Naziverbrechen Griechenland setzt bei Reparationsforderung auf Wehrmacht-Archiv

Im Streit um Reparationszahlungen für NS-Verbrechen legt Athen nach: Man sei im Besitz eines Archivs der deutschen Wehrmacht, sagte Verteidigungsstaatssekretär Isichos. Die Dokumente untermauerten die griechische Position.

Wehrmachts-Archiv: Bänder, die Naziverbrechen dokumentieren
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Wehrmachts-Archiv: Bänder, die Naziverbrechen dokumentieren


Athen - Griechenland hat bei den Forderungen nach deutschen Reparationszahlungen für NS-Verbrechen neue Argumente gefunden: Das Verteidigungsministerium hat am Freitag erklärt, dass man über ein 400.000 Seiten umfassendes Archiv mit Unterlagen der deutschen Wehrmacht verfüge. Diese Dokumente untermauerten die Forderung nach Reparationszahlungen. "Sie belegen nicht nur eine historische Wahrheit - es sind die Dokumente der Wehrmacht selbst, der Besatzungsmacht", sagte Verteidigungsstaatssekretär Kostas Isichos.

Die Dokumente seien überwiegend geheim. Tagebücher und Berichte von Offizieren an ihre Vorgesetzten sollen weitere Aspekte der Besatzungszeit beleuchten, etwa Plünderungen und illegale archäologische Ausgrabungen durch Deutsche. Die abfotografierten Unterlagen seien der griechischen Regierung auf Filmbändern von den USA zugespielt worden. Die amerikanische Armee habe die Dokumente nach 1945 in Deutschland konfisziert.

Der Staatssekretär will Deutschland damit jedoch angeblich keineswegs schaden: "Deutsche Universitäten, Intellektuelle und das deutsche Volk sind eingeladen, gemeinsam mit uns diese historische Wahrheit zu entdecken und offene Wunden zu schließen", sagte Isichos. Damit könnten die griechisch-deutschen Beziehungen "gestärkt, nicht vergiftet" werden.

Eine Entschädigung will er trotzdem sehen. Die neue griechische Regierung hatte in den vergangenen Tagen erneut Reparationszahlungen für deutsche Kriegsverbrechen im Zweiten Weltkrieg gefordert. Rund 332 Milliarden Euro könnte die Gesamtforderung betragen. Die Bundesregierung lehnt die Zahlungen ab - sie betrachtet die Angelegenheit als rechtlich abschließend geregelt.

kry/AFP



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 12 Beiträge
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drent 13.03.2015
1. Wie sagt Herr Isichos
Offene Wunden schließen. Aber bitte nicht mit Heftpflaster oder Mullbinden. Da braucht es schon Ganzkörperverband mit dicken Schichten Euro.
Pelao 13.03.2015
2. Wo liegt das Problem?
Ansprüche anerkennen, die Schulden und Altschulden gegenrechnen ... eine gestaffelte Auszahlung vereinbaren und dann auf weitere Unterstützungen, Bürgschaften etc. dankend verzichten ... Auf lange Sicht läuft Deutschland damit günstiger ...
ekel-alfred 13.03.2015
3. Sorry liebe Griechen...
....aber wenn wir jetzt hier nachgeben, dann haben wir bald die halbe Welt zu entschädigen. Dann würden wir auch aus Afrika Rechnungen geschickt bekommen, denn die deutschen Kolonialherren haben damals auch Schuld auf sich geladen. Das Massaker an den Herero 1904 im heutigen Namibia. Ihre Führer fordern Entschädigung - die Erinnerung an den Massenmord prägt das Volk bis heute. Wenn wir nur noch Wiedergutmachungen leisten müssen, dann fehlt uns das Geld für Eure Rettungsversuche. Das kann nicht in Eurem Interesse liegen, oder?
trompetenmann 13.03.2015
4. 332 mrd €? Nur für Griechenland?
Ja wahnsinn. Was ist dann mit Russland, Polen, Frankreich usw usf. Sind die dann überhaupt adäquat entschädigt worden? Mein Vorschlag: Deutschland leiht sich 10 000 000 000 000 € von der EZB, zahlt alle Kriegsschulden abschliessend für alle Ewigkeit und fordert dann einen Schuldenschnitt. Dann wäre allen gedient. Ganz einfach...
kioto 13.03.2015
5. Griechenland kommt etwas spät mit den Forderungen
Seit über 30 Jahren ist GR in der EU und hat mindestens 120 Mrd an Subventionen erhalten, dazu kommen im Falle eines Schuldenschnitts zwischen 100 und 200 Mrd. wahrscheinlich mehr, wenn dieser noch einige Zeit hinausgeschoben wird. Ein großer Teil zu Lasten von DE. Bleibt dann GR in der EU, wird in den nächsten 30 Jahren die selbe Summe notwendig, da das Land dauerhaft subventioniert werden muß. Es wird innerhalb der EU vollständig zum Agrar und Touristenland degenerieren. Wenn das Beispiel GR Schule macht, wird offenbar, dass die EU und speziell die Eurozone in Wirklichkeit ein Versailles 2.0 ist nach dem Motto "Gibt die Kuh die Milch nicht mehr reichlich, so wird sie geschlachtet". Kioto
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