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Kommentar zur Griechenland-Krise: Harte Landung für die Populisten

Ein Kommentar von , Brüssel

Syriza-Politiker Varoufakis (l.), Tsipras: Keine überzeugende Erpressung Zur Großansicht
AP/dpa

Syriza-Politiker Varoufakis (l.), Tsipras: Keine überzeugende Erpressung

Die neue Regierung in Athen hat sich verzockt: Sie wird kaum Zugeständnisse aus Brüssel erhalten. Dennoch ist es Zeit für mehr Nuancen in der Griechenlandpolitik.

Giannis Varoufakis, neuer griechischer Finanzminister, gilt als eine Koryphäe auf dem Gebiet der Spieltheorie. Darin geht es etwa um die Frage, wie man bessere Verhandlungsergebnisse erzielt, indem man die Reaktionen seines Gegenübers mitdenkt.

Professor Varoufakis mag die Theorie beherrschen, in der Praxis ist davon aber wenig zu spüren. Seine ausgedehnte Europatournee nach dem Syriza-Wahlsieg war im Rückblick ein Lehrbuchbeispiel, wie man besser nicht verhandelt.

Varoufakis drohte mit dem Ende der Eurozone, sollten Griechenlands Forderungen kein Gehör finden. "Seine Strategie scheint zu sein, sich eine Pistole an den Kopf zu halten - und dann Lösegeld dafür zu verlangen, dass er nicht abdrückt", staunt der britische Ökonom Anatole Kaletsky.

Doch die Gesprächspartner in Brüssel, Berlin, Rom oder London gaben sich wenig beeindruckt. Schließlich war der Bluff des Griechen leicht zu durchschauen. Sein Land würde außerhalb der Eurozone aller Voraussicht weiter verarmen, außerdem droht ihm in jedem Fall die akute Zahlungsunfähigkeit.

Hingegen hat die Angst, dass die Eurozone ohne Griechenland kollabiert, deutlich abgenommen. Also war Varoufakis' Drohung die am wenigsten überzeugende Form der Erpressung: eine kaum glaubhafte.

Und daher wird Syrizas Plan nicht aufgehen, ungeachtet hektischer Sondersitzungen der Eurogruppe. Auf einen Schuldenschnitt hat die neue griechische Regierung bereits verzichtet, bald muss sie wohl ähnliche Geschmeidigkeit beim versprochenen Abschied vom Hilfspaket zeigen. Und Reformen wird auch Syriza weder komplett zurückdrehen noch abschaffen können.

Das ist zunächst schlecht für Syrizas Glaubwürdigkeit. Es könnte aber gut für Europas Glaubwürdigkeit werden, sollten die Entscheider in Brüssel, Berlin oder Paris ihre Stärke für eine nuancierte Griechenlandpolitik nutzen.

Die Frustration der Menschen, die Syriza zum Wahlsieg trugen, ist ja real, und sie ist keineswegs auf Griechenland beschränkt. Ganz Europa braucht eine Zukunftspolitik, deren Fokus stärker auf Reformen und Wachstum liegt statt auf reinem Sparen - die Troika-Aufsicht für Griechenland weniger demütigend zu gestalten, wäre ein erster Schritt.

Enge Abstimmung zwischen Brüssel und Syriza, reiche griechische Steuersünder endlich zur Kasse zu bitten oder Korruption einzudämmen, könnte zudem Vorbildwirkung für andere EU-Staaten mit marodem Staatswesen entfalten - und beweisen, dass selbst Protestbewegungen durch Kooperation mit dem Rest Europas viel mehr erreichen können als durch reines Kontra.

Vote
Griechenland - total verzockt

Sollten die anderen Europäer Griechenlands neuer Linksregierung Zugeständnisse machen?

Zum Autor
Dennis Drenner
Gregor Peter Schmitz ist Europa-Korrespondent bei SPIEGEL ONLINE mit Sitz in Brüssel.

E-Mail: Gregor_Peter_Schmitz@spiegel.de

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 208 Beiträge
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1. Wer sagt dass...
holgerkraeft 11.02.2015
... Griechenland ohne Euro verarmt? Sie könnten ein zweites Norwegen werden, mit den riesigen Vorkommen vor ihrer Haustür. Das könnte die Energiesituation auf dem ganzen Balkan entspannen. Nur dann kommt das "Schlimmste" für Big Money - entspannte Völker, die Zeit zum Nachdenken haben...
2. Absurde Voting-Fragen
Jens Schellhammer 11.02.2015
Wie wäre es mit einer ebenso populistischen Frage: Was ist wichtiger? Banken- oder Bürgerrettung?: - die Antwort wäre eindeutig, und Ihre ebenso manipulative Umfrage diskreditiert.
3.
croco 11.02.2015
mit Verlaub: völlige Fehleinschätzung der Situation und Unterschätzung der griechischen Position. Auch wenn Sie meinen, die Verhandlungstaktik und einen Bluff durchschaut zu haben, am Ende zählt das Verhandlungsergebnis und da werden die Griechen noch viel erreichen. Die Griechen verhandeln richtig, aber das kennen Sie, lieber Autor, nicht. Sie trauen sich bestimmt noch nicht einmal, auf dem Wochenmarkt um den Preis von Kartoffeln zu feilschen, weil Sie ja unangenehm auffallen könnten. Dem Griechen wäre das egal, und er bekommt die Kartoffeln (Zinsen) letztendlich billiger als Sie....wer ist jetzt cleverer?
4. Warum glauben die...
Eckfahne 11.02.2015
... griechischen Politiker noch immer, Europa weiterhin an der Nase herum führen zu können? Spätestens nach dem Treffen mit Schäuble sollte klar gewesen sein, dass die Verhandlungsmasse der Griechen bei 0 liegt. Wenn Deitschland weiterhin Milliarden verbrennt, wird die AfD zweistellig in den BT einziehen.
5. pistole am kopf
muttisbester 11.02.2015
ja, der vergleich mit der pistole am kopf ist passend. da stellt sich varoufakis also hin, hält sich eine pistole an den (drohung staatsbankrott) und verlangt geld, oder er drückt ab. ein kommentator meinte trocken:"zumindest steht er auf einem teuren teppich".
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Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,063 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Prokopis Pavlopoulos

Regierungschef: Alexis Tsipras

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