Lesbos Tausende Griechen protestieren gegen Flüchtlingspolitik

Mehr als jeder zehnte Einwohner auf Lesbos ist zugewandert, die Flüchtlingslager sind überfüllt. Tausende Menschen zogen auf die Straße, um für sofortige Lösungen in der Migrationspolitik zu protestieren.

Demonstration auf Lesbos
DPA

Demonstration auf Lesbos


Tausende Menschen haben auf der griechischen Insel Lesbos für Lösungen in Migrationsfragen protestiert. Zwischen den rund 2500 Demonstranten kam es laut Augenzeugen zu Rangeleien, die Polizei setzte Tränengas ein. Mehrere Protestteilnehmer hatten zuvor versucht, einen Polizeibus umzuwerfen.

Die Aktionen richteten sich direkt gegen die Migrationspolitik der EU - auf Lesbos befinden sich derzeit 8849 Migranten, die Flüchtlingslager der Insel sind überfüllt.

 Männer versuchen während einer Demonstration auf Lesbos einen Polizeibus umzuwerfen.
AP

Männer versuchen während einer Demonstration auf Lesbos einen Polizeibus umzuwerfen.

Anlass der Proteste war ein Besuch von Regierungschef Alexis Tsipras am Donnerstagabend. In seiner Rede betonte er, es sei nicht leicht mit dem Flüchtlingszustrom fertig zu werden. "Er war der größte (Flüchtlingszustrom) seit dem Zweiten Weltkrieg", sagte Tsipras. Als andere EU-Staaten Zäune bauten, hätten die griechischen Inseln den Ruf Europas gerettet, indem die Inselbewohner den Migranten halfen, fügte Tsipras hinzu.

Die Proteste fanden am größten Hafen auf Lesbos statt. Zwischenzeitlich versuchte eine Gruppe von maskierten Männern in das Hafengelände einzudringen. Dabei sangen sie die Nationalhymne. Auch gegen sie setzte die Polizei Tränengas ein. Unter dem Motto "Lösung jetzt, damit Lesbos (wieder) leben kann" hatten die Geschäfte und Restaurants der Insel größtenteils geschlossen.

Mehrwertsteuersatz vor der Erhöhung

"Wir brauchen jetzt eine Lösung in Sachen Mehrwertsteuer und Flüchtlingslager", sagte der Vizepräsident der Handelskammer von Lesbos, Paraskevas Frantzeskos, im Fernsehen. Die Lage auf der Insel sei wegen der vollen Lager unerträglich. Nun solle auch die Mehrwertsteuer wegen der Finanzkrise erhöht werden.

Für Lesbos und die anderen sogenannten Hotspot-Inseln (Chios, Samos, Kos und Leros), auf denen sich die Registrierlager befinden, gilt bislang ein reduzierter Mehrwertsteuerhöchstsatz von 19 Prozent. Ab 1. Juni soll der Satz auf 24 Prozent erhöht werden.

Mehr als jeder Zehnte auf Lesbos ist ein Flüchtling

Fotostrecke

5  Bilder
Griechenland: Engpässe in den Flüchtlingscamps

Mehr als jeder zehnte Mensch auf Lesbos ist ein Flüchtling. In den vergangenen Tagen war es wiederholt zu Ausschreitungen zwischen Rechtsextremisten und Migranten, aber auch zwischen Migranten untereinander gekommen.

ans/dpa/AP



© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.