Generalstreik gegen Sparpaket Nichts geht mehr in Griechenland

In Griechenland hat der umfangreichste Generalstreik seit Monaten begonnen. Busfahrer, Seeleute, Postangestellte haben bereits am Morgen die Arbeit niedergelegt. Weitere Berufsgruppen sollen folgen. Millionen Menschen wollen damit gegen das neue Milliarden-Sparprogramm der Regierung protestieren.

Streikende Journalisten in Athen (am Dienstag): Einigung über Sparpaket steht aus
DPA

Streikende Journalisten in Athen (am Dienstag): Einigung über Sparpaket steht aus


Athen - Den Anfang haben am Mittwoch die Busfahrer gemacht. In Athen legten sie für drei Stunden die Arbeit nieder. Es folgten die Seeleute. Keine Fähre lief aus dem Haupthafen Griechenlands in Piräus aus. Zahlreiche Banken sowie die Post wurden ebenfalls bestreikt. Ministerien und Steuerämter blieben geschlossen. Im Flugverkehr werden erhebliche Behinderungen erwartet, weil auch die Fluglotsen streiken wollen.

In Athen sicherten knapp 5000 Polizisten die Straßen, nachdem es bei vorherigen Protestaktionen immer wieder zu gewaltsamen Ausschreitungen gekommen war.

Die Streiks sind die massivsten seit Februar. Zu den Aktionen aufgerufen haben die Gewerkschaftsdachverbände des privaten und des staatlichen Bereichs. Nach eigenen Angaben vertreten sie zusammen mehr als drei Millionen Arbeitnehmer.

In Griechenland steht eine Einigung auf das neue, gut 11,5 Milliarden Euro schwere Sparpaket weiter aus. Die genauen Details sind zwar noch nicht bekannt, die Gewerkschaften aber rechnen mit weiteren Kürzungen von Löhnen und Renten zwischen sechs und 20 Prozent. Nur wenn Athen die weiteren Sparauflagen erfüllt, die von der Geldgeber-Troika aus Internationalem Währungsfonds (IWF), EU-Kommission und Europäischer Zentralbank (EZB) geprüft werden, kann die Regierung mit einer weiteren Finanztranche von 31,5 Milliarden Euro rechnen. Andernfalls steht Griechenland vor dem Staatsbankrott.

In Athen und anderen Städten des Landes soll es am frühen Nachmittag Demonstrationen geben. Die Polizei zog bereits am Morgen starke Einheiten vor dem Parlamentsgebäude im Zentrum der Hauptstadt zusammen, wie Augenzeugen berichteten.

Nach Informationen des SPIEGEL klafft eine weitaus größere Lücke im griechischen Haushalt als bisher bekannt.Die Geldgeber-Troika rechnet mit zusätzlich fehlenden 20 Milliarden Euro.

Gewaltsame Proteste in Spanien

Bei teils gewalttätigen Protesten gegen die Sparpolitik der spanischen Regierung sind am Dienstagabend in Madrid mehr als 60 Menschen verletzt worden. Tausende Anhänger der Bewegung der Empörten versammelten sich vor dem Parlament in der spanischen Hauptstadt. Als einige Teilnehmer zum Gebäude vordringen wollten, versuchten Polizisten, die Menge mit Schlagstöcken zurückzudrängen.

Viele Protestierende warfen Steine auf Polizisten, die ihrerseits Gummigeschosse gegen die Demonstranten einsetzten. Unter den mehr als 60 Verletzten seien 27 Polizisten, teilten Rettungskräfte mit. Nach Polizeiangaben wurden 26 Menschen festgenommen. Medienberichten zufolge waren 1300 Polizisten im Einsatz.

Die Demonstranten forderten die Regierung des konservativen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy zum Rücktritt auf und skandierten "Weniger Polizei - mehr Bildung". Viele streckten die Hände in die Luft und riefen immer wieder "Hände hoch, das ist ein Überfall" - in Anspielung darauf, dass die Ärmeren des Landes für die Krise bezahlen müssten. "Sie haben uns unserer Demokratie beraubt", sagte die Demonstrantin Soledad Nunes aus dem Nordwesten Spaniens. Die 53 Jahre alte Ladeninhaberin beklagte vor allem die Einschnitte in den Bereichen Gesundheit und Bildung.

In der Nacht zum Mittwoch beruhigte sich die Lage in Madrid. Mehrere hundert Menschen harrten friedlich auf einem Platz in der Nähe des Parlaments aus, bis die Polizei die Versammlung gegen ein Uhr früh auflöste. Die Teilnehmer des Protests hatten sich wie schon in der Vergangenheit über das Internet organisiert. Hinter der Bewegung der Empörten stehen mehrere zivilgesellschaftliche Organisationen und Bündnisse. Sie machen die Korruption und die Unfähigkeit des politischen Systems für die Krise in Spanien verantwortlich.

ler/dpa/AFP

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insgesamt 371 Beiträge
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Seite 1
endbenutzer 26.09.2012
1. Generalstreik
Zitat von sysopDPAIn Griechenland hat der umfangreichste Generalstreik seit Monaten begonnen. Busfahrer, Seeleute, Postangestellte haben bereits am Morgen die Arbeit niedergelegt. Weitere Berufsgruppen sollen folgen. Millionen Menschen wollen damit gegen das neue Milliarden-Sparprogramm der Regierung protestieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-streik-gegen-sparpaket-a-857980.html
Generalstreik? Sollten wir hier auch mal machen - gegen die ganzen Rettungsschirme. Die verzocken unsere Zukunft!
jujo 26.09.2012
2. ....
Zitat von sysopDPAIn Griechenland hat der umfangreichste Generalstreik seit Monaten begonnen. Busfahrer, Seeleute, Postangestellte haben bereits am Morgen die Arbeit niedergelegt. Weitere Berufsgruppen sollen folgen. Millionen Menschen wollen damit gegen das neue Milliarden-Sparprogramm der Regierung protestieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-streik-gegen-sparpaket-a-857980.html
Ist den Menschen nicht klargemacht worden, das es so nicht weitergeht, weitergehen kann, was ergibt sich wenn nicht gespart wird?
schandmaul1000 26.09.2012
3. So what
damit streiken sich die die noch einen Job haben aus dem Selbigen.
lebenslang 26.09.2012
4. realität
Zitat von sysopDPAIn Griechenland hat der umfangreichste Generalstreik seit Monaten begonnen. Busfahrer, Seeleute, Postangestellte haben bereits am Morgen die Arbeit niedergelegt. Weitere Berufsgruppen sollen folgen. Millionen Menschen wollen damit gegen das neue Milliarden-Sparprogramm der Regierung protestieren. http://www.spiegel.de/politik/ausland/griechenland-streik-gegen-sparpaket-a-857980.html
ich verstehe es einfach nicht, wer glauben diese menschen soll die kohle bereitstellen ??? griechenland und die griechen haben einen lebensstandard gelebt, den sie allein durch ihre arbeit nie hätten leben können. es ist zahltag, die verhältnisse passen sich der realität an.
okokberlin 26.09.2012
5.
da werden schäuble merkel und co alternativlos das scheckbuch zücken. schließlich muß der euro -koste es was es wolle und sei es die gesamte barschaft und den frieden- gerettet werden. man will schließlich nicht zugeben, dass der euro eine totgeburt war und ein entsetzlicher fehler.
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