Groß-Razzia GIs zwingen Iraker mit Bulldozern zur Kooperation

Sie kamen mit Bulldozern, sperrten das gesamte Dorf ab. Auf der Jagd nach Saddam Husseins Stellvertreter Isset Ibrahim al-Duri und Widerstandskämpfern griffen die US-Truppen in Howeidscha bei Kirkuk zu Methoden, wie sie die israelische Armee in der Westbank oder im Gaza-Streifen anwendet. Al-Duri erwischten die GIs jedoch nicht.


Howeidscha: US-Soldaten und irakische Polizisten verhören mutmaßliche Widerstandskämpfer
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Howeidscha: US-Soldaten und irakische Polizisten verhören mutmaßliche Widerstandskämpfer

Bagdad - Bei der Suchaktion in Howeidscha seien sechs Iraker verletzt worden, berichtet der arabische Fernsehsender al-Dschasira unter Berufung auf Polizeibeamte. Den Stellvertreter von Ex-Präsident Saddam Hussein an der Spitze des Revolutionären Kommandorats, Isset Ibrahim al-Duri, der dort vermutet worden war, fanden die US-Soldaten nach eigenen Angaben jedoch nicht. Al-Dschasira meldete, ein ehemaliger Privatsekretär von Isset Ibrahim sei den Soldaten ins Netz gegangen.

Ein US-Militärsprecher hatte am Dienstag erklärt, die Operation, die nach Angaben von Augenzeugen zwölf Stunden andauerte, habe der Aufspürung und Gefangennahme von subversiven Gruppen gegolten. Das rund 45 Kilometer von Kirkuk entfernte Howeidscha, eine arabische Enklave im Kurdengebiet, war während der Razzia komplett abgesperrt worden.

Als die US-Soldaten während der Razzia in Howeidscha in einem der Häuser Sprengstoff fanden, kannten sie kein Pardon mehr. "Mit dieser Art Material hier haben wir zwei Fallschirmspringer verloren. Diesen Stoff benutzen sie gewöhnlich, um Amerikaner zu töten", sagt Lieutenant Steve Brignoli von der 173. Luftlandebrigade.

Razzia in Howeidscha: Methoden wie die Israelis
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Für Brignoli stand fest: "Dieses Haus ist das Herz des Terrorismus." Und seinen Bewohnern wurde unmissverständlich klar gemacht, dass es zerstört werden würde. Einer der Soldaten befahl einem Übersetzer, dem Hausbesitzer, einem alten Mann, der auf Krücken und zusammen mit seiner Frau erschienen war, zu erklären, dass sie genug Sprengstoff gefunden hatten, um die ganze Nachbarschaft dem Erdboden gleich zu machen. Andrew Rohling, Kommandeur der Einheit, ließ einen Bulldozer vor dem Haus der Familie auffahren.

Die US-Einheit suchte den Sohn der Familie. Er sei da gewesen, habe sich aber wieder davon gemacht und halte sich möglicherweise bei seinem Bruder auf, gestand die Mutter. Daraufhin sagte Rohling: "Okay, ich werde das Haus nicht zerstören lassen, sondern nur dessen Vorderseite als Machtdemonstration." Der Bulldozer brach die Fassade ein, und die Frau des Hauses wurde gefesselt in einen Humvee gesetzt. "Das ist ein Verbrechen gegen mich - und das nach all dem, was ich in diesem Leben mitmachen musste", stotterte sie.

Isset Ibrahim al-Duri: die USA vermuten ihn als Drahtzieher hinter zahlreichen Anschlägen
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In der vergangenen Woche hatte das US-Militär ein Kopfgeld von zehn Millionen US-Dollar auf Isset Ibrahim ausgesetzt. Die Amerikaner vermuten ihn hinter einem Teil der Aktionen der anti-amerikanischen Aufständischen. In der vergangenen Woche nahmen sie Ibrahims Frau und Tochter fest. US-Kampfflugzeuge bombardierten sein leer stehendes Haus in der Nähe von Samarra.

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