Nach dem Rettungsprogramm Tsipras verspricht Griechen mehr Geld

Höhere Löhne und niedrigere Steuern: Kurz nachdem Griechenland den EU-Rettungsschirm verlassen konnte, hat Regierungschef Tsipras seinen Landsleuten einen steigenden Lebensstandard versprochen.

Greek Prime Minister Alexis Tsipras delivers a speech during the opening of the annual International Trade Fair of Thessaloniki, in Thessaloniki, Greece, September 8, 2018. REUTERS/Costas Baltas
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Greek Prime Minister Alexis Tsipras delivers a speech during the opening of the annual International Trade Fair of Thessaloniki, in Thessaloniki, Greece, September 8, 2018. REUTERS/Costas Baltas


Griechenland hat schmerzhafte Jahre hinter sich: hohe Arbeitslosigkeit und hohe Steuern. Zugleich wurden Renten und Löhne massiv gekürzt, zahllose Unternehmen gingen pleite. Hunderttausende Griechen sind ausgewandert, Armut hat sich ausgebreitet. Doch nun verspricht Ministerpräsident Alexis Tsipras Linderung. Nur wenige Wochen nach dem Auslaufen der Rettungsprogramme kündigte er seinen Landsleuten Steuersenkungen an. Die Unternehmenssteuern sollen ab kommendem Jahr von 29 auf 25 Prozent verringert werden, kündigte der Regierungschef bei einer Rede in der Hafenstadt Thessaloniki an.

Auch die Mehrwertsteuer und die Immobiliensteuer sollen in den kommenden Jahren sinken. Der Mindestlohn solle angehoben und Rechte der Arbeitnehmer wieder in Kraft gesetzt werden. Auf eine geplante Absenkung der Renten könne verzichtet werden. Bei sämtlichen Vorhaben müsse sich Athen aber an die mit den internationalen Geldgebern vereinbarten Fiskalziele halten. "Wir sind entschlossen, das (mit den Gläubigern) Vereinbarte einzuhalten", sagte Tsipras.

Im August hatte das hoch verschuldete Land den Rettungsschirm seiner Europartner nach acht Jahren verlassen. Griechenland steckte lange in einer Rezession, was die Wirtschaftskraft um rund ein Viertel einbrechen ließ. Das Land bekam von seinen Europartnern und vom Internationalen Währungsfonds seit 2010 Hilfen in Höhe von insgesamt rund 288 Milliarden Euro Kredit, um eine Staatspleite abzuwenden.

Gewerkschaften rufen zu Demonstrationen auf

Nach dem Ende der Finanz-Hilfsprogramme muss sich das Land wieder aus eigener Kraft am Kapitalmarkt finanzieren. Tsipras betonte in seiner Rede, dass die griechische Wirtschaft dieses Jahr voraussichtlich um 2,5 Prozent wachsen werde. Die Arbeitslosigkeit sei von 27,5 Prozent vor vier Jahren auf 19,1 Prozent gefallen. In weiteren fünf Jahren solle sie nur noch bei zehn Prozent liegen.

Die Gewerkschaften sehen die Lage weiter kritisch und riefen zu Demonstrationen in Thessaloniki auf. Mehrere Tausend Menschen gingen in der Hafenstadt auf die Straßen und protestierten gegen die Sparpolitik. "Wir wollen Jobs und nicht endlose Steuern", stand auf Transparenten.

ler/Reuters/dpa



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