Betrugsvorwurf Tschechiens Präsident will Griechenland aus der Eurozone werfen

Griechenland sei nur dank gefälschter Statistiken in die Eurozone aufgenommen worden - deshalb sollte das Land diese wieder verlassen: Das fordert Tschechiens Präsident Milos Zeman. Auch die Bundesregierung hat ihre Haltung geändert.

Tschechiens Präsident Milos Zeman: "Statistiken gefälscht"
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Tschechiens Präsident Milos Zeman: "Statistiken gefälscht"


Prag - Mit deutlichen Worten hat sich der tschechische Präsident Milos Zeman für ein Euro-Austritt Athens ausgesprochen. "Griechenland sollte aus der Eurozone - nicht der EU - ausgeschlossen werden, weil es nur durch Betrug, die Fälschung von Statistiken, hineingekommen ist", sagte der Linkspolitiker der Zeitung "Pravo".

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Heft 2/2015
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Griechenland soll der Statistikbehörde Eurostat jahrelang falsche Angaben über seinen Schuldenstand gemacht haben. Tschechien selbst will den Euro nicht vor 2020 einführen und hält an der eigenen Währung Krone fest.

Ein möglicher griechischer Austritt wird auch in Deutschland und Griechenland wieder debattiert, nachdem der SPIEGEL über einen Kursschwenk der Bundesregierung berichtete. Kanzleramt und Finanzministerium stufen einen Austritt Athens aus der Eurozone inzwischen als verkraftbar ein. Der Parteichef der eurokritischen AfD ("Alternative für Deutschland"), Bernd Lucke, begrüßte die "späte Einsicht" von Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Schäuble.

In Griechenland soll am 25. Januar ein neues Parlament gewählt werden. Umfragen zeigen einen Vorsprung des Linksbündnisses Syriza von Alexis Tsipras. Sollte die Opposition gewinnen, will sie mit den EU-Partnern über das griechische Sparprogramm und einen Schuldenschnitt verhandeln. Für diesen Fall hält die Bundesregierung nach SPIEGEL-Informationen ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone für nahezu unausweichlich. Die Ansteckungsgefahr für andere Länder werde allerdings als gering eingeschätzt, weil Portugal und Irland als saniert gelten.

Der ehemalige EU-Währungskommissar Olli Rehn erwartet hingegen weitere Zugeständnisse gegenüber Athen. Die EU-Partner müssten Griechenland helfen, die griechische Schuldenlast zu reduzieren. "Das können wir aber auch durch eine Verlängerung der Laufzeiten der Kredite erreichen", sagte er. Einen Schuldenschnitt, wie von Tsipras gefordert, hält er für vermeidbar.

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vks/dpa

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powerranger 04.01.2015
1. der Tscheche hat recht.
Nur erstaunlich, dass die anderen Euro Länder vor dieser Wahrheit so gerne die Augen verschließen.
CHANGE-WECHSEL 04.01.2015
2. welche US-Besoldungsklasse?
Was will denn nun der Tscheche? Von wem bekommt er Geld für seine großspurigen Einmisschungen? Oder treibt ihn die Angst weniger aus dem "güldenen EU-Topf" zu kassieren?
mmmc125303008833654 04.01.2015
3. griechenland
Wie recht er hat. Wer betrügt der fliegt, hätte ich mal wo gelesen.
carahyba 04.01.2015
4. Glaubwürdigkeit der Bundeskanzlerin ...
Zeman kann soviel wollen wie er will, dass bleibt ihm frei. Die Bundesregierung spricht von "unausweichlich", Umschreibung von alternativlos. Griechenland wird alle, die denken man könnte sie rauswerfen, enttäuschen. Griechenland wird Zahlungsunfähigkeit ansagen, dann werden TROIKA & Co. weitersehen. Rausschmeissen kann man Griechenland nicht. Dieser Humbug, verkündet durch die Bundesregierung, soll lediglich den Ausgang der Wahlen beeinflussen. Aber bis jetzt hat es keine Auswirkung auf das Wahlverhalten der Griechen gezeitigt. Die einzige Wirkung, die ich erkenne, ist die schwindende Glaubwürdigkeit von Frau Merkel.
schwaebischehausfrau 04.01.2015
5. Recht hat er...
schmeisst die Griechen endlich raus. Das Land macht in puncto "Einhaltung der Rettungs-Verträge" ja genau da weiter, wo es mit dem jahrelangen Betrug und Fälschung von Zahlen angefangen hat. Wieso auch nicht? Bisher hat das jämmelriche Einknicken der "Euro-Retter" sie ja immer darin bestätigt, dass sie mit Lügen und Betrügen weiter kommen - und am Ende besser dastehen als die Idioten, die ihre Verpflichtungen einhalten, schmerzhafte Reformen umsetzen und nicht über ihre Verhältnisse leben.
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