Regierungskrise in Griechenland Samaras stellt Vertrauensfrage

Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras tritt die Flucht nach vorn an: Seine Regierung stellt die Vertrauensfrage. So will der Premier die Koalitionsfraktionen auf Linie bringen.

Griechischer Regierungschef Samaras: Positiver Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung
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Griechischer Regierungschef Samaras: Positiver Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung


Athen - Griechenlands Parlament hat seine neue Sitzungsperiode begonnen - und die Regierung stellt gleich die Vertrauensfrage. Die Abstimmung über das Kabinett von Premierminister Antonis Samaras wird voraussichtlich in der Nacht von Freitag auf Samstag stattfinden.

Die Regierung will mit der Vertrauensabstimmung wiederholten Forderungen der Opposition nach Neuwahlen die Spitze nehmen und die Koalitionsfraktionen der Konservativen (Nea Dimokratia) und Sozialisten (Pasok) hinter sich scharen. Momentan hätten die Regierungsparteien den Umfragen zufolge bei Neuwahlen keine Mehrheit.

Die Regierung in Athen blickt jedoch optimistisch in die Zukunft: Für 2015 sagt die Koalition ein kräftiges Wirtschaftswachstum und steigende Haushaltsüberschüsse voraus. Das Bruttoinlandsprodukt werde voraussichtlich um 2,9 Prozent zulegen, sagte Finanzstaatssekretär Christos Staikouras am Montag. Der Staatsetat werde ebenfalls ein Plus von 2,9 Prozent aufweisen, sofern die Zahlungen für den Schuldendienst ausgeklammert werden.

Arbeitslosenquote soll leicht sinken

"Das Land beginnt jetzt eine lange Phase nachhaltigen Wachstums und von Haushaltsüberschüssen" sagte Staikouras. "Das wird die Beschäftigung ankurbeln, die Arbeitslosigkeit drücken und den Lebensstandard für alle Einwohner erhöhen." Die Arbeitslosenquote in Griechenland soll von 24,5 Prozent auf 22,5 Prozent zurückgehen, der Schuldenstand auf 168 von 175 Prozent des Bruttoinlandsproduktes.

Die Regierung will sich im kommenden Jahr mehrfach an den Finanzmarkt wagen, um sich Geld von Investoren zu leihen und so aus dem Rettungsprogramm von Internationalem Währungsfonds und Europäischer Union aussteigen zu können. Geplant ist unter anderem die Emission von Anleihen mit sieben- und zehnjähriger Laufzeit.

syd/dpa/AFP



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insgesamt 9 Beiträge
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Progressor 06.10.2014
1. Dream a Little Dream
Es ist ja nicht so, dass wir den Griechen etwas Böses wünschen würden, ganz im Gegenteil. Ein Lichtblick reicht schon und uns fällt der eine oder andere Stein vom Herzen. Und überhaupt: Hätte man mir vor ein paar Jahren erzählt eine Volkswirtschaft mit 170 % Staatsverschuldung und 25 % Arbeitslosen könne sich nicht im freien Fall befinden, dann hätte ich ihn ausgelacht. Klar werden dort makroökonomische Primärdaten getürkt, das hat aber auch Grenzen. So wie sie jetzt stehen ist schon beachtlich. Ausserdem hat die Opposition auch kein Konzept. Was wollten die denn machen? Aus dem Euro austreten? Da lachen die Hühner. "Sweet dreams that leave all worries behind you"
knuffilo 06.10.2014
2. Ich war bis letzte Woche in Greece
Ein tolles Land, freundliche Leute, gute Küche. Aber warum sollte Brüssel oder Berlin weiterhin Geld dorthin schicken. Die träumen von einer Transferunion und leben weiterhin wie die Made im Speck. Unbedingt alle Zahlungen einstellen sonst lernen sie es nie.
leiboldson 06.10.2014
3.
Die Regierung in Athen blickt jedoch optimistisch in die Zukunft: Für 2015 sagt die Koalition ein kräftiges Wirtschaftswachstum und steigende Haushaltsüberschüsse voraus. Das Bruttoinlandsprodukt werde voraussichtlich um 2,9 Prozent zulegen, sagte Finanzstaatssekretär Christos Staikouras am Montag. Der Staatsetat werde ebenfalls ein Plus von 2,9 Prozent aufweisen, sofern die Zahlungen für den Schuldendienst ausgeklammert werden. Wahrscheinlich hält man es als Grieche gar nicht mehr anders aus, als ständig im Phantasialand zu verweilen...
mamuschkaone 06.10.2014
4.
Das wird nichts. Ich bin jedes jahr mehrere Male in griechenland, und die talsohle ist noch nicht erreicht. Das spardiktat wird kein Wachstum zulassen, den Leuten geht es immer schlechter. Auf den Dörfern sind viele Familien wieder Selbstversorger mit Hühnern und gemüse, in den Städten gibts es viele die ihre Miete nicht zahlen (können). Die Infrastruktur ist absolut marode, ausgebaute Straßen für ortsfremde nachts todesfallen. Da kann die Regierung noch soviel türken, der Weg geht steil abwärts. Helfen kann langfristig nur ein erneuter, radikaler schuldenschnitt, euro-bonds, oder ein Austritt aus dem euro, verbunden mit einer absichtlich herbeigeführten inflation. Alles Dinge, die man schon längst hätte machen können, doch die Frau Merkel hat einen langen atem. erst müssen die Banken ihre Schäfchen in sicherheit bringen, und große deutsche firmen die filetstücke bekommen. Fast auf jeden Berg in Griechenland stehen mittlerweile windräder, alle zu 100% in außer-griechischen besitz. Verlauft zu spottpreisen, da man dringend frisches Geld brauchte.
imlattig 06.10.2014
5. die ....
griechische bevoelkerung ist voellig unschuldig an dieser situation. die griechischen eliten haben die EU subventionen abgegriffen und unversteuert ins EU ausland sprich frankfurt, london und bern transferiert. das war diebstahl und muesste von der EU zurueckverlangt werden.
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