Griechenland-Krise Bundesregierung wirft Tsipras "Foulspiel" vor

Spanien und Portugal haben sich bei der EU-Kommission über Griechenland beschwert. Premier Tsipras wirft den Ländern vor, ein Rettungspaket für Athen zu torpedieren. Die Bundesregierung spricht von "Foulspiel".

Premier Tsipras: "Das gehört sich nicht"
AFP

Premier Tsipras: "Das gehört sich nicht"


Berlin/Brüssel - Die Bundesregierung hat die Kritik der griechischen Führung an Spanien und Portugal verurteilt. "Nach europäischen Maßstäben war das ein sehr ungewöhnliches Foulspiel", sagte der Sprecher des Bundesfinanzministeriums, Martin Jäger, in Berlin. "Das tun wir nicht in der Euro-Gruppe, das gehört sich nicht."

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras hatte am Wochenende den konservativen Regierungen in Madrid und Lissabon unterstellt, sie hätten versucht, die Verhandlungen über die Verlängerung der Athen-Hilfen zu torpedieren. Sie hätten es auf ein Scheitern seiner Linksregierung abgesehen.

Der Vorfall beschäftigt mittlerweile auch die EU-Kommission. Sie bestätigte, dass sich die Regierungen in Madrid und Lissabon bei ihr über Tsipras beschwert haben. Zugleich hätten sie eine Reaktion der Kommission gefordert, sagte eine Sprecherin in Brüssel. "Wir sind jetzt in engem Kontakt zu allen beteiligten Parteien", ergänzte sie. Ziel sei es, Einigkeit unter den Mitgliedstaaten herzustellen.

Der spanische Wirtschaftsminister Luis de Guindos wies Tsipras' Vorwürfe zurück. "Spanien hat immer eine Haltung der Kooperation, der Solidarität und der Flexibilität eingenommen", sagte der Minister.

"Ich kann versichern, dass Spanien und Portugal bei den Gesprächen nicht die Länder waren, die die härteste Linie vertraten", so de Guindos. In der Euro-Gruppe gebe es keine Feinde. "Wir sitzen alle im selben Boot", sagte er.

Spanien habe sich mit insgesamt 26 Milliarden Euro an der Griechenland-Hilfe beteiligt. So viel Geld gebe Madrid in einem Jahr für die Arbeitslosenhilfe aus. Spanien habe sich diese Summe zu einem deutlich höheren Zinssatz leihen müssen, als Griechenland derzeit zahle.

Trotz der Hilfen könnte Athen bereits in den kommenden Wochen das Geld ausgehen. Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem zeigte der Regierung am Montag die Option auf, schnell Reformen anzugehen und im Gegenzug noch im März Notkredite zu bekommen.

fab/dpa/Reuters

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insgesamt 159 Beiträge
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Ralf12345 02.03.2015
1.
Man wird den Eindruck nicht los, dass die Eurogruppe den Griechen das Geld förmlich aufzwingen will. Nach dem Motto: Neht es oder nehmt es, aber Ihr müsst es nehmen! Die Eurogruppe wird sich noch selber zerfleischen.
helle_birne 02.03.2015
2. Die Konservativen in
Spanien und Portugal, um ihre Wiederwahl im Herbst besorgt, versuchen sich bei Deutschland einzuschleimen anstatt ihre südeuropäischen Leidensgenossen zu unterstützen. Erbärmlich...
eunegin 02.03.2015
3. Paartherapeut: Scheidung unumgänglich
Jeder noch so wohlmeinende Paartherapeut würde wohl die Beziehung mit Griechenland als gescheitert ansehen und zur Scheidung raten. Teuer kommt so etwas so oder so, nur warum noch länger quälen?
Red_Indian 02.03.2015
4. Spanien und Portugal
sehen das komplett falsch. Herr Augstein wird uns in dieser Woche erklären, warum.
nixkapital 02.03.2015
5. Hm...
...das ist nun Kindergartenniveau. Könnte es vielleicht sein, dass Spanien und Portugal Angst haben vor den Linksströmungen im eigenen Land? Dafür wird dann auch schon mal bei der EU gepetzt. Ansonsten - das Griechen-Bashing erreicht nun europäische Dimensionen. Diese EU ist mitterweile ein fall für den Insolvenzverwalter. Nicht unbedingt aus finanziellen Gründen. Aber politisch ist die EU schon längst bankrott.
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