Griechenland und Mazedonien Zahlreiche Festnahmen nach Protesten gegen Namensabkommen

Der Name "Nordmazedonien" für das Nachbarland gilt eigentlich als sicher, Rechtsradikale in Griechenland protestieren aber bis zuletzt dagegen. Mindestens zehn Menschen wurden dabei festgenommen.

Demonstranten in Athen
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Demonstranten in Athen


Nach fast 30 Jahren Streit um den Namen Mazedoniens steht das griechische Parlament kurz vor der Abstimmung. Griechenlands nördlicher Nachbar soll danach nicht mehr "Republik Mazedonien", sondern "Nordmazedonien" heißen.

Doch gibt es auch in der Bevölkerung massive Proteste gegen die Vereinbarung. Nach einer Demonstration vor dem Parlament am späten Donnerstagabend wurden Medienberichten zufolge mindestens zehn Menschen wegen Verdacht auf Gesetzesverstöße festgenommen. Mehr als 100 Demonstranten nahm die Polizei in Gewahrsam.

Rund 5000 Mitglieder nationalistischer Organisationen hatten sich vor dem Parlament in Athen und in der Hafenstadt Thessaloniki versammelt. Sie riefen "Mazedonien ist nur griechisch", berichtete das griechische Fernsehen. Einige Randalierer schleuderten Feuerwerkskörper und Steine auf die Polizei. Die Beamten setzten Schlagstöcke, Blendgranaten und Pfefferspray ein und trieben sie auseinander, berichteten Reporter im Fernsehen.

Bereits vergangenen Sonntag war es im Zentrum Athens zu schweren Ausschreitungen gekommen. Rechtsextremisten versuchten, ins Parlament einzudringen und lieferten sich erbitterte Kämpfe mit der Polizei. Dutzende Menschen wurden verletzt.

Medien spekulieren über Zahl der Stimmen für Ratifizierung

Dass die Umbenennung in "Republik Nordmazedonien" ratifiziert wird, gilt bei politischen Beobachtern als sicher; die griechischen Medien spekulieren jedoch seit Tagen, wie viele Stimmen das umstrittene Abkommen erhalten wird. Die Partei Syriza des linken Premiers Alexis Tsipras bringt es nur auf 145 Abgeordnete im Parlament mit 300 Sitzen; Parlamentarier anderer Parteien haben aber ebenfalls bereits Unterstützung zugesagt.

Fast 70 Prozent der Griechen lehnen den neuen Namen Umfragen zufolge ab. Griechische Konservative und Nationalisten boykottieren die Namensänderung des Nachbarlands, weil auch eine nordgriechische Provinz Mazedonien heißt. Sie fürchten, dass infolge des Abkommens eine mazedonische Sprache und eine mazedonische Nation international anerkannt würden.

mfh/dpa



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