Umfrage vor der Neuwahl: Griechische Konservative übertrumpfen Linksradikale

In gut vier Wochen wird in Griechenland schon wieder gewählt. Viele Beobachter gehen von einem Sieg der Linksradikalen aus. Doch nun bringt eine Umfrage ein überraschendes Ergebnis: Sie sieht die konservative Nea Demokratia vor dem Syriza-Bündnis.  

Griechische Flaggen: Die nächste Wahl steht im Juni an Zur Großansicht
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Griechische Flaggen: Die nächste Wahl steht im Juni an

Athen - International herrscht große Sorge um Griechenland. Welche Partei wird die für den 17. Juni geplante Neuwahl gewinnen? Und wird es dieses Mal klappen, eine funktionsfähige Regierung aufzustellen? In Umfragen lag bisher das linksradikale Parteienbündnis Syriza vorn, welches die mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Sparmaßnahmen strikt ablehnt, aber für den Verbleib in der Euro-Zone eintritt. Einer neuen Umfrage vom Donnerstag zufolge, könnte die Wahl aber auch einen anderen Sieger hervorbringen: Die konservative Nea Demokratia (ND).

Dem Institut Marc/Alpha zufolge ergab die Umfrage am Donnerstag 26,1 Prozent für die ND, gefolgt von Syriza mit 23,7 Prozent. Bei der letzten Wahl am 6. Mai hatte die ND zwar die meisten Stimmen erhalten, aber lediglich 18,9 Prozent der Stimmen erreicht. Syriza war mit 16,8 auf Platz zwei gelandet.

Die Neuwahl ist nötig geworden, weil die Lage nach der Wahl vor zwei Wochen verfahren ist. Es konnte keine funktionsfähige Regierung gebildet werden. Bis zum Wahltag am 17. Juni wird das krisengeschüttelte Land von einer Übergangsregierung unter dem Verwaltungsrichter Panagiotis Pikrammenos geführt.

Sein Kabinett trat am Donnerstag an.

Fitch senkt Griechenland auf Ramschstatus

Am Abend erreichte die Griechen erneut eine schlechte Nachricht: Die Ratingagentur Fitch senkte die Bonität des Landes ein weiteres Mal. Wie Fitch am Donnerstag in London mitteilte, verschlechtert sich die Bewertung der langfristigen Verbindlichkeiten von "B-" auf "CCC". Damit sieht die Ratingagentur ein substanzielles Ausfall-Risiko. Ein möglicher Austritt aus der Eurozone würde demnach wahrscheinlich einen Kreditausfall nach sich ziehen. Die Bonität der kurzfristigen Schulden senkte Fitch von "B" auf "C".

Am Freitag wird Griechenland den nächsten Schritt auf dem Weg zu den geplanten Neuwahlen gehen. Nur einen Tag nach seiner konstituierenden Sitzung will sich das Parlament bereits wieder auflösen.

Unter den Parteien herrscht ein erbitterter Streit über die Sparmaßnahmen, die Athen im Gegenzug für Finanzhilfen der internationalen Kreditgeber erfüllen muss. In einem offenen Brief warnte der scheidende Regierungschef Loucas Papademos vor den "katastrophalen" Folgen für Griechenland, sollte Athen einseitig die Vereinbarungen mit EU und IWF aufkündigen. "Jede Änderung muss im Geist des Konsenses und mit der vollen Zustimmung der europäischen Partner getroffen werden", schrieb Papademos. Die Aufkündigung der Vereinbarung würde zwingend zum Ausscheiden aus der Euro-Zone und womöglich auch aus der EU führen. Die nun getroffenen Beschlüsse könnten Griechenlands Zukunft auf Jahrzehnte bestimmen.

ler/AFP/dapd

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insgesamt 40 Beiträge
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1. Vor der eigenen Haustür kehren
L_P 17.05.2012
Wir sollten uns zunächst um NRW Gedanken machen. Da wurde gerade eine Regierung bestätigt, die über ihren verfassungswidrigen Schuldenhaushalt gestolpert ist. Jetzt werden die selben Figuren einen verfassungsgemäßen Haushalt vorlegen müssen, die Verfassung übergehen, die Gerichte aushebeln, oder Neuwahlen ausrufen müssen, bis sie die Wahlen verlieren. NRW zeigt, daß es nicht nur "die da oben" sind, die die Schuldenproblematik zu verantworten haben. Es sind auch die Wähler.
2. Das ist doch nur gedrucktes Wunschdenken!
Brennstoff 17.05.2012
Ich habe vorhin beim Döner-Mann die Nachrichten auf N24 gesehen. Unter anderem war auch ein längerer Beitrag über GR zu sehen. Das sah aber anders aus als nachdenklich oder abwägend! Die Griechen sind wütend auf die Troika und vor allem auf die Kanzlerin und wenn mich mein Instinkt und die Kenntnis über mediterranes Temperament nicht täuscht, dürfte Tsipras eher an die 30 % denn knapp über 20 % kommen. Die etablierten Parteien sind dort sowas von unten durch, glaubt man den Mienen der Demonstranten. Das ist doch alles bloß ein potemkinsches Dorf, das die EZB veranlassen soll, die kleineren Banken in GR, die augenblicklich endgültig vor der Implosion stehen, doch noch zu stützen. GR hat von Beginn der EU-Zugehörigkeit, über den Euro-Beitritt und danach mit erlogenen Haushaltszahlen den Rest der Union knallhart über den Leisten gezogen. In gepflegtem Innenstadtdeutsch könnte man das noch bedeutend blumiger Ausdrücken. Warum sollten sie jetzt damit aufhören?
3. .
anon11 17.05.2012
Zitat von sysopIn gut vier Wochen wird in Griechenland schon wieder gewählt. Viele Beobachter gehen von einem Sieg der Linksradikalen aus. Doch nun bringt eine Umfrage ein überraschendes Ergebnis: Sie sieht die konservative Nea Demokratia vor dem Syriza-Bündnis. Griechische Konservative übertrumpfen Linksradikale in Umfrage - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833726,00.html)
Natürlich, beser im Euro bleiben, das ist noch was bei anderen Ländern zu holen. Diese Eurofaschisten versuchen doch mit allen Tricks irgendwie and die Eurobonds zu kommen. Schuldenkrise: Eurobonds durch die Hintertür? - Wirtschaft - FAZ (http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schuldenkrise-eurobonds-durch-die-hintertuer-11754811.html) Deutschland muss raus aus dem Euro und der EU-Aussaug-Geminschaft.
4. Schon wieder Linksradikale
ritotschka 17.05.2012
Warum, um Himmels Willen, sind Linke denn radikal. Sie haben einen anderen Blickwinkel auf viele Dinge. Deshalb würde ich sie aber nicht als realitätsfremd bezeichnen. Es macht sich nur niemand die Mühe, ihre Argumente anzuhören. Warum sind nur immer die Meinungen der "Etablierten" richtig. Aus allem zusammen kann man vielleicht eine Lösung finden. Es hat sich ja nun offensichtlich bestätigt, Währungsunion vor Wirtschaftsunion war ein Irrweg. Um wen geht es eigentlich? Um Finanzen und Wirtschaft, oder um Menschen?
5.
ich2011 17.05.2012
Zitat von L_PWir sollten uns zunächst um NRW Gedanken machen. Da wurde gerade eine Regierung bestätigt, die über ihren verfassungswidrigen Schuldenhaushalt gestolpert ist. Jetzt werden die selben Figuren einen verfassungsgemäßen Haushalt vorlegen müssen, die Verfassung übergehen, die Gerichte aushebeln, oder Neuwahlen ausrufen müssen, bis sie die Wahlen verlieren. NRW zeigt, daß es nicht nur "die da oben" sind, die die Schuldenproblematik zu verantworten haben. Es sind auch die Wähler.
Ja, die kennen wir ja, die Meinung unserer Eliten: die Wähler sind viel zu blöd, um die Weisheit der Journalisten und selbst ernannten Experten verstehen zu können, nicht zu vergessen Nobbi Röttgen, den Cary Grant der deutschen Politik: "Leider entscheidet ja der Wähler." Wär es nicht besser, unsere Wirtschaftseliten suchten sich ein anderes Volk für ihre Experimente am Menschen?
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