Abstimmung in Großbritannien Klarer Wahlsieg für Cameron, Debakel für Miliband

David Cameron hat beste Aussichten, Großbritannien weiter zu regieren. Seine Tories haben bei den Unterhauswahlen überraschend stark abgeschnitten. Für Labour-Chef Ed Miliband ist das Ergebnis ein Desaster.


Es ist ein Triumph für David Cameron: Statt des vorhergesagten Kopf-an-Kopf-Rennens zwischen Konservativen und Labour liegt seine Partei bei den Unterhauswahlen klar vorn - die absolute Mehrheit ist zum Greifen nah. Nach aktuellen Prognosen des Senders BBC werden die Tories 329 Sitze erzielen.

Die Wahlverlierer wollten es nicht wahrhaben: "Die Exit Polls können nicht stimmen", sagten Politiker von Labour und Liberaldemokraten, als die Wählerbefragungen am Donnerstagabend um 22 Uhr Ortszeit über die Bildschirme liefen. Denn statt des erwarteten Kopf-an-Kopf-Rennens sollte nun der amtierende Premier David Cameron deutlich vorn liegen. Laut der Nachwahlbefragung prognostizierten die Demoskopen einen klaren Vorsprung für die Konservativen.

Aus Sicht von Labour-Chef Ed Miliband, der Cameron in der Downing Street beerben wollte, sind die Resultate ein Desaster. Sein Ziel, stärkste Kraft im Parlament zu werden, verfehlt Miliband deutlich.

Milibands Wahlkampfmanager verliert Sitz an eine 20-Jährige

Das liegt vor allem an den Ergebnissen aus Schottland. Hier hat Labour schon jetzt mehr als 30 Mandate verloren - und noch sind gar nicht alle schottischen Wahlkreise ausgezählt. Besonders bitter: Milibands Wahlkampfmanager Douglas Alexander verlor seinen Parlamentssitz an eine 20-jährige Studentin von der Schottischen Nationalpartei (SNP).

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Sieg für die Tories: Das war die Wahlnacht

Die Exit Polls sagen Labour am Ende 239 Sitze voraus. Es wäre für die Partei das schlechteste Ergebnis seit 1987, damals kamen die Sozialisten auf 229 Mandate. Schon in der Nacht forderten seine Parteikollegen Miliband zum Rücktritt auf.

Die SNP ist der große Gewinner dieser Wahl. Aller Voraussicht nach werden die Nationalisten 58 von 59 Wahlkreisen in Schottland gewinnen. Nur auf Orkney und den Shetlandinseln hat ein Politiker der Liberaldemokraten seinen schottischen Wahlkreis verteidigen können.

Liberaldemokraten erleben schwarzen Wahltag

Ansonsten haben die Liberaldemokraten, die derzeit eine Koalitionsregierung mit den Konservativen bilden, einen schwarzen Wahltag erlebt. Nach Stand der Dinge werden sie gegenüber 2010 47 Mandate verlieren und nur noch mit zehn Abgeordneten vertreten sein.

Nick Cleggs Partei verlor zahlreiche Wahlkreise an die Tories. Camerons Partei kann voraussichtlich gegenüber 2010 neun Mandate hinzugewinnen. In ihren Hochburgen konnten sie ihren Vorsprung auf Labour ausbauen. Neu im Parlament ist auch der Konservative Boris Johnson vertreten. Londons Bürgermeister werden Ambitionen auf die Nachfolge von Cameron nachgesagt.

Die rechtspopulistische Ukip schnitt schlechter ab, als es Parteichef Nigel Farage erhofft hatte. Maximal zwei Mandate holen die Europagegner laut Exit Polls. Ob Farage seinen Wahlkreis gewinnt, soll erst gegen 9 Uhr feststehen. Er hatte angekündigt von seinem Parteiposten zurückzutreten, sollte er bei der Unterhauswahl scheitern.

Übersicht: Ergebnisse im Detail

So wählen die Briten

kry/syd/AP/Reuters

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insgesamt 59 Beiträge
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Seite 1
cosmo9999 08.05.2015
1. vielleicht
haben die Briten Cameron gewählt, da sie ja dann 2017 ihr EU Referendum abhalten können.
joG 08.05.2015
2. Es scheint mir sehr spannend....
....mit wem Cameron koalieren wird.
Scheidungskind 08.05.2015
3. ...
Die Liberaldemokraten sind das Zünglein an der Waage und ihnen dürfte der Änderungsbedarf an der eigenen Strategie klar vor Augen geführt worden sein. Cameron ist noch nicht durch.
pausenfueller 08.05.2015
4. Exit-Polls vs. Stand der Auszählung
Hmm, Stand 7:05 Cons: 181 Sitze, Labour 177. Zählen die da immer erst die Sitze der "Labour-Wahlkreise", und dann die der Conservatives?
homersimpson75 08.05.2015
5. Den letzten Absatz können Sie streichen.
Wenn die Konservativen tatsächlich 325 Sitze holen und die Liberalen 10, dürfte die Regierungsbildung kein Problem sein.
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