Euro-Krise: Samaras bittet um Atempause im Schuldenkampf
Griechenlands Premier Samaras drängt die EU, ihm mehr Zeit für Reformen zu geben. "Alles, was wir wollen, ist ein wenig mehr Luft zum Atmen", mahnte er kurz vor seinem Treffen mit Kanzlerin Merkel und Euro-Gruppen-Chef Juncker. Die Rückkehr zur Drachme wäre aus seiner Sicht eine Katastrophe.
Berlin - Zuerst trifft er Jean-Claude Juncker, den Chef der Euro-Gruppe, am Freitag kommt er nach Berlin zu Kanzlerin Merkel. Im Kampf um die Schuldenkrise in seinem Land stehen Griechenlands Ministerpräsident Antonis Samaras wichtige Termine bevor. Der Regierungschef beschwört ein düsteres Szenario, wenn Athen die Euro-Zone verlassen müsse. Eine Rückkehr zur Drachme wäre "eine Katastrophe" für Griechenland, warnt Samaras in der "Bild"-Zeitung.
"Es würde mindestens fünf weitere Jahre Rezession bedeuten und die Arbeitslosigkeit würde über 40 Prozent steigen. Ein Alptraum für Griechenland: wirtschaftlicher Kollaps, soziale Unruhen und eine nie dagewesene Krise der Demokratie", sagte Samaras. "Am Ende wäre es wie in der Weimarer Republik."
Samaras fordert von der EU deshalb mehr Zeit für die Umsetzung der Reformen. "Wir fordern kein zusätzliches Geld", sagte der Ministerpräsident. "Alles, was wir wollen, ist ein wenig mehr Luft zum Atmen, um die Wirtschaft rasch in Gang zu bringen und die Staatseinnahmen zu erhöhen. Mehr Zeit bedeutet nicht automatisch mehr Geld."
Der konservative Regierungschef forderte die europäischen Partner gleichzeitig zu mehr Solidarität auf. "Wir müssen heraus aus dieser Negativ-Psychologie, die wie ein tiefes schwarzes Loch ist. Die Griechen haben eine neue Regierung gewählt, um das Land auf neuen Kurs zu bringen. Wir kommen bei Strukturreformen und Privatisierungen voran." Es sei "nicht fair, wenn uns manche in Europa immer wieder in dieses Loch zurückstoßen wollen. Griechen und Deutsche haben viel gemeinsam. Auch wir können eine Tragödie in eine Erfolgsgeschichte verwandeln", sagte Samaras.
Bei den Gesprächen zwischen Samaras und Juncker am Mittwochabend in Athen werde es vor allem um die notwendigen Kürzungen sowie um einen Sanierungsplan der Regierung gehen, teilte Junckers Büro mit. Auch ein Treffen Junckers mit dem griechischen Finanzminister Yannis Stournaras sei geplant, hieß es.
Die Troika mit Vertretern der EU-Kommission, der Europäischen Zentralbank und des Internationalen Währungsfonds soll im September ihren neuen Bericht zur Situation in Griechenland fertigstellen. Seit Wochen gibt es Gerüchte, dass die Experten der Regierung in Athen ein verheerendes Zeugnis ausstellen könnten.
Auch beim Treffen mit Merkel am Freitag in Berlin dürfte Samaras sich für mehr Zeit stark machen. "Samaras will den Weg dafür ebnen, dass der EU-Gipfel im Oktober eine Streckung des neuen Sparpakets in Höhe von 11,6 Milliarden Euro von zwei Jahren bis Ende 2016 billigt. Das ist das erklärte Ziel. Natürlich weiß er, dass es dagegen Widerstände, insbesondere in Berlin, gibt", sagte der griechische Journalist und Buchautor Stavros Lygeros der Nachrichtenagentur dapd. Samaras wisse, dass eine Fortsetzung des rigorosen Sparkurses in die Sackgasse führe. Lygeros rechnet mit einem Griechenland-Kollaps in wenigen Wochen oder Monaten.
als/dpa/dapd
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Fläche: 131.957 km²
Bevölkerung: 11,305 Mio.
Hauptstadt: Athen
Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias
Regierungschef: Antonis Samaras
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