Griechenland Tsipras als neuer Ministerpräsident vereidigt

Das Tempo bei Regierungsbildung ist in Griechenland enorm. Nur einen Tag nach der Wahl hat das Land bereits einen neuen Regierungschef. Selbst bei der Vereidigung trug Alexis Tsipras keine Krawatte.

Tsipras (r.) im Präsidentenpalast: Der neue Ministerpräsident leistete gegenüber Präsident Karolos Papoulias den Amtseid.
REUTERS

Tsipras (r.) im Präsidentenpalast: Der neue Ministerpräsident leistete gegenüber Präsident Karolos Papoulias den Amtseid.


Athen - Syriza-Chef Alexis Tsipras ist als neuer griechischer Ministerpräsident vereidigt worden. Der Sieger der Parlamentswahl vom Sonntag legte in Gegenwart von Präsident Karolos Papoulias den Amtseid ohne die traditionellen religiösen Segnungen ab. "Ich werde immer Griechenland und den Interessen des griechischen Volkes dienen", schwor der Vorsitzende des Linksbündnisses Syriza.

Tsipras schwor, die Verfassung zu achten und versicherte, über genügend Unterstützung im Parlament für eine Regierungsbildung zu verfügen. Der Chef der linksgerichteten Partei verzichtete bei dem feierlichen Akt am Montag wie üblich auf das Tragen einer Krawatte.

Tsipras, der mit 40 Jahren der jüngste Regierungschef Griechenlands seit 150 Jahren ist, trat bei der Vereidigung in blauer Jacke und weißem offenem Hemd auf. Er hatte den Griechen bereits am Sonntagabend ein Ende der "desaströsen Sparpolitik" versprochen und Verhandlungen mit den Kreditgebern über einen Schuldenschnitt angekündigt. Er werde mit den Gläubigern eine "neue machbare Lösung" aushandeln.

Nach ihrem Wahlsieg am Sonntag hat Syriza in nur wenigen Stunden die Bildung einer Koalition mit der rechtspopulistischen ultranationalen Partei "Unabhängige Griechen" verabredet. Es wird erwartet, dass Tsipras bereits am Dienstag sein Kabinett vorstellen wird. Beide Parteien kämpfen gegen die Sparauflagen der internationalen Geldgeber, liegen aber sonst weit auseinander.

ler/Reuters/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
aathon 26.01.2015
1. Gute Wahl !
Jetzt wünsche ich mir nur, dass der Mann lange durchhält, dann erlebe ich auch noch das Ende der EU und des Euro. Wenn es gut läuft. Ich kann diesen EU-Unsinn mit seinen täglich neuen EU-Irrsinns-Meldungen nicht mehr hören …. Statt dessen Antrag an die Schweizer: Neue Kantone -durch Umwandlung von Deutschland. Aber selbst die Schweizer wollen uns wahrscheinlich nicht mehr nehmen....
george2013 26.01.2015
2. Jetzt trifft ihn die Verantwortung mit Wucht
Tsipras wird bald merken, das er seine Rolle als linkspopulistischer Polit-Clown nicht mehr weiter spielen kann. Jetzt ist Realpolitik angesagt. Sein großmäuliges "mir doch egal, was die anderen Euro-Staaten sagen" wird bald ein Ende haben. Oder die Hellenen sind zum Ausstieg bereit - mit allen Konsequenzen.
Dio_genes 26.01.2015
3. leger
Dass er keine Krawatte trägt scheint für oberflächliche Menschen wie den Autor sehr wichtig zu sein. Aber er ist mit Jackett und Hemd doch angemessen genug gekleidet. Ich finde das sehr sympathisch und ich finde ihn insgesamt sehr smart. Dennoch bin ich skeptisch an vielen Stellen. Zu leger scheint mir statt der lächerlichen Bekleidungsfrage das Tempo der "Koalitionsverhandlungen" sofern sie in den paar Stunden überhaupt stattgefunden haben. Zumal beide "Partner" offensichtlich nicht zusammenpassen. Die Linke würde hierzulande schon aufschreien, wenn in einem unbedeutenden Bundesland die CDU mit der AfD koalieren würde. Ich bin durchaus kapitalismuskritisch. Die Mächtigen müssten weltweit an die Kandarre genommen werden, keine Frage. Aber Probleme sollten hauptsächlich im eigenen Land gelöst werden. Wenn ein Land schlecht wirtschaftet, sollten nicht Forderungen an Dritte gestellt werden. Bei Berichten über die arme griechische Normalbevölkerung sieht man immer fröhlich shoppende Leute, die täglich ausgiebig in Restaurants schmausen, gut gekleidet sind, große Autos fahren, gemütlich in Bars und Caffès rumsitzen und schicke Eigentumswohnungen besitzen. Gearbeitet wurde wenig. Alles auf Pump oder EU-Fördertöpfe plündernd und die Milliardengeschenke als Selbstverständlich betrachtend. Sicher gibt es auch ärmere, aber die gibt es überall, auch hier. Wenn sich Tsipras bei den griechischen Bonzen bedienen möchte, um ausgeglichene Haushalte zu bekommen, dann wünsche ich gutes Gelingen, aber Europa sollte Schuldenmacherei nicht weiter subventionieren. By the way: Deutschland ist wie alle hoch verschuldet. Pro Kopf bislang über 26.000 Euro. Kinder, Kleinrentner, Arbeitslose, Geringverdiener und Vermögenslose rausgerechnet, wären das pro Kopf weit mehr als 100.000 DM. Zzgl. etwaige Privatschulden! Jedes Land muss die eigenen Hausaufgaben alleine machen. Also bitte wieder den Teuro abschaffen.
grenzfipps 27.01.2015
4.
Man sollte Hr.Tzipras erstmal eine Chance geben.Es wird sicherlich nicht einfach, die verkrusteten Strukturen der Oligarchenpolitik der letzten Jahre aufzubrechen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.