Neuer Medienliebling Griechische Presse huldigt Alexis dem Großen

Griechenlands neue Russland-Politik? In Athener Medien ist das kaum ein Thema - die Linksregierung von Alexis Tsipras wird vor allem gefeiert. Nur die Ankündigung neuer Staatsausgaben sorgt für Irritationen.

Von , Athen

Griechische Zeitungen (am Tag nach der Wahl): Die Linken werden gefeiert
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Griechische Zeitungen (am Tag nach der Wahl): Die Linken werden gefeiert


Wer in Griechenland Analysen oder kritische Kommentare über die neue Regierung lesen will, muss in diesen Tagen ausländische Medien konsumieren. Im Augenblick geht ein Großteil der griechischen Presse betont freundlich mit der Konterrevolution unter der Führung des Linksbündnisses Syriza um.

Die mögliche Hinwendung Athens nach Russland etwa sorgte zwar für einen Aufschrei in Europa, wurde in Griechenland selbst jedoch nicht groß thematisiert. Was auch keine Überraschung ist: Die griechischen Medien sind weniger für die Beständigkeit ihrer Positionen bekannt als für die Schnelligkeit, mit der sie sich auf neue politische Realitäten einstellen.

Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Syriza, der Wahlsieger vom Sonntag, quasi über Nacht vom Außenseiter zum Medienliebling geworden ist.

Der Umschwung setzte bereits kurz vor der Wahl ein, als die Presse merkte, dass die Tage der konservativen Regierung von Antonis Samaras gezählt sein dürften. Sie erreichte ihren Höhepunkt mit den feierlichen Titelseiten zum Triumph von Alexis Tsipras.

Der griechischen Presse geht es schlecht: Hoch verschuldet, die Auflagen im Sinkflug, abhängig vom guten Willen der Banken sowie von Anzeigen. Viele Verlage sind im Besitz von Magnaten mit wirtschaftlichen Interessen in verschiedenen Branchen. Die Redaktionen arbeiten also unter Bedingungen, die die Unabhängigkeit der Berichterstattung nicht gerade fördern. Zuletzt ist die Angst in den Verlagen noch gestiegen, nachdem die neue Regierung angekündigt hatte, gegen den medial-ökonomischen Komplex vorzugehen.

Der Umschwung im Ton lässt sich am Beispiel "To Vima" beobachten, der großen Sonntagszeitung. Kurz vor der Europawahl 2014 hatte Chefredakteur Antonis Karakousis die Wähler aufgefordert, die damalige Koalition aus Nea Demokratia und Sozialisten zu unterstützen: "Das griechische Volk muss die Ergebnisse ihrer Anstrengungen und Opfer honorieren." Es wäre eine Schande, wenn das griechische Volk dies wegwerfen würde, hieß es.

In seinem Leitartikel vom Donnerstag klingt Karakousis anders: Die Tsipras-Regierung könne in den Verhandlungen mit den Schuldnern ein gutes Argument vorbringen: "Dass die bisherige Politik nicht aufrechterhalten werden kann (…) Würde sie fortgesetzt, gewännen nur Faschisten und Anti-Europäer."

Schwieriger fiel es der Presse da schon, die heftige Reaktion von Investoren zu ignorieren, nachdem mehrere Minister gewaltige Mehrausgaben angekündigt hatten, bevor sie überhaupt ihre Büros bezogen. Vielleicht trug zur kritischen Berichterstattung auch die Tatsache bei, dass diese Ankündigungen selbst Tsipras zu weit gingen.

"Die Regierung startet auf dem falschen Fuß", titelte das Mitte-Links-Blatt "Ta Nea", die auflagenstärkste Zeitung. Die Ungeduld der Minister sei nachvollziehbar, aber sie verursache große Unsicherheiten auf den griechischen Märkten und helfe sicherlich nicht, Investoren anzuziehen, heißt es im Leitartikel vom Donnerstag.

Die Medien betonten auch die Bedeutung des Treffens von Finanzminister Giannis Varoufakis und Eurogruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem am Freitag. Dimitris Mitropoulos, Redaktionsleiter von "Ta Nea", argumentierte in einem Videokommentar, die Stabilität des Landes werde von diesem Treffen abhängen.

Die konservative Zeitung "Kathimerini" - eine Ausnahme, weil sie ideologisch stets klar verortbar ist - kritisierte die Eile, mit der die Syriza-Minister Versprechen machen würden. Der Wirtschaftskolumnist Babis Papadimitriou schrieb, niemand habe erwarten können, dass die Märkte "zur Feier einer neuen Regierung von Links- und Rechtspopulisten die Sektkorken knallen" lassen würden.

Aber die Minister hätten dennoch eine dermaßen starke Reaktion verhindern können, "wenn sie sich nur an die ungeschriebene Regel gehalten hätten, nach der absolutes Schweigen vonnöten ist", bis der Premierminister im Parlament gewählt ist.

Stefanos Kasimatis, ein Leitartikler von "Kathimerini", erteilte den Lesern in seiner Kolumne zum Manöver der Minister noch einen "freundlichen Ratschlag". Er schrieb: "Halten Sie sich fest, das ist erst der Anfang."

Übersetzung aus dem Englischen: Fabian Reinbold

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insgesamt 41 Beiträge
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Seite 1
lvkwge 29.01.2015
1. Abwarten,
ob der neue Liebling im Frühsommer nicht schon der Verlierer der Nation ist.
bau-mann 29.01.2015
2. Irgendwann mal werden die Linken
Es doch hoffentlich begreifen, dass das Kapital sich seine Wege selber sucht. Ich bin ja grundsätzlich ein solidarischer Mensch aber deswegen kann man doch nicht das Hirn ausschalten.
Leto13 29.01.2015
3. hm
Als sich der konservative ND Ministerpraesident Kostas Karamanlis in den Jahren 2004-2009 energiepolitisch und militaerpolitisch Russland annaeherte, wurden, das ist durch Dokumente belegt, Morddrohungen gegen ihn ausgesprochen und er liess sich dann prompt 2009 abwaehlen, weil ihm sein Leben lieb war. Seitdem hat man kaum etwas von ihm gehoert. Was die griechischen Medien betrifft, so sind viele davon natuerlich systemische Medien, so wie es in vielen anderen Laendern der Welt der Fall ist, auch in Deutschland. Die geballte Negativenergie deutscher Medien gegen Griechenland in den letzten Jahren mit Desinformation, Halbwissen, Unwissen und Luegen gespikt, die zum Hass breiter deutscher Bevoelkerungsschichten auf Griechenland und die vermeintlich faulen Griechen gefuehrt hat, ist eine Schande.
bonner85 29.01.2015
4. Presse
Es ist auch nicht Aufgabe der Presse, eine eigene Meinung zu vertreten und den Bürger dahingehend zu manipulieren. Aufgabe der Presse ist zu informieren. Und zwar über Fakten.. Und nicht über die eigene Meinung, die man als Fakt präsentieren möchte.
Klaus-Otto 29.01.2015
5. Auch in Griechenland
... wird nie so heiß gegessen, wie gekocht wird. Dort ist das Essen meist nur noch lauwarm, wenn es auf den Tisch kommt. Das gilt auch für politische Mahlzeiten.
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