Berlin - Gewinnt er die Wahl, könnte das das Ende für die Griechen in der Euro-Zone bedeuten - so die Befürchtung vieler Beobachter. Doch der Chef der griechischen Linksradikalen, Alexis Tsipras, hat sich für den Verbleib Athens im Euro-Raum und eine gemeinsame europäische Lösung der Schuldenkrise ausgesprochen: "Wir bitten um die Solidarität der Völker in Deutschland und Frankreich."
Nach dem Treffen mit der Spitze der deutschen Linkspartei in Berlin fand er drastische Worte. Erpressung sei der falsche Weg. Man könne die Krise nicht geografisch einschränken und versuchen, ein Volk zu vernichten, warnte Tsipras.
Er betonte, auch seine Partei sei für den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone: "Wir wollen nicht die Zerstörung Europas." Sie sei eine "tief europafreundliche" Kraft. Die Wahl am 17. Juni bedeute nicht den Austritt des Landes, sondern eine neue Chance, um die Gemeinschaftswährung zu retten. Athen sei aber nicht Mieter im Euro-Raum, sondern gleichberechtigter Partner.
Das Spar- und Reformprogramm als Gegenleistung für die Milliardenhilfen der internationalen Partner nannte Tsipras "vollständig ineffizient". Seine Partei lehnt den Sparkurs ab - und kann damit bei den kommenden Neuwahlen auf ein gutes Ergebnis hoffen.
Das Land befinde sich im fünften Jahr in Folge in einer Rezession, so Tsipras. Deutsche Steuerzahler steckten ihr Geld in ein Fass ohne Boden, mit dem in Wirklichkeit Banken finanziert würden. Nach einem Wahlsieg will auch Tsipras das Steuersystem reformieren und Verwaltungsstrukturen verbessern. Konkrete Sparvorschläge machte er allerdings erneut nicht.
Hoffen auf neue Impulse aus Frankreich
Mit Blick auf den bevorstehenden EU-Gipfel sagte Tsipras, er habe die Hoffnung, dass Menschen ihre Fehler einsehen würden. Das Ende des deutsch-französischen Tandems von Kanzlerin Angela Merkel und dem früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy sei eine neue Chance, um eine faire Lösung zu finden.
Das Bündnis Syriza unter Führung des 37-Jährigen war zweitstärkste Kraft bei den Wahlen am 6. Mai - hinter der konservativen Nea Dimokratia. Nach der fehlgeschlagenen Regierungsbildung müssen die Griechen am 17. Juni erneut wählen. Umfragen deuten auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Konservativen und Linksradikalen hin. Einige Demoskopen sagen Syriza einen Sieg voraus.
Mahnende Worte von SPD-Mann Gabriel
Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel erinnerte Tsipras an die Verpflichtungen Griechenlands gegenüber der EU. Zwar sei die Entscheidung über den Verbleib im Euro-Raum allein Sache der Griechen. "Wer auch immer die nächste griechische Regierung stellt, muss aber wissen, dass getroffene Vereinbarungen einzuhalten sind", betonte der SPD-Chef.
"Niemand darf erwarten, dass Deutschland und die europäischen Geberländer zu ihren finanziellen Zusagen stehen, wenn eine neue griechische Regierung dazu nicht bereit ist", so Gabriel.
jok/dpa
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