Manöver im Mittelmeer Griechische Küstenwache soll Flüchtlingsboot zum Kentern gebracht haben

Hat die griechische Küstenwache ein Schlauchboot mit Flüchtlingen angegriffen? Das legen jetzt veröffentlichte Videoaufnahmen nahe. Sie sollen von der türkischen Küstenwache stammen, die alle Migranten anschließend rettete.

Turkish Coast Guard

Ein Vertreter der griechischen Küstenwache soll versucht haben, ein Flüchtlingsboot zu versenken. Das legen Videoaufnahmen nahe, die das Turkish Institute of Public Diplomacy veröffentlicht hat. Sie sollen am 12. November von der türkischen Küstenwache gemacht worden sein.

Die bei Nacht gefilmten Bilder zeigen ein voll besetztes Schlauchboot vor einem Schiff, das angeblich zur griechischen Küstenwache gehört. Von dort aus stößt ein Besatzungsmitglied mit einer Stange wiederholt in Richtung des Bootes hinab - begleitet von Schreien der Flüchtlinge.

In einer ersten Einstellung ist die Absicht des Mannes nicht klar zu erkennen. Es folgt jedoch eine zweite, offenbar mit Infrarot gedrehte Aufnahme. Hier scheint das Besatzungsmitglied eindeutig auf das Boot einzustechen. Weitere Bilder zeigen, wie das Schlauchboot zu sinken beginnt und seine Insassen dann von dem türkischen Schiff an Bord genommen werden.

Schwierige Beziehungen zur Türkei

Die Authentizität des von der Agentur Reuters verbreiteten Videos ließ sich zunächst nicht eindeutig klären. Das als Quelle angegebene Turkish Institute of Public Diplomacy gehört zum Turkish Asian Center for Strategic Studies, einem Think Tank. Zu den Zielen des Instituts gehört nach eigenen Angaben, den internationalen Einfluss der Türkei über sogenannte Soft Power zu verbessern - ein Konzept von Machtausübung ohne militärische Mittel.

Die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei sind traditionell schwierig. In der Flüchtlingsfrage vereinbarten die Regierungschefs beider Länder aber vor wenigen Tagen eine verbesserte Zusammenarbeit.

In jüngster Zeit gab es wiederholt Berichte über Manöver der griechischen Küstenwache gegen Flüchtlingsboote. Auch die Türkei hat jedoch schon mehrfach Schlauchboote so abgedrängt, dass sie gekentert sind. Nach Angaben von Flüchtlingen lassen sich solche Aktionen vermeiden, wenn die Sicherheitskräfte zuvor über den Schlepper Schmiergeld erhalten haben.

Die Kinderrechtsorganisation Unicef hatte die griechische Küstenwache erst am Donnerstag mit einem Preis geehrt. Ausgezeichnet wurde dabei insbesondere der Einsatz zur Rettung junger Flüchtlinge und Migranten.

dab/kaz

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