Griechischer Abt in Haft: Russischer Patriarch mischt sich in Athos-Skandal ein

Das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche hat sich in den millionenschweren Immobilienskandal in Griechenland eingeschaltet: Patriarch Kirill forderte die Freilassung eines inhaftierten Abts - er sei besorgt, dass der Mönch trotz angeschlagener Gesundheit festgehalten werde.

Blick aus dem Autofenster: Der Abt Efraim wird ins Gefängnis gebracht Zur Großansicht
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Blick aus dem Autofenster: Der Abt Efraim wird ins Gefängnis gebracht

Moskau - Der Brief von Patriarch Kirill ging an Griechenlands höchsten Repräsentanten: an Präsident Karolos Papoulias. In dem am Donnerstag veröffentlichten Schreiben spricht sich der russisch-orthodoxe Patriarch für eine Freilassung des inhaftierten Abts Efraim aus, der in den sogenannten Athos-Skandal verwickelt ist.

Der Mönch stelle keine Gefahr für die Gesellschaft dar und habe sich zur Zusammenarbeit bei der Untersuchung bereiterklärt, schrieb Kirill. Er forderte einen fairen Prozess. Er sei besorgt, dass der "respektierte Mönch" trotz seiner angeschlagenen Gesundheit inhaftiert worden sei, schrieb Kirill. Efraim war erst vor kurzem mit einer der bedeutendsten Reliquien der russisch-orthodoxen Kirche, dem Gürtel der Jungfrau Maria, durch Russland gereist.

Der Abt soll gemeinsam mit 30 Mönchen des Klosters Vatopedion auf dem berühmten Berg Athos in einem undurchsichtigen Geschäft 100 Millionen Euro eingestrichen haben.

Bei dem Immobilendeal ging es um einen See, der dem Kloster vermutlich gar nicht gehörte. Er wurde 2007 gegen Ländereien bei Athen und in anderen Landstrichen getauscht. Dabei soll das Kloster nach übereinstimmenden Berichten seine Verbindungen zur Politik genutzt haben.

Der Skandal erschütterte die Regierung des damaligen konservativen Regierungschefs Kostas Karamanlis. Der Vistonida-See in Nordgriechenland war dem Kloster angeblich vor fast tausend Jahren von byzantinischen Kaisern vermacht worden. Doch nach Angaben griechischen Medien ist das nicht zutreffend.

Die rund 335 Quadratkilometer große Mönchsrepublik Berg Athos befindet sich auf der östlichsten Landzunge der griechischen Halbinsel Chalkidiki. Dort leben derzeit rund 3000 Mönche. Sie genießen einen Autonomiestatus innerhalb Griechenlands. Die Mönchsrepublik wird vom Rat der Äbte ihrer 20 Klöster verwaltet. Die Regierung in Athen wird von einem Verwalter und der Polizei vertreten.

Der Athos-Skandal gilt als besonders prominentes Beispiel für die in Griechenland weit verbreitete Korruption. So sollen in den vergangenen Jahren Politiker aller Parteien Millionensummen angenommen haben. Im Gegenzug sollen sie freigiebig Aufträge erteilt haben.

Zuletzt hatten zwei griechische Ermittler im Kampf gegen Steuerhinterziehung aufgegeben, weil sie sich in ihrer Arbeit behindert fühlten.

hen/dpa/dapd

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1.
DMenakker 29.12.2011
Zitat von sysopDas Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche hat sich in den millionenschweren Immobilienskandal in Griechenland eingeschaltet: Patriarch Kirill forderte die Freilassung eines inhaftierten Abts - er sei besorgt, dass der Mönch trotz angeschlagener Gesundheit festgehalten werde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806280,00.html
Der Abt hat lt. Spiegel zusammen mit 30 anderen ca. 100 Mio EUR ergaunert. Fallen aleine auf ihn 3,3 Mio. Ausgehend von der Annahme, dass in D ab 1 Mio keine Bewährung mehr möglich ist, sind wir schon mal ( nach deutschem Recht ) bei einer Haftstrafe von 4 - 6 Jahren. Als Abt einer Mönchsgruppe die Teilautomie hat hat er nicht nur eine besondere Verantwortung, sondern eine besondere Vertrauensstellung. Eindeutig massiv strafverschärfend. Griechenland ist an der Grenze zur Staatspleite durch eben solche genannten Geschichten. Da man aber die Folgen einer Tat immer berücksichtigen muss, ist hier auch noch mal eine massive Strafverschärfung geboten. Alles in allem wären bei dem Deal in D nicht unter 8 Jahren fällig, in GR hoffentlich sogar noch mehr. Der arme Betbruder ist krank? Sorry aber auch, häte er sich erstens vorher überlegen müssen, und zweitens wird man auch in Griechenland Haftkrankenhäuser haben. Warum Kirill sich für den Betbruder einsetzt anstelle ihn in die Hölle zu verwünschen ... man wird sehen, was noch alles aus dem Kloster ans Tageslicht kommt. Oder glaubt irgendeiner, dass dies der einzige krumme Deal war?
2. ein Bauernopfer der Politik
realpolitiker 29.12.2011
Zitat von sysopDas Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche hat sich in den millionenschweren Immobilienskandal in Griechenland eingeschaltet: Patriarch Kirill forderte die Freilassung eines inhaftierten Abts - er sei besorgt, dass der Mönch trotz angeschlagener Gesundheit festgehalten werde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806280,00.html
Der Abt mag vielleicht schuldig sein. Fest steht aber auch, dass er sich wohl nicht persönlich bereichert hat, wie das bei anderen korrupten Eliten in der Regel üblich ist. Und was die angebliche byzantinische Schenkung betrifft, so kann sie durchaus zutreffen, denn zu dieser Zeit erhielten kirchliche Einrichtungen viele Privilegien. Auch der Kirchenstaat des Papstes beruht auf eine Schenkung des römischen Kaisers Konstantin. Nur dies Dokument war wirklich eine Fälschung. Trotzdem existiert das Papst-Territorium heute noch immer! Ein Riesen-Skandal besteht jedoch im Fall Efraim darin, dass die seinerzeit involvierten griechischen Politiker inzwischen angeblich amnestiert wurden bzw. aufgrund einer zwielichtigen Rechtskonstruktion nicht mehr belangt werden können. Dieser Abt scheint mir als Bauernopfer zu dienen, mit dem die korrupte Politik die Öffentlichkeit hinters Licht führen will. Man will Eindruck schinden, dass man energisch durchgreift - aber leider nicht gegen die eigene Klasse! Das zeigen schon die bisherigen "Vorzeige-Täter" einige Ärzte, Unternehmer, Rechtsanwälte ff. mit einigen 100.000 Euro Steuerhinterziehung. Nur die korrupten Verteter der Regierungen und Parteien, die für die griechische Krise letztlich verantwortlich sind, sucht man als Angeklagte bisher vergebens!
3.
tasc 29.12.2011
Zitat von sysopDas Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche hat sich in den millionenschweren Immobilienskandal in Griechenland eingeschaltet: Patriarch Kirill forderte die Freilassung eines inhaftierten Abts - er sei besorgt, dass der Mönch trotz angeschlagener Gesundheit festgehalten werde. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,806280,00.html
Oops - da Hackt ja eine Krähe der anderen Kein Auge aus. Im Gegensatz zu russischen Oligarchen sind die Firmen der Orthodoxen Kirche in Russland weitgehend von Steuern und Lizenzen befreit. D.H. Öl, Gas und Immobilien bleiben von der Steuer verschont. Ja die Kirchen werden davon renoviert aber sozialarbeit wie wir das im Westen von der Kirche kennen gibts gerade mal Ansatzweise. Aus der Sicht eines Atheisten unterscheidet sich diese Kirche in keinster Weise von einem Oligarchen oder einer Sekte. Patriarch Kiril wehert den Anfängen...
4. Invasion!
dingodog 29.12.2011
Zitat von DMenakkerDer Abt hat lt. Spiegel zusammen mit 30 anderen ca. 100 Mio EUR ergaunert. Fallen aleine auf ihn 3,3 Mio. Ausgehend von der Annahme, dass in D ab 1 Mio keine Bewährung mehr möglich ist, sind wir schon mal ( nach deutschem Recht ) bei einer Haftstrafe von 4 - 6 Jahren. Als Abt einer Mönchsgruppe die Teilautomie hat hat er nicht nur eine besondere Verantwortung, sondern eine besondere Vertrauensstellung. Eindeutig massiv strafverschärfend. Griechenland ist an der Grenze zur Staatspleite durch eben solche genannten Geschichten. Da man aber die Folgen einer Tat immer berücksichtigen muss, ist hier auch noch mal eine massive Strafverschärfung geboten. Alles in allem wären bei dem Deal in D nicht unter 8 Jahren fällig, in GR hoffentlich sogar noch mehr. Der arme Betbruder ist krank? Sorry aber auch, häte er sich erstens vorher überlegen müssen, und zweitens wird man auch in Griechenland Haftkrankenhäuser haben. Warum Kirill sich für den Betbruder einsetzt anstelle ihn in die Hölle zu verwünschen ... man wird sehen, was noch alles aus dem Kloster ans Tageslicht kommt. Oder glaubt irgendeiner, dass dies der einzige krumme Deal war?
Hm, demnach hat Griechenland einen zumindest autonomen Staat überfallen und einen seiner Repräsentanten verschleppt. Nicht unkritisch - auch wenn die Mönchsrepublik Athos nicht UNO-Mitglied ist, geniessen de-facto-Staaten doch einen grundsätzlichen Schutz vor Agression. Scherz beiseite. Die Kollegen Mönche haben es für diese Tricksereien (und sicher noch einige weitere) mehrfach verdient, vor Gericht gestellt und in ungeheizte Einzelzellen gesperrt zu werden. Unter Einzug des Diebesguts natürlich. Eventuell könnte man diese Prinzipien auch auf andere teilautonome Gebiete in Europa ausweiten. Sarkozy sollte mal darüber nachdenken, wie weit Jersey von der französischen Küste weg liegt (das ist das schlimmste Steuer-Piratenloch in Europa), und Monaco und der Vatikan bräuchten sicher auch mal eine aktive Bilanzprüfung.
5.
Panslawist 29.12.2011
Zitat von realpolitikerDer Abt mag vielleicht schuldig sein. Fest steht aber auch, dass er sich wohl nicht persönlich bereichert hat, wie das bei anderen korrupten Eliten in der Regel üblich ist. Und was die angebliche byzantinische Schenkung betrifft, so kann sie durchaus zutreffen, denn zu dieser Zeit erhielten kirchliche Einrichtungen viele Privilegien. Auch der Kirchenstaat des Papstes beruht auf eine Schenkung des römischen Kaisers Konstantin. Nur dies Dokument war wirklich eine Fälschung. Trotzdem existiert das Papst-Territorium heute noch immer! Ein Riesen-Skandal besteht jedoch im Fall Efraim darin, dass die seinerzeit involvierten griechischen Politiker inzwischen angeblich amnestiert wurden bzw. aufgrund einer zwielichtigen Rechtskonstruktion nicht mehr belangt werden können. Dieser Abt scheint mir als Bauernopfer zu dienen, mit dem die korrupte Politik die Öffentlichkeit hinters Licht führen will. Man will Eindruck schinden, dass man energisch durchgreift - aber leider nicht gegen die eigene Klasse! Das zeigen schon die bisherigen "Vorzeige-Täter" einige Ärzte, Unternehmer, Rechtsanwälte ff. mit einigen 100.000 Euro Steuerhinterziehung. Nur die korrupten Verteter der Regierungen und Parteien, die für die griechische Krise letztlich verantwortlich sind, sucht man als Angeklagte bisher vergebens!
Es handelt sich hier um einen Angriff der EU und einiger verkaufter griechischer Seelen (Neukalendarier, Kommunisten...) auf die Orthodoxie. Die EU hat schon öfter Drohungen gegen die Mönchsrepublik ausgesprochen und sieht jetzt eine günstige Gelegenheit zum Forntalangriff, weshalb sich jetzt auch Rußland einmischt.
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Finanzkrise in Griechenland
Europa wird ungeduldig: Griechenland bekommt sein Schuldenproblem nicht in den Griff - inzwischen wird offen über eine geplante Insolvenz des Landes gesprochen. Doch ist das die Rettung für den Euro?

Was würde eine Pleite Griechenlands bedeuten? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick:
Welche Folgen hätte eine Pleite Griechenlands?
Für die Euro-Zone wären die Folgen weitreichend: Die Gläubiger müssten ganz oder teilweise auf ihr Geld verzichten. Die Europäische Zentralbank etwa müsste Verluste auf die Staatsanleihen hinnehmen. Gleiches gilt für Geschäftsbanken oder Versicherer, die in griechische Staatsanleihen investiert haben. Das würde ihr Eigenkapital belasten. Allerdings haben die großen Banken im Ausland ihre Papiere schon zum Teil abgeschrieben.

Umstrittener sind die Folgen für Griechenland: Einige Ökonomen halten eine Pleite für die beste Option. Denn die Schuldenlast des Landes würde vermindert, die Zinsbelastung im Haushalt würde sinken, und die Tilgungsverpflichtungen dürften abnehmen. Als endgültige Lösung für die Schuldenkrise gilt eine Pleite aber keineswegs, denn die Griechen müssten ihre laufenden Ausgaben trotzdem ihren Einnahmen anpassen. Sonst häufen sie weiter Schulden an. Der Teufelskreis wäre nicht durchbrochen. Außerdem blieben griechische Banken bei einer Pleite auf Forderungen sitzen. Das Bankensystem im Land könnte kollabieren.
Wäre ein Austritt aus der Euro-Zone sinnvoll?
Die konkreten ökonomischen Folgen eines Austritts Griechenlands aus der Euro-Zone sind schwer vorhersehbar. Viele Experten sind sich aber sicher, dass die Auswirkungen für das Schuldenland und andere Staaten des Währungsraums verheerend wären.
Für Griechenland könnte es der wirtschaftliche Zusammenbruch sein. Ohne Euro müsste das Land wieder seine alte Währung Drachme einführen, die vermutlich eine drastische Abwertung erfahren würde. Über billigere Produkte würde dies zwar der internationalen Wettbewerbsfähigkeit Athens zugutekommen. Viel schwerwiegender wäre aber, dass zugleich die in Euro aufgenommenen Altschulden drastisch steigen würden. Das wäre allerdings nicht der Fall, wenn es vorher zu einer Pleite gekommen wäre.
Hinzu kommt, dass das Land seine Staatsausgaben mangels Kreditfähigkeit nur aus seinen Einnahmen finanzieren könnte. Die Folge wäre ein vermutlich noch viel stärkerer Abschwung als bisher.

Auch für die Euro-Zone hätte ein Austritt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit verheerende Folgen. An den Finanzmärkten würden wohl schnell andere finanzschwache Länder unter Druck geraten, der sogenannte Domino-Effekt könnte eintreten. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen entsprechender Länder würden drastisch steigen und die jeweiligen Länder ähnlich wie Griechenland an den Rand der Zahlungsunfähigkeit führen. Letztlich könnte so der gesamte Währungsraum ins Wanken geraten.
Gibt es eine Alternative zu Pleite und Austritt?
Wichtig ist vor allem, dass Athen seine Sanierungspläne einhält und keine neuen Schulden anhäuft: Der Staat muss verschlankt werden, die Steuerhinterziehung bekämpft, die Privatisierung von Staatseigentum muss weitergehen. Zudem muss das zweite Rettungspaket für Athen umgesetzt werden, das bis 2014 die Unabhängigkeit vom Kapitalmarkt garantiert und dem Land so Zeit für tiefgreifende Reformen geben soll.