Griechenland: Euro-Mitgliedschaft steht zur Wahl

Am Sonntag wählt Griechenland - das könnte nach Einschätzung des ehemaligen Finanzministers Evangelos Venizelos über die weitere Mitgliedschaft seines Landes in der Euro-Zone entscheiden.

Hamburg - Die Wahlen am kommenden Sonntag seien äußerst kritisch, sagte Evangelos Venizelos dem "Guardian" vom Dienstag. Umfragen deuten auf eine steigende Zustimmung für solche Parteien hin, die die Hilfspakete für Griechenland ablehnen. "Die Griechen werden eine klare Antwort geben müssen, ob sie einem pro-europäischen Kurs folgen wollen, der sicher und verantwortungsbewusst ist - oder etwas anderem", sagte der Vorsitzende der Sozialisten (PASOK). Und weiter: "Es gibt bestimmte Missverständnisse, die mich beunruhigen. Zum Beispiel das Missverständnis, dass wir, was immer auch passiert, den Euro-Raum nicht verlassen werden."

Europa und die Euro-Zone hätten keinen Grund, Griechenland aus dem Euro-Raum zu drängen. "Aber das ist ein System mit vielen Teilnehmern, vielen Ländern, vielen Regierungen, vielen Wählern - und es kann Ereignisse geben, die nicht kontrollierbar sind."

Erst kürzlich hatte Venizelos erklärt, seine Partei werde im Falle einer Regierungsbeteiligung den Bürgern des überschuldeten Landes höhere Abgaben ersparen. Seine Partei werde die Steuern nicht heraufsetzen, eine stabile Steuerpolitik über die kommenden zehn Jahre werde das griechische Wirtschaftswachstum fördern, so Venizelos.

Venizelos weckte bei dem Treffen der Parteispitzen am Samstag in Athen die Hoffnung, dass sein Land zu einem nachhaltigen Wachstum zurückfinden und sich von den aus dem Ausland auferlegten Vorgaben lösen könnte. Sollte die PASOK mitregieren, werde Griechenland bis 2015 wieder auf die Beine gekommen sein, prognostizierte der ehemalige Finanzminister.

Das hoch verschuldete Land hat im Gegenzug für zwei Rettungspakete der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds einen strikten Reform- und Sparkurs zugesagt. Das Staatsverschuldung soll von 165,4 Prozent des Bruttosozialproduktes Ende vergangenen Jahres auf 117 Prozent im Jahr 2020 gedrückt werden.

jul/Reuters/dapd

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1. Gefahr eines Rechtsrucks
greece2012 01.05.2012
Zitat von sysopAm Sonntag wählt Griechenland - das könnte nach Einschätzung des ehemaligen Finanzministers Evangelos Venizelos über die weitere Mitgliedschaft seines Landes in der Euro-Zone entscheiden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,830726,00.html
Es ist traurig, dass ein Land, das so für seine antike Hochkultur berühmt ist, so leichtsinnig mit den EU-Mitteln umgegangen ist. 200.000 Renten an Personen, die nicht existieren oder tot sind, 900 "Blinde" auf einer Insel, EU-Betrug an allen Ecken. Man muß nur einmal durch Griechenland reisen und auf die Schilder mit den EU-Mitteln achten. Überall sind Millionen Euros in Beton und Asphalt geflossen. Alles vorbei an Umweltvorgaben oder Nachhaltigkeit. Betrug war "normal". Die Griechen fühlten sich sooo viel schlauer, als alle anderen Koutofrangki (Nordeuropäer). Jeder denkfähige Grieche hat den Betrug in seiner Nähe mitbekommen oder teilgenommen. Das alles war schon vor 15 Jahren Allgemeinwissen in Griechenland. Nun kam der Betrug raus und alle Griechen sind in ihrem Stolz beleidigt. Schuld sind DIE anderen: Illegale Einwanderer, Merkel und die Banken. Wie der neureiche Nachbar oder Bürgermeister zu seinem Geld kam, danach fragte niemand. 600 Milliarden Euro liegen auf Banken im Ausland, aber Griechenland ist "pleite". Niemand hat das gewußt? Und jetzt ist man sauer auf Europa, weil sich Europa nicht länger übern Tisch ziehen läßt. Die Gefahr ist groß, dass die Griechen am Sonntag eine Mischung aus Rechtsradikalen und anderen Extremisten wählen. Weil so kann man ja seinen "Wiederstand" zeigen. Gleichzeitig geht die einzige Einnahmequelle des Landes, der Tourismus, kaputt. 40% weniger deutsche Touristen dieses Jahr. Das ist wohl nur der Anfang. Niemand tut etwas gegen das negaitve Bild Griechenlands im Ausland. Ein egomanisches Land am Abgrund.
2.
oldman60 01.05.2012
ich hoffe das die griechen endlich merken wie tief sie sich in die abhängigkeit von merkel und konsorten gegeben haben und das sie da nie wieder rauskommen.natürlich haben sie fehler gemacht aber da kommen sie alleine raus.von merkel und konsorten werden sie in den hungerturm gebracht und leben immer unter dem erpresser diktat von banken.griechen geht aus der eu ,ihr schaft es ohne die ausbeuter.viel glück und erfolg auf eurem eigenen weg.jagt die zum teufel die euch dahin gebracht haben.
3. Ich gebe Ihnen recht!
Lektorat Berlin 01.05.2012
Zitat von oldman60ich hoffe das die griechen endlich merken wie tief sie sich in die abhängigkeit von merkel und konsorten gegeben haben und das sie da nie wieder rauskommen.natürlich haben sie fehler gemacht aber da kommen sie alleine raus.von merkel und konsorten werden sie in den hungerturm gebracht und leben immer unter dem erpresser diktat von banken.griechen geht aus der eu ,ihr schaft es ohne die ausbeuter.viel glück und erfolg auf eurem eigenen weg.jagt die zum teufel die euch dahin gebracht haben.
Liebe Griechen, bitte verlasst die EU. Wir Ausbeuter haben keine Lust auf weitere Ausbeutung. Viel Glück und Erfolg auf Eurem eigenen Weg. Jagt uns endlich zum Teufel, die wir Euch dahin gebracht haben.
4.
tropicalconsulting 01.05.2012
So schlimm kommt es nicht, die EU hat mit dem jetzigen Hilfskonstrukt - Sperrkonto - bereits vorgesorgt. Bevor Griechenland einen externen Default erklaeren kann, kommt erst - dank Sperrkonto - der interne Default: d.h. Renten, Beamten usw. erhalten kein Geld mehr. Mal sehen, wielange sich dann die Extremisten noch halten koennen.
5.
tropicalconsulting 01.05.2012
So schlimm kommt es nicht, die EU hat mit dem jetzigen Hilfskonstrukt - Sperrkonto - bereits vorgesorgt. Bevor Griechenland einen externen Default erklaeren kann, kommt erst - dank Sperrkonto - der interne Default: d.h. Renten, Beamten usw. erhalten kein Geld mehr. Mal sehen, wielange sich dann die Extremisten noch halten koennen.
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Fotostrecke: So funktioniert eine Umschuldung

Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.

Fläche: 131.957 km²

Bevölkerung: 11,305 Mio.

Hauptstadt: Athen

Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias

Regierungschef: Antonis Samaras

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