechische Schüler sollen mehr über Nazi-Verbrechen lernen

Von , Athen

Obenstufenschüler in Griechenland: Verteidigungsministerium will Lehrpläne zu Nazi-Besatzung ändern Zur Großansicht
ddp images/ CAMERA PRESS/ Hellas Press

Obenstufenschüler in Griechenland: Verteidigungsministerium will Lehrpläne zu Nazi-Besatzung ändern

Mit einer groß angelegten Kampagne will die griechische Regierung ihrer Forderung nach Reparationen aus Deutschland Nachdruck verleihen: Schüler sollen mehr über die Nazi-Besatzung lernen, alte Wehrmacht-Akten sollen veröffentlicht werden.

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Acht Seiten nehmen der Zweite Weltkrieg, die deutsche Besatzung Griechenlands und die Gräueltaten der Nationalsozialisten in griechischen Schulbüchern ein. Das ist zu wenig, findet das Verteidigungsministerium und organisiert eine Kampagne, mit der unter Schülern und Soldaten das Bewusstsein für Verbrechen der Nationalsozialisten geschärft werden soll. Dazu gehört eine eigens erstellte Broschüre, die an Schulen und auf Militärbasen verteilt werden soll.

Das Vorhaben hat der stellvertretende Verteidigungsminister Kostas Isichos erstmals bei einer Sitzung am Montag vorgestellt. Die griechische Regierung sieht die Kampagne als Teil der nationalen Verteidigungsstrategie. Die Athener Regierung fordert von Deutschland Entschädigung für abgepresste Kredite zur Zeit der NS-Besetzung und für erlittene Kriegsschäden.

Justizminister Nikos Paraskevopoulos drohte gar damit, deutsches Eigentum in Griechenland zu beschlagnahmen (Lesen Sie hier die Hintergründe.) Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte bereits im Wahlkampf versprochen, von Berlin Reparationen zu verlangen.

Griechische Schüler wissen wenig über Nazi-Zeit

"Heutzutage wird die Zeit der Besatzung ganz spät im Lehrplan unterrichtet, das muss sich ändern. Wir müssen das geschichtliche Wissen in den Schulen ausbauen", sagt Themis Kotsifakis, der Vorsitzende der griechischen Lehrergewerkschaft Olme.

Griechenlands Schüler lernen in der Regel in den letzten drei Jahren des Gymnasiums (im Alter von 12 bis 15) sowie in Lyzeum (16 bis 18) über den Zweiten Weltkrieg. Eine Schülerin einer privaten Schule in Thessaloniki erzählt, ihre Lehrer hätten dieses Thema kaum behandelt. "Wir haben im Gymnasium etwas über diese Zeit gelernt, aber viel war das nicht."

Manche Griechen fürchten, dass Initiativen wie die des Verteidigungsministeriums die Animositäten und antideutschen Gefühle im Land verstärken - und das in einer Zeit, in der die Solidarität der EU und die griechisch-deutschen Beziehungen durch die Schuldenkrise Athens ohnehin schon strapaziert sind.

Andere fordern das Verteidigungsministerium auf, sich aus schulischen Lehrplänen herauszuhalten. "Da wird Schritt für Schritt ein Propagandaplan erstellt, der unser Land nur noch weiter isolieren wird", schreibt etwa der Kolumnist Andreas Zampoukas im Netzportal Protagon.gr. "Das Verteidigungsministerium müsste einsehen, dass man in der westlichen Welt Schulen nicht zur Durchsetzung eigener politischer Pläne missbraucht."

Die Archive der Wehrmacht

Der Plan sieht auch vor, Gedenkveranstaltungen im In- und Ausland sowie eine internationale Konferenz abzuhalten. Dafür sollen griechische Auswanderer mobilisiert werden, geschätzt zwischen drei und sieben Millionen. Allein in Deutschland gibt es 300.000 Auslandsgriechen. Zudem sollen bislang unveröffentlichte Archivdaten genutzt werden, um das Anliegen der Regierung zu unterstreichen. Dabei soll es sich um Daten über die Zerstörung von archäologischen Stätten, Denkmälern, Flughäfen, Häfen und Straßen handeln.

Vizeminister Isichos sagte im Parlament, dass das Archiv bis zu 400.000 Akten der deutschen Besatzer umfasse. Diese Akten seien von der Wehrmacht erstellt worden und daher ein eindeutiger "Schuldbeweis".

Die griechische Regierung will ihre Reparationsforderungen nicht auf bilateraler Ebene, sondern international verhandeln. Athen erwägt eine Eingabe an die Unesco, in der man um Unterstützung bei der Identifizierung geplünderter Kunst und Antiquitäten bittet.

"Wir befinden uns nicht im Krieg mit Deutschland, aber diese offene Wunde der Nazi-Gräueltaten muss heilen", sagt Aristomenis Syngelakis, Mitglied im "Nationalen Rat für die Erstattung deutscher Schulden an Griechenland" und Teilnehmer des Planungstreffens der Kampagne.

Syngelakis' Vater war sieben Jahre alt, als dessen Vater bei dem Massaker von Viannos auf Kreta hingerichtet wurde. "Meine Großmutter hat meinem Vater damals gesagt, er solle die deutschen Soldaten mit Eiern und Süßigkeiten bestechen, um meinen Großvater freizulassen", erzählt er. "Doch als mein Vater zu den Soldaten ging, war Großvater schon längst tot. Meine Großmutter hat sich noch lange danach in ein Zimmer eingeschlossen und geweint, sobald sie deutsche Sprache gehört hat."

Im vergangenen März traf Syngelakis Bundespräsident Joachim Gauck, als dieser während seines Griechenland-Besuches die Opfer der Massakers von Lingiades ehrte. Dort hatten 1942 deutsche Soldaten 92 Menschen erschossen.

"Er war aufrichtig und hat sich bei uns entschuldigt", sagt er über Gauck. "Aber damit diese Entschuldigung etwas bedeutet, muss Deutschland seine Schulden bei uns bezahlen."


Zusammengefasst: Um der Forderung nach Reparationen Nachdruck zu verleihen, will das griechische Verteidigungsministerium auch in Schulen verstärkt über die Verbrechen der Nazi-Besatzer aufklären. Manche Beobachter fürchten, die Kampagne könnte die antideutsche Stimmung im Land noch verstärken.

Übersetzung aus dem Englischen: Fabian Reinbold

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 52 Beiträge
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1. Viel Spaß beim lernen.
iansteiner 12.03.2015
Etwas über Geschichte lernen ist nie falsch. Eventuell wären noch ein paar Kurse über Betriebswirtschaft und Steuerrecht als Ergänzung sinnvoll.
2.
miss_moffett 12.03.2015
Gute Idee, mehr über die Vergangenheit zu lernen schadet nie. Schuldenschnitt gibt's aber trotzdem nicht und mit der Troika muss auch weiter verhandelt werden. Und die Herren Varoufakis und Schäuble werden sich auch nicht besser verstehen.
3. Die Vergangenheit darf man sicher nicht
dani216 12.03.2015
vergessen. Was Griechenland aber momentan braucht, ist eine fundiertere Ausbildung in Soll und Haben.
4. Dürfen sie ruhig die Griechen, aber
defy_you 12.03.2015
wie wäre es denn, mal das Bewusstsein für die Bedeutung von Steuerzahlungen zu schärfen. Insoweit könnte mal an den Gemeinsinn der Griechen appelliert werden - gerne auch im Unterricht. Wenn schon ein Verteidigungsministerium Lehrpläne macht, sollte das für ein Finanzministerium erst Recht möglich sein. Daneben sollte vielleicht auch das Fach Wirtschaft eingeführt werden, damit die Griechen endlich verstehen, worin ihre Krise begründet liegt nämlich in ihrer Misswirtschaft. Aber dann würden die Griechen wohl erkennen, dass die griechischen Politiker die Nazikeule nur schwingen, um vom eigenen Versagen abzulenken und das ist vermutlich nicht gewollt. Ein lustiger Volk... besser als deutsche Comedy ist das allemal, was da Tag auf Tag aus diesem Land kommt.
5. Es reicht einfach!
Benjowi 12.03.2015
Bei allem Verständnis für die Probleme der Vergangenheit und der Gegenwart in Griechenland, aber dieses Theater ist ein Ausbund von Unehrlichkeit und Propaganda und obwohl ich eigentlich einer vernünftigen Lösung der Euro-Probleme offen gegenüberstehe, reicht es auch nach meinem Verständnis langsam. Wie lange will sich Deutschland diese Methoden eigentlich noch gefallen lassen? Gebt ihnen ihre Reparationen per Forderungsverzicht und zieht die Hand zurück-es reicht einfach und der Bogen ist massiv überspannt! Mit einem solchen Land will ich eigentlich gar nicht mehr in einer Union leben-sollen sie nach ihrer Facon selig werden-aber nicht mehr auf unsere Kosten!
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 10,858 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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