Umfrage vor der Neuwahl: Griechische Linksradikale liegen vorn

In gut vier Wochen wählen die Griechen schon wieder - das Ergebnis könnte knapp ausfallen: Zuletzt lag die konservative Nea Demokratia in Umfragen vorn, jetzt führt das linksradikale Syriza-Bündnis. Das griechische Parlament hat den Weg für Neuwahlen inzwischen frei gemacht. 

Alexis Tsipras: Der Syriza-Parteichef hält den Daumen hoch, seine Partei führt zurzeit Zur Großansicht
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Alexis Tsipras: Der Syriza-Parteichef hält den Daumen hoch, seine Partei führt zurzeit

Athen - Wenn die Griechen im Juni ein neues Parlament wählen, könnte das linksradikale Parteienbündnis Syriza gewinnen: In einer neuen Umfrage von Metron Analysis führt es mit einem Stimmenanteil von 25,1 Prozent, dicht gefolgt von der konservativen Nea Demokratia (23,8 Prozent) und der sozialistischen Pasok (17,4 Prozent).

Syriza lehnt die mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) vereinbarten Sparmaßnahmen strikt ab, tritt aber dennoch für einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone ein. In letzten Umfragen vom Institut Marc/Alpha lag die Nea Demokratia (ND) noch knapp vor Syriza. Die ND befürwortet den strikten Sparkurs genauso wie Pasok. Bei der letzten Wahl am 6. Mai hatte die ND zwar die meisten Stimmen erhalten, aber lediglich 18,9 Prozent der Stimmen erreicht. Syriza war mit 16,8 auf Platz zwei gelandet.

Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias hat inzwischen das Parlament in Athen aufgelöst. Zudem bestätigte er den Wahltermin: Am 17. Juni werden die Griechen eine neue Regierung wählen. Die Neuwahl ist nötig, weil keine funktionsfähige Regierung gebildet werden konnte - es war zu einem Patt zwischen Befürwortern und Gegnern des drastischen Sparkurses in dem hochverschuldeten Land gekommen. Bis zum Wahltag führt eine Übergangsregierung unter dem Verwaltungsrichter Panagiotis Pikrammenos das Land. Sein Kabinett war am Donnerstag angetreten.

Sigmar Gabriel warnt vor unabsehbaren Folgen für Deutschland

Ein angeblicher Vorschlag von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte für Verwirrung und Empörung in Griechenland gesorgt: Sie soll vorgeschlagen haben, zeitgleich mit der Neuwahl ein Referendum über Griechenlands Verbleib in der Euro-Zone abzuhalten. Die Bundesregierung hatte das dementiert. Es sei in einem Telefongespräch allgemein angesprochen worden, dass die Parlamentswahl so etwas wie ein Referendum über Griechenlands Euro-Zugehörigkeit sei, hieß es in Regierungskreisen.

Beim G-8-Gipfel im amerikanischen Camp David versicherte EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso noch einmal, Europa wolle Griechenland in der Euro-Zone halten. Allerdings müsse das Land seine Spar- und Reformzusagen einhalten. Barroso wollte sich nicht zur Diskussion über angebliche Notfallpläne äußern falls Griechenland aus dem Währungsverbund ausscheiden sollte.

Auch in Deutschland wird dieses Szenario weiter thematisiert: SPD-Chef Sigmar Gabriel warnte vor unabsehbaren Folgen auch für Deutschland. Bereits die ständige Spekulation darüber sei gefährlich, sagte er der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Chef der Wirtschaftsweisen, Wolfgang Franz, warnte Griechenland vor einem Austritt aus dem Währungsverbund. Konsum und Investitionen würden einbrechen, die Arbeitslosigkeit rapide steigen, und viele Griechen würden große Teile ihres Vermögens verlieren, sagte Franz in der "Rheinischen Post". Für die Euro-Zone sei ein Austritt des Landes zwar ebenfalls teuer, doch wären die Folgen weniger dramatisch als noch vor zwei Jahren.

fln/AFP/Reuters

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insgesamt 24 Beiträge
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1. Syriza
tromsø 19.05.2012
Ich wünsche der Syriza viel Glück. ND und Pasok sind durch Vetternwirtschaft und Korruption doch so verkrebst, dass man deren Wähler eigentlich durch die Finanzpolizei durchleuchten müsste. Und dies sage ich als eher rechts stehender Liberale. Richtig lustig wird's doch, wenn die neue Regierung die Zinszahlungen auf (ihre) vom Pasok- und ND- Pack vererbten Schulden einstellt oder noch besser auf Null stellt. Treten dann bei euch in Deutschland die verantwortlichen Dumpfbacken zurück? Kann man die Greichen aus dem Euro werfen, oder hat der Tsirpas doch recht, wenn er sagt, dies würde richtig teuer werden für Europa? Stichwort Target 2. Wäre es nicht mal an der Zeit, dass die Herren Journalisten die letzten Jahre mal reflektieren und das Schlamassel mit allen Eventualitäten mal für uns Leser durchrechnen würden? Auf den Sinn hat der Spiegel bevorzugt geschossen, aber jetzt könnte er euch vielleicht doch noch mal das Target 2 System erklären. So für den Fall der Fälle. Schönes Wochenende aus dem benachbarten Ausland wünscht euch Tromsø
2. ...
cato. 19.05.2012
Zitat von sysopIn gut vier Wochen wählen die Griechen schon wieder - das Ergebnis könnte knapp ausfallen: Zuletzt lag die konservative Nea Demokratia in Umfragen vorn, jetzt führt das linksradikale Syriza-Bündnis. Das griechische Parlament hat den Weg für Neuwahlen inzwischen frei gemacht. Griechische Konservative übertrumpfen Linksradikale in Umfrage - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833999,00.html)
Die EU tut gerade alles um den Griechen Angst vor einem Wahlsieg der Linksextremen zu machen, ich kann nur hoffen, dass es ihr nicht gelingt. Denn so lange Griechenland im Euro bleibt, werden die Nazis, Kommunisten und das Syriza-Bündnis an Boden gewinnen, das Fatale besonders das Syriza-Bündnis und die Goldene Morgenröte sind bei Staatsbeamten beliebt... Griechenland muss raus aus dem Euro, um wieder auf die Beine zu kommen, alles andere wird nur Griechenlandes Siechtum verlängern.
3. alles beim Alten...
flaviussilva 19.05.2012
Zitat von sysopIn gut vier Wochen wählen die Griechen schon wieder - das Ergebnis könnte knapp ausfallen: Zuletzt lag die konservative Nea Demokratia in Umfragen vorn, jetzt führt das linksradikale Syriza-Bündnis. Das griechische Parlament hat den Weg für Neuwahlen inzwischen frei gemacht. Griechische Konservative übertrumpfen Linksradikale in Umfrage - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,833999,00.html)
...oder so ähnlich ! Was bedeuten diese Zahlen: Neo Democratia ( ND ) = 23,8 % oder 71 Sitze im Parlament ! Pasok = 17,4 & oder 52 Sitze im Parlament ! Syriza = 25,1 & oder 75 Sitze + 50 Bonussitze für den ersten = 125 Sitze im Parlament. d.h. ND und Pasok erhalten 123 Sitze und Syriza 125 Sitze. Damit wären dann 248 Sitze von 300 im Parlament vergeben. Da die nicht koalitionsfähigen Stalinisten und Faschisten sicher auch noch mit von der Partie sind, haben wir also ein neues Patt und damit wieder keine Regierung. Wenn die EU also auch nur ansatzweise Ihr Versprechen wahr macht, ist Griechenland noch vor dem dritten Wahlversuch pleite. Insofern: Nothing News on Southern Front !
4. was passieren sollte...
j.c78. 19.05.2012
Angenommen Syriza gewinnt die Wahl und begibt sich an die Umsetzung bleibt das Problem, dass Griechenland, trotz aller Einschnitte noch immer mehr Geld ausgibt als einnimmt. Des Weiteren werden sicherlich keine EU-Gelder mehr fließen.Daraus folgert, dass Griechenland seine Angestellten und Sozialleistungen nicht mehr leisten kann.... und dann werden die meisten Menschen feststellen dass Sie schlecht gewählt haben...
5. Euroaustritt
wmueller 19.05.2012
Seit zwei Jahren wird immer wieder gesagt, dass die Folgen eines griechischen Euroaustritts unabsehbar wären. Ich glaube das nicht. Ich glaube, dass für die internationalen Großbanken die Gewinne im Moment noch unübersehbar sind, weil unklar ist, wieviel Geld von den Steuerzahlern noch zu bekommen ist. Den einzelnen Bundesbürger wird der Austritt Griechenlands nicht betreffen.
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