Video in griechischer U-Bahn "Wir fordern ein, was uns Deutschland schuldet"

Die Regierung will das Bewusstsein der Griechen für die Verbrechen der Nationalsozialisten schärfen. Ein neues Video in der U-Bahn von Athen erinnert an den Einmarsch der Wehrmacht 1941.

Von , Athen


Den Einmarsch der Nazitruppen in Griechenland sehen seit kurzem Morgen für Morgen knapp eine Million Griechen: Ein Clip mit Aufnahmen der Besatzung wird auf den Bildschirmen der Athener U-Bahn gezeigt. Er wurde nach Informationen von SPIEGEL ONLINE von mindestens fünf Ministerien abgesegnet, darunter auch dem Tourismusministerium. Das Video hat englische Untertitel, damit auch Touristen die Botschaft verstehen.

Das Video ist das jüngste Ergebnis einer Kampagne, die im März vom stellvertretenden Verteidigungsminister Kostas Isichos vorgestellt wurde. Als Teil der nationalen Verteidigungsstrategie soll das Bewusstsein der Griechen geschärft werden für Verbrechen zur Zeit der Nationalsozialisten.

Die Athener Regierung fordert von Deutschland Entschädigung für damals abgepresste Kredite und erlittene Kriegsschäden. Manche Griechen fürchten, dass Initiativen wie die des Verteidigungsministeriums die Animositäten und antideutschen Gefühle im Land verstärken - und das in einer Zeit, in der die griechisch-deutschen Beziehungen durch die Schuldenkrise Athens ohnehin schon strapaziert sind.

In dem Film heißt es: "Wir fordern ein, was uns Deutschland schuldet". Dann werden aufgezählt: Kriegsreparationen, Rückzahlung eines Zwangskredits, Entschädigungen an Opfer sowie Rückgabe von archäologischen Schätzen.

Der Clip in der Athener U-Bahn soll die griechische Regierung keinen Cent gekostet haben, berichtet die Tageszeitung "Kathimerini". Die Verkehrsbehörde habe kostenlos Bildschirme und Werbeflächen in der Athener U-Bahn zur Verfügung gestellt. Demnächst sollen Veranstaltungen in Athens zentraler Station Syntagma folgen.

Russland wolle die griechische Kampagne unterstützen, berichtet "Kathimerini": Bald werde Moskau der Bitte des stellvertretenden Verteidigungsministers Isichos nachkommen und Athen Teile seines Archivs über den Zweiten Weltkrieg zur Verfügung stellen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels war ein Video des Verteidigungsministeriums zu sehen. Dies war jedoch nicht jener Film, der in der Athener U-Bahn gezeigt wird. Das Video, das in der U-Bahn zu sehen ist und ebenfalls vom Verteidigungsministerium produziert wurde, finden Sie hier. Wir haben das falsche Video entfernt und den Text entsprechend angepasst. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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