Flucht nach Putschversuch Türkischer Soldat bekommt in Griechenland Asyl

Nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei waren acht türkische Soldaten nach Griechenland geflohen. Nun dürfen sie auf Bleiberecht hoffen. Einem von ihnen wurde von höchster Stelle Asyl gewährt.

Die acht geflohenen türkischen Militärs vor einem ersten Prozesstermin im Januar 2017
REUTERS

Die acht geflohenen türkischen Militärs vor einem ersten Prozesstermin im Januar 2017


Acht türkische Militärs, die vor zwei Jahren nach Griechenland geflohen waren, dürfen in dem Land mehr denn je auf Asyl hoffen. Der staatliche griechische Rundfunk ERT berichtete am Mittwoch über einen Beschluss des höchsten griechischen Verwaltungsgerichtshofs, wonach einem der Männer Asyl gewährt werden müsse. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Nach Ansicht von Juristen hat diese Entscheidung auch Auswirkung auf die anderen sieben Militärs, weil damit ein Präzedenzfall geschaffen werde, an dem sich die weitere Rechtsprechung orientieren müsse.

Die Militärs hatten sich nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei mit einem Hubschrauber nach Griechenland abgesetzt und dort Asyl beantragt. Der Fall belastet die türkisch-griechischen Beziehungen.

Auslieferung wiederholt abgelehnt

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die griechische Regierung vor wenigen Monaten aufgefordert, die acht Militärs auszuliefern. Die griechische Justiz hatte in den vergangenen Monaten die Auslieferung wiederholt mit der Begründung abgelehnt, den acht Männern drohe in der Türkei ein unfaires Verfahren.

Die Türkei ihrerseits hält seit Anfang März zwei griechische Militärs fest, die nach eigenen Angaben versehentlich die türkisch-griechische Grenze am Grenzfluss Evros (türkisch: Meric) überschritten hatten. Die griechische Regierung spricht bereits von einer Geiselnahme.

Möglicher Umzug nach Deutschland

Ein Anwalt der acht türkischen Militärs, Omiros Zelios, sagte gegenüber dem SPIEGEL, dass seine Klienten gern in Griechenland bleiben möchten. Allerdings wollten sie nicht länger Anlass für Streitigkeiten zwischen Athen und Ankara sein. Deshalb würden sie überlegen, in ein anderes EU-Land umzuziehen, vorzugsweise nach Deutschland.

Die griechischen Behörden seien nun aufgefordert worden, die Türken mit Reisedokumenten auszustatten. Sollten die Militärs zu dem Schluss kommen, Griechenland verlassen zu wollen, könnten weitere Schwierigkeiten auf sie zukommen: Die Türkei hat einen internationalen Haftbefehl gegen sie ausgerufen. Dementsprechend ist unklar, wie andere Länder im Falle ihrer Einreise vorgehen würden.

gec/ans/dpa



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