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Spähaffäre: Griechenland hörte US-Diplomaten ab

Griechischer Ex-Außenminister Pangalos: "Habe mich sehr amüsiert" Zur Großansicht
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Griechischer Ex-Außenminister Pangalos: "Habe mich sehr amüsiert"

Alliierten-Spionage? Können wir auch - sagt Griechenlands Ex-Außenminister Pangalos. Über die Mitschnitte von Gesprächen zwischen US-Diplomaten habe er sich in seiner Amtszeit "sehr amüsiert", verrät er in einem Interview. Die Inhalte seien mitunter nicht jugendfrei gewesen.

Berlin/Athen - Abhören, schnüffeln, überwachen. Seit den neusten Enthüllungen über das Belauschen des Handys von Kanzlerin Angela Merkel ist die Empörung über die Spähtechniken der USA groß. Außer in Griechenland. Da reagiert man mit der alten Weisheit: Was die können, können wir schon lange.

Denn auch der griechische Nachrichtendienst (EYP), so berichtet es jetzt der ehemalige Außenminister Theodoros Pangalos, hat offenbar Telefongespräche abgehört - und zwar zwischen amerikanischen Diplomaten. In einem Radiointerview plauderte Pangalos aus dem Nähkästchen. "Ich habe mich sehr dabei amüsiert, vom griechischen Nachrichtendienst mitgeschnittene Gespräche des US-Botschafters in Athen mit seinem Kollegen in Ankara sowie der Zentrale in den USA abzuhören", erzählte Pangalos am Dienstag dem griechischen Sender "Vima FM".

Besonders die Wortwahl sei bemerkenswert gewesen, so der Ex-Minister. In den Gesprächen hätten sich die Diplomaten mit "für Jugendliche nicht geeigneten Ausdrücken" über ihn und seine Politik unterhalten. Ein Beispiel? "What is this mother-fucker Pangalos doing", zitierte Pangalos aus einem der abgehörten Gespräche der Amerikaner auf Englisch.

Viel gebracht habe das Abhören allerdings nicht. Mehr als das, was man allgemein über die amerikanische Politik wusste, sei auch nicht in Erfahrung zu bringen gewesen, meinte Pangalos. Er war zwischen 1996 und 1999 griechischer Außenminister.

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1. Zwischen 1996 und 1999 verfügte Griechenland
berndblech 29.10.2013
nicht einmal über eine flächendeckende elektronische Datenverarbeitung. Die Daten zur Haushaltslage wurden teilweise aus dem Stegreif geschätzt (und anschließend nochmal manipuliert, wie man heute weiß). Ein Schwellenland mit völlig überdimensioniertem Militär, nicht das einzige, aber das einzige in Europa und das einzige, das behandelt wurde und wird wie eine Industrienation. Dass dieser Staat sich anmaßte, die USA auszuspionieren und auch noch süffisant davon berichtet, sollte die EU ebenso empören wie die Schnüffelei der USA. Griechenland muss seinen (nicht unberechtigten) Minderwertigkeitskomplex endlich anders in den Griff bekommen. Unter Freunden spioniert man nicht, das gilt auch für das finanziell und strukturell ruinierte Griechenland. Gerade sie sollten wissen, dass Freunde in der Not manchmal Katastrophen verhindern können.
2. Wenn die Worte nicht jugendfrei waren,
Dr.W.Drews 29.10.2013
dann waren sie ganz sicher angemessen für diesen Augiasstall griechische Politik. Schön das die Griechen über sich lachen können. Wie ich die NSA einschätze wollten die Amerikaner abgehört werden. Das alte Spiel. Spionage und Gegen-Spionage und Gegen-Gegen-Spionage, usw. Am Ende weis niemand mehr bescheid.
3. Mutig, das zuzugeben, ...
clausbremen 29.10.2013
... aber jeder Geheimdienst, der die technischen Möglichkeiten hat, macht das. Schon immer. Es wird halt nur nicht (von Ausnahmen abgesehen) darüber geredet.
4. Wir Deutsche,
002614 29.10.2013
die von Gestapo und Stasi-Erfahrungen geprägt sind, gehen natürlich ängstlich mit diesen neuen Abhör-Möglichkeiten um. Und Gefahr besteht auch für Bürger von totalitären Staaten. Aber in einer Gesellschaft, die ihre Bürger zu nichts zwingt, weder im Land zu bleiben noch ihrer Ideologie zuzustimmen, kann die Abhörerei auch zu mehr Offenheit und zu mehr Wahrhaftigkeit führen. Man sagt den Leuten eben die Wahrheit "ins Gesicht" bzw. ins Ohr. Und jeder weiß, woran er ist.
5. optional
Bad_Species 29.10.2013
Klar, dafür ist Geld da. Warum sind die einzigen Teile der griechischen Regierung die funktionieren, die die keiner braucht?
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