Griechische Steuersünderliste: Journalist freigesprochen
Große Erleichterung vor dem Gerichtsaal: Der griechische Boulevardjournalist Kostas Vaxevanis ist wieder auf freiem Fuß. Ihm drohten drei Jahre Haft, weil er eine Steuersünderliste mit 2059 Namen veröffentlicht hatte - von der Regierung wurde das Dokument bislang ignoriert.
Athen - Der Gefängnisaufenthalt dauerte nur kurz. Ein griechisches Gericht hat den Journalisten Kostas Vaxevanis freigesprochen. Der Chefredakteur der Athener Boulevardzeitschrift "Hot Doc" hatte in seinem Blatt eine Liste mit 2059 angeblichen Steuersündern veröffentlicht, die Gelder aus Griechenland in die Schweiz überwiesen haben sollen. Darunter waren auch einige Politiker und Journalisten sowie Hausfrauen und Studenten.
Die Staatsanwaltschaft hatte den Journalisten am Sonntag angeklagt. Es sei nicht erwiesen, dass die genannten Menschen tatsächlich Steuersünder seien, hieß es in der Begründung. Zudem würden mit der Veröffentlichung der Namen Persönlichkeitsrechte verletzt.
Im Fall einer Verurteilung hätten Vaxevanis bis zu drei Jahre Haft gedroht. Nach dem Urteil gab es im Gerichtssaal in Athen lauten Beifall. Vaxevanis selbst zeigte sich bewegt und dankte dem Gericht. "Ich habe immer der Justiz vertraut", sagte der Journalist nach seinem Freispruch im Rundfunk .
Vor dem Urteil sagte er: "Ich habe das Risiko auf mich genommen, ich habe meine Arbeit gemacht und werde vom Gesetz geschützt." Die Presse müsse Dokumente veröffentlichen, die unterschlagen oder als unwichtig dargestellt würden, wenn diese Skandale aufdeckten. Ähnlich äußerte sich Vaxevanis nach dem Urteil.
Der Staatsanwalt warf dem Journalisten vor, "eine Reihe von Personen öffentlich der Lächerlichkeit preisgegeben" zu haben. Er habe sie einer "nach Blut dürstenden Gesellschaft" ausgeliefert. Die Lösung der Probleme Griechenlands sei aber nicht "Kannibalismus". Vaxevanis warf hingegen der Justiz Heuchelei vor und übte auch Kritik an den Medien, die bisher nicht über die Liste berichtet hätten. Die Internationale Journalistenföderation nannte den Prozess eine "absurde Farce".
Die sogenannte "Liste Lagarde" beruht auf Informationen französischer Sicherheitskräfte und beinhaltet unter anderem auch Namen von griechischen Bürgern, die in den vergangenen zehn Jahren Geld in die Schweiz überwiesen haben. Nach Presseberichten hatte 2010 die damalige französische Finanzministerin Christine Lagarde die Liste an griechische Behörden übergeben. Die Liste wurde jedoch fast zwei Jahre lang in verschiedenen griechischen Behörden hin und her geschoben. Lagarde ist heute Chefin des Internationalen Währungsfonds.
lei/dpa/AFP
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Donnerstag, 01.11.2012 – 22:41 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 21 Kommentare
Fläche: 131.957 km²
Bevölkerung: 11,305 Mio.
Hauptstadt: Athen
Staatsoberhaupt:
Karolos Papoulias
Regierungschef: Antonis Samaras
Mehr auf der Themenseite | Wikipedia | Griechenland-Reiseseite
- Veröffentlichte Steuersünderliste: Griechische Polizei nimmt Journalisten fest (28.10.2012)
- Euro-Krise: Troika schlägt Schuldenerlass für Griechenland vor (28.10.2012)
- Großdemo in Rom: Zehntausende Italiener protestieren gegen Spardiktat (27.10.2012)
- Staatshaushalt: Schäuble glaubt an schwarze Null schon 2014 (27.10.2012)
- Sparaufschub: Griechenland braucht neue Milliardenhilfe (25.10.2012)
- Kommentar: Zwei Jahre mehr zum Nichtstun (24.10.2012)
- Besuch in Athen: Merkels teure Griechenland-Mission (09.10.2012)
- Link zum digitalen SPIEGEL
MEHR AUS DEM RESSORT POLITIK
-
Abgeordnete
Bundestagsradar: Alle Fakten, alle Abstimmungen, alles Wissenswerte -
Regierung
Schwarz-gelbe Koalition: Das ist Merkels Kabinett -
Umfragen
"Sonntagsfrage": Der aktuelle Trend anhand von Umfragen -
Nachgefragt
Abgeordnetenwatch auf SPIEGEL ONLINE: Ihr direkter Draht in die Politik -
Rundgang
Kanzleramt, Bundestag, Ministerien: Das ist das politische Berlin

Möchten Sie ein anderes Land erkunden?