Griechenland Sozialisten gewinnen Parlamentswahl

Griechenland steht vor einem Regierungswechsel. Ersten Prognosen zufolge haben die Sozialisten die Parlamentswahl gewonnen. Die konservative Regierung von Ministerpräsident Karamanlis musste starke Verluste hinnehmen.

Giorgos Papandreou nachmittags im Wahllokal: Alle Umfragen hatten ihn bereits als Sieger der Wahl gesehen
dpa

Giorgos Papandreou nachmittags im Wahllokal: Alle Umfragen hatten ihn bereits als Sieger der Wahl gesehen


Athen - Erste Hochrechnungen werden erst für 21 Uhr erwartet. Das Fernsehen sagte der Partei von Oppositionsführer Giorgos Papandreou jedoch anhand von Wählerbefragungen einen Stimmenanteil von 41 bis 43 Prozent voraus. Die bislang regierende konservative Nea Dimokratia (ND) unter Regierungschef Kostas Karamanlis kommt demnach auf 34,3 bis 37,3 Prozent.

Griechenland steht damit vor einem Regierungswechsel. Nach einem Wahlkampf unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise, hoher Staatsverschuldung und wachsender Haushaltsdefizite war mit einem Sieg der Sozialisten gerechnet worden. Alle Umfragen sahen die Panhellenische Sozialistische Bewegung (Pasok) unter Giorgos Papandreou, 57, als Gewinner der Wahl. Die bisher regierende konservative Partei Nea Dimokratia (ND) von Ministerpräsident Kostas Karamanlis, 53, muss demnach nach fünfeinhalb Jahren die Macht abgeben.

Offen blieb, ob die Sozialisten auch die absolute Mehrheit im griechischen Parlament (Vouli) erringen und damit allein regieren können. Karamanlis hatte vor einem Monat nach mehreren Skandalen und schlechten Umfragewerten für seine Partei vorzeitige Wahlen angesetzt. Regulär wären sie erst im September 2011 fällig gewesen. Mit einer Staatsverschuldung von rund 260 Milliarden Euro ist jeder Grieche im Durchschnitt mit rund 25.000 Euro verschuldet.

Wahlberechtigt sind rund zehn Millionen Menschen, darunter über zwei Millionen Auslandsgriechen. In Griechenland herrscht Wahlpflicht, es gibt aber keine Briefwahl. Das griechische Parlament hat 300 Sitze. Bei den Parlamentswahlen im September 2007 hatten die Konservativen 41,8 Prozent der Stimmen und 152 Mandate erhalten. Die Pasok kam auf 38,1 Prozent und 102 Sitze.

Es wurde erwartet, dass die Kommunisten, das Bündnis der Radikalen Linken und die religiös- nationalistische Partei Völkische Orthodoxe Gesamtbewegung den Sprung über die Drei-Prozent-Hürde schaffen. Die Grünen mussten dagegen um den Einzug ins Parlament bangen.

Die beiden Spitzenpolitiker Karamanlis und Papandreou hatten im Wahlkampf versprochen, das Land aus der Wirtschaftskrise zu führen und die Vetternwirtschaft "gnadenlos" zu bekämpfen. "Die Zukunft des Landes ist heute in den Händen der Wähler", erklärte Karamanlis am Sonntag nach der Stimmabgabe im Rundfunk. "Ich bin mir sicher: Wir können Griechenland verändern," sagte Oppositionsführer Papandreou. Außenpolitisch sind beide großen Parteien pro-europäisch.

Papandreou stammt aus einer der einflussreichsten griechischen Politiker-Dynastien. Sein Großvater war in den sechziger Jahren Ministerpräsident und sein Vater in den achtziger und neunziger Jahren. Er selbst war von 1999 bis 2004 Außenminister.

ler/dpa

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