Britischer Außenminister Johnson spricht von möglichem "Brexit-Kollaps"

"Sie müssen jetzt damit rechnen, dass es einen Zusammenbruch geben könnte": Das sagte der britische Außenminister Johnson bei einem Treffen, das heimlich aufgezeichnet wurde. Er warnte aber vor Panik.

Boris Johnson
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Vor der Abstimmung zu einem Ausstieg aus der EU hatte er noch Stimmung für den Brexit gemacht - nun fürchtet der britische Außenminister Boris Johnson offenbar unangenehme Konsequenzen daraus. Bei einem Treffen einer konservativen Gruppe warnte er vor einem "Brexit-Kollaps". Das soll aus einer heimlichen Tonaufnahme hervorgehen, über die unter anderem der britische "Guardian" berichtet.

"Sie müssen jetzt damit rechnen, dass es einen Zusammenbruch (Original: meltdown) geben könnte, okay? Ich will nicht, dass irgendjemand deswegen in Panik ausbricht. Zum Wohle der Öffentlichkeit, keine verdammte Panik. Am Ende wird alles gut werden", sagte er demnach.

Weiter wird er zitiert mit den Worten, die Brexit-Verhandlungen würden einen "Moment der Wahrheit" erreichen. Der Schritt werde vollzogen und könne auch nicht mehr rückgängig gemacht werden - aber es gebe das Risiko, dass es nicht so laufe, wie man es sich wünsche. Die britische Premierministerin Theresa May werde nun einen noch konfrontativeren Kurs gegen Brüssel fahren.

Die Briten sollen im März 2019 die EU verlassen. Wegen der zahlreichen Unklarheiten gewährt die EU dem Königreich aber eine Übergangsperiode bis Ende 2020. In der Zeit muss London sich an EU-Regeln halten, bewahrt sich dafür aber den Zugang zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion. Bei der Brexit-Abstimmung hatten seinerzeit 52 Prozent der Briten für einen EU-Ausstieg gestimmt, 48 Prozent dagegen.

Johnson sagte bei dem Treffen weiter, er bewundere US-Präsident Donald Trump zunehmend. Er sei "überzeugt, dass hinter seiner Verrücktheit Methode steckt", sagte er laut der Tonaufnahme. "Stellen Sie sich vor, Trump würde den Brexit machen. Er wäre verdammt hart... Es gäbe alle möglichen Formen des Zusammenbruchs und des Chaos. Alle würden denken, er sei durchgedreht. Aber tatsächlich kommst du damit irgendwohin. Es ist ein sehr, sehr guter Gedanke."

vks

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CriticalPost 08.06.2018
1. Realitätsverlust amerikanischen Ausmaßes
Wenn "Theresa May werde nun einen noch konfrontativeren Kurs gegen Brüssel fahren" das stimmt , ist den Briten nicht zu helfen. Mit Deals die vielleicht nicht zum Vorteil Europas gewesen wären, aber jeder sein Gesicht hätte wahren können, kann es funktionieren. Aber bei offener Konfrontation kann die EU nur Härte zeigen. Die Briten haben immer noch nicht verstanden, das es für die EU um ihre Existenz geht und wer hier die Bittsteller sind.
maphry 08.06.2018
2. Wann beginnen die Spekulanten?
Als UK dem Euro beitreten sollte wurde dies mit Spekulationen und Wetten gegen das Pfund verhindert. Es ist nur eine Frage der Zeit, wenn die Spekulationen um ein Scheitern des UK beginnen an den Börsen dieser Welt. Im März 2019 kann es also erhebliche Turbulenzen geben, wenn sich genug Marktmacht aufbaut.
Sandlöscher 08.06.2018
3. Wirr
Mein Mitleid für die Briten. Das ist eine Regierung, die niemand mehr für voll nehmen kann. Es kristallisiert sich immer mehr heraus, dass die Wähler belogen und betrogen wurden. Besonders Boris Johnson fällt immer wieder durch Blackouts und wirre Reden auf. Kein Wunder das er Trump bewundert. Eine gemeinsame Pressekonferenz der beiden wäre wohl eine exzellente Vorstellung geballter Inkompetenz. Das Brexit-Votum hingegen muss man als Demokrat respektieren und GB hätte mit einem wirklich durchdachtem Konzept ein Meisterstück der Diplomatie abliefern können. Mit dieser Regierung wird das wohl eher eine britische Tragödie. My deepest regret to the Island.
afxtwin 08.06.2018
4. So denken diejenigen, die es nicht ausbaden müssen.
Die Konsequenzen eines "meltdown" wird die Bevölkerung zu spüren kriegen. Einen Donald Trump für seine Lügen und Rücksichtslosigkeit den Menschen gegenüber zu bewundern zeugt von der nicht vorhandenen Empathie denen gegenüber, die diese Ignoranten überhaupt erst ins Amt befördert haben – bewusst vollgepumpt mit Fehlinformationen und falschen Versprechungen.
Wal-Ire 08.06.2018
5. Das wird schon!
Schließlich sind die Briten das von Gott gesandte Führungsvolk der Welt. Das Königreich ist so wichtig, daß alle sich die Klinke in die Hand geben, nur um mit den Briten Handel zu treiben. Jedenfalls sagt daß die Mail, der Telegraph und der Rest der Presse (mit Ausnahme des Guardians). Warum sollen die Briten da was anderes glauben?
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