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12. Juli 2015, 10:14 Uhr

Euro-Auszeit für Griechenland

SPD wettert gegen Schäuble-Vorstoß

Finanzminister Schäuble schlägt ein vorübergehendes Euro-Aus Griechenlands vor. Führende Sozialdemokraten wettern gegen den "Alleingang". Parteichef Gabriel aber sagt: Der Vorschlag war der SPD bekannt. Nur wissen seine Leute das offenbar nicht.

Wer wusste wann was über die Idee von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), dass Griechenland vorübergehend die Eurozone verlässt und zu einer eigenen Währung zurückkehrt? In der SPD jedenfalls geht es durcheinander. Aber von vorne.

Schäuble und seine Leute haben während der Verhandlungen am Samstag zwei Varianten ins Spiel gebracht:

Es dauerte nicht lange, bis führende Sozialdemokraten dagegen Sturm liefen. Der sozialdemokratische Staatsminister für Europa im Auswärtigen Amt, Michael Roth, retweetete eine Äußerung seines Parteikollegen Carsten Schneider. Dieser hatte getwittert, der Vorschlag Schäubles sei nicht seriös, sondern eine Gefahr für die Eurozone.

Fraktionsvize Hubertus Heil wetterte ebenfalls via Twitter:

Der SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs erregte sich über "Alleingänge Schäubles" und warf der Nachrichtenagentur dpa vor, sie verbreite eine Falschmeldung. Die hatte sich nämlich auf Regierungskreise bezogen und gemeldet, die Vorschläge Schäubles seien mit der SPD sehr wohl abgestimmt.

Der Hamburger SPD-Mann Niels Annen äußerte sich ähnlich wie Kahrs, schränkte aber ein: "Mit der SPD-Fraktion ist jedenfalls nichts abgestimmt."

Schließlich schaltete sich SPD-Chef Sigmar Gabriel ein, auf seiner Facebook-Seite schrieb er: "Der Vorschlag des Bundesfinanzministers Wolfgang Schäuble für ein zeitlich befristetes Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone ist der SPD natürlich bekannt. In einer derart schwierigen Situation muss auch jeder denkbare Vorschlag unvoreingenommen geprüft werden. Dieser Vorschlag wäre aber nur realisierbar, wenn die griechische Regierung ihn selbst für die bessere Alternative halten würde."

Es wäre nicht vollkommen überraschend, wenn Gabriel mit der Formulierung "ist der SPD natürlich bekannt" eigentlich meinte: War dem SPD-Chef natürlich bekannt. Aus SPD-Kreisen hieß es am Sonntag, der Vorschlag von Schäuble sei definitiv nicht mit der Partei abgestimmt.

SPD-Fraktionsvize Axel Schäfer äußerte in der Zeitung "Welt am Sonntag" seinen Missmut: "Wer sich monatelang am Grexit besoffen redet, wird bei der Euro-Rettung einen Brummschädel haben", heißt es dort. Ein Euro-Austritt Griechenlands stehe nicht zur Debatte. Und er erlaubte sich einen Seitenghieb auf Schäuble: "Europapartei CDU isch over", sagte er in Anspielung auf den Dialekt des Finanzministers.

Allerdings steht an diesem Sonntag mehr auf dem Spiel als das großkoalitionäre Hin und Her: Die Euro-Finanzminister setzen am Sonntag in Brüssel ihre Beratungen über die Spar- und Reformpläne fort.

kry/otr/dpa

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