Griechenland Rechtsradikale attackieren Flüchtlingsboote

Sie waren vermummt und kamen per Schnellboot: Griechische Rechtsradikale haben laut Medienberichten mehrere Flüchtlingsboote vor Lesbos angegriffen. In Deutschland steigt die Zahl der Attacken auf Asylunterkünfte auf 500.

Flüchtlingsboot vor Lesbos: Ein Registrierungszentrum öffnet in Kürze
AP/dpa

Flüchtlingsboot vor Lesbos: Ein Registrierungszentrum öffnet in Kürze


Vor der Insel Lesbos sollen griechische Rechtsextreme vier mit Flüchtlingen überfüllte Schlauchboote attackiert haben. Fünf vermummte Männer hätten die Außenbordmotoren der Boote zerstört und seien anschließend mit ihrem Schnellboot verschwunden, berichteten das Nachrichtenportal Lesvosnews.net und andere Medien der Insel am Samstag. Der Zwischenfall habe sich bereits am Freitag ereignet.

Die Flüchtlingsboote trieben den Berichten zufolge mehrere Stunden lang führungslos im Meer zwischen Lesbos und der türkischen Küste. Alle Insassen seien jedoch wohlauf. Die meisten seien von Fischern und anderen Helfern ins Schlepptau genommen und in Sicherheit gebracht worden.

Erster Hotspot auf Lesbos

Auf Lesbos und anderen Inseln der östlichen Ägäis sind in den vergangenen Monaten mehr als 400.000 Migranten angekommen. In ihrer Mehrheit stammen sie aus Syrien und Afghanistan. In den kommenden Tagen soll auf der Insel der erste sogenannte Hotspot zur Registrierung von Flüchtlingen den Betrieb aufnehmen. Das kündigte EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos nach politischen Gesprächen am Samstag in Athen an.

Zudem sollen Griechenland und die Türkei in den kommenden Wochen einen Aktionsplan zur Bewältigung der Flüchtlingskrise in der Ägäis ausarbeiten, fügte Avramopoulos hinzu. Zuletzt rettete die griechische Küstenwache dort binnen 24 Stunden mehr als 1100 Bootsflüchtlinge. Registrierungszentren sind auch auf den Inseln Chios, Samos, Leros und Kos geplant. Sie sollen binnen eines Monats eröffnet werden. In Italien ist der erste Hotspot auf der Insel Lampedusa bereits eingerichtet, dort läuft die Erprobungsphase.

Die EU will insgesamt 160.000 Flüchtlinge aus den besonders stark betroffenen Ländern Griechenland und Italien auf andere Staaten verteilen. Die ersten Migranten wurden am Freitag von Italien nach Schweden gebracht.

Radikalisierung in Deutschland

In Deutschland hat die Zahl der Angriffe auf Asylunterkünfte laut Bundeskriminalamt (BKA) in diesem Jahr stark zugenommen. "Wir sind jetzt mittlerweile bei den 500 angekommen - nach wie vor steigend", sagte BKA-Präsident Holger Münch dem Deutschlandfunk. Sorge mache ihm, dass immer wieder Täter auffällig würden, die bislang nicht mit politisch motivierter Kriminalität in Verbindung gebracht werden konnten. Das Radikalisierungspotenzial steige, die rechte Szene provoziere Gegenreaktionen von links.

Zu einem möglichen Anstieg der Terrorgefahr sagte Münch, es lägen bislang zwar 70 Hinweise auf eine mögliche Verbindung von Flüchtlingen zur Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) vor. Im Moment gebe es jedoch keine konkreten Indizien für eine tatsächliche Verbindung.

dab/dpa/Reuters

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