Griechenland-Krise Schäuble schließt Grexit nicht mehr aus

Für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble scheint in der griechischen Schuldenkrise nun alles möglich - selbst ein ungeplanter, unfallartiger Austritt des Staates aus der Eurozone.

Finanzminister Schäuble: "Nicht andere zu Sündenböcken machen"
AP/dpa

Finanzminister Schäuble: "Nicht andere zu Sündenböcken machen"


Wien - Die Verhandlungen über weitere Hilfszahlungen mit Athen ziehen sich: Am Freitag wird Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras zu einem Gespräch mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in Brüssel erwartet. Er will erörtern, wie sein Land europäische Fördergelder zur Bekämpfung der sozialen Folgen der schweren Schuldenkrise nutzen kann.

Mittlerweile hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Griechenland-Krise das für möglich, was vor einigen Wochen noch von vielen Politikern als unmöglich bezeichnet wurde: einen ungeplanten, unfallartigen Austritt des Landes aus der Eurozone. Darin stimme er mit seinem österreichischen Amtskollegen Hans Jörg Schelling überein, sagte Schäuble am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview des ORF. Der Bundesfinanzminister im Wortlaut:

"Da ja die Verantwortung, die Möglichkeit, zu entscheiden, was passiert, nur bei Griechenland liegt, und da wir nicht so genau wissen, was die Verantwortlichen in Griechenland tun, können wir es nicht ausschließen."

Die griechische Regierung kämpft in Gesprächen mit Fachleuten der Europäischen Zentralbank (EZB), der EU-Kommission und des Internationalen Währungsfonds (IWF) um deren Zustimmung zu ihren jüngsten Reformplänen. Davon hängt ab, wie schnell die Finanzminister der Euroländer ausstehende Hilfsgelder aus dem Rettungsprogramm freigeben. Die Regierung in Athen steht unter Druck, weil sie ihre Schulden weiter bedienen muss.

Schäuble sagte, Griechenland könne nur dann weitere Gelder erhalten, wenn sich der Staat an die Vereinbarungen mit seinen Gläubigern halte. "Europa bleibt bereit, Griechenland zu helfen, aber Griechenland muss sich helfen lassen. Das Problem ist nicht dadurch zu lösen, dass man andere zu Sündenböcken macht."

Deutsche haben negatives Griechenland-Bild

Die griechische Regierung hatte sich zuvor formell beim Auswärtigen Amt in Berlin über angeblich beleidigende Äußerungen von Schäuble über seinen Amtskollegen Giannis Varoufakis beschwert. Dieser warf der EZB zudem eine Politik vor, die Griechenland "die Luft zum Atmen nimmt".

Die Beziehungen zwischen der deutschen und griechischen Regierung bewertet eine große Mehrheit der Bürger laut "Deutschlandtrend im ARD-Morgenmagazin" inzwischen als belastet:

  • 54 Prozent der Befragten bezeichneten das Verhältnis als weniger gut,

  • 30 Prozent sogar als schlecht.

Lediglich jeder Zehnte ist der Auffassung, dass das Verhältnis zwischen der Regierung von Angela Merkel und der Regierung Tsipras gut ist (11 Prozent). Dieses negative Bild hat offenbar auch Auswirkungen auf das Griechenland-Bild der Deutschen abseits der politischen Bühne:

  • 45 Prozent der Befragten beurteilen das Verhältnis zu den Menschen in Griechenland als sehr gut oder gut,

  • während 46 Prozent die Beziehung der beiden Völker als weniger gut oder schlecht beschreiben.

Die Meinungsforscher von Infratest dimap befragten für die Erhebung vom 10. bis 11. März 1000 Bundesbürger. Die Fehlertoleranz liegt bei 1,4 bis 3,1 Prozent.

heb/dpa/Reuters

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insgesamt 151 Beiträge
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Seite 1
Hilfskraft 13.03.2015
1. auch Österreich ...
... auch Österreich scheint dies für wahrscheinlich zu halten. Somit dürfte das Schicksal GR besiegelt sein.
geisterfahrerii 13.03.2015
2. Wie immer
Also alles wie immer. Schäuble wirft erst mit starken Worten und hernach mit meinem Geld um sich.
curiosus_ 13.03.2015
3. Wie wäre es denn dann ...
Mittlerweile hält Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble in der Griechenland-Krise das für möglich, was vor einigen Wochen noch von vielen Politikern als unmöglich bezeichnet wurde: einen ungeplanten, unfallartigen Austritt des Landes aus der Euro-Zone. ... wenn man so langsam mal über einen geplanten Austritt nachdenken würde?
fatherted98 13.03.2015
4. Gähn...
...das sagte Schäuble so oder anders schon so oft...alles nur Geschwätz...ich bin es echt leid, diesem Schmierentheater zuzusehen und mich für die Überweisung meiner Steuergelder in ein Loch ohne Boden auch noch beschimpfen zu lassen.
mps58 13.03.2015
5. Feige Meinungsforscher
Die Meinungsforscher sind wie üblich feige. Sie hätten besser fragen sollen wieviel Prozent von uns bereit sind, für diese linke Regierung der griechischen Steuerverweigerer weiter ihr hart verdientes Geld zu geben. Ich jedenfalls nicht. Solidarität muss dort aufhören, wo plumpe und unverschämte Ausnutzung beginnt.
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