Flüchtlinge Cameron will 20.000 Syrer nach Großbritannien holen

Bisher haben sich die Briten bei der Aufnahme von Flüchtlingen sehr zurückgehalten. Nun verkündet Premier Cameron: Sein Land wird 20.000 Menschen aus Syrien einreisen lassen - allerdings verteilt über fünf Jahre.

Syrischer Flüchtling (in Griechenland): Schon bald auch Asyl in Großbritannien
REUTERS

Syrischer Flüchtling (in Griechenland): Schon bald auch Asyl in Großbritannien


216 - so viele Menschen sind in diesem Jahr aus Syrien nach Großbritannien geflüchtet. Im Vergleich mit den Hunderttausenden, die das Bürgerkriegsland verlassen mussten, eine extrem geringe Zahl. Das liegt nicht daran, dass die Syrer nicht einreisen wollten - sondern vor allem an der ablehnenden Haltung der Regierung von Premier David Cameron. Dieser hatte bisher auf Abschreckung und Abschottung gesetzt.

Nun hat der konservative Politiker, auch unter dem Druck der europäischen Nachbarländer, seinen Kurs geändert. Cameron kündigte am Montag die Aufnahme von 20.000 syrischen Flüchtlingen an. Diese Zahl soll allerdings über die kommenden fünf Jahre gestreckt werden. Die Flüchtlinge sollten aus Camps in der Nähe der Grenze zu Syrien kommen, sagte Cameron vor dem Unterhaus in London.

Die "Sunday Times" hatte bereits Ende der vergangenen Woche berichtet, Cameron wolle ein Programm seiner Regierung zur Aufnahme von Flüchtlingen ausweiten. Das scheint dringend nötig: Insgesamt erhielten seit dem Beginn des Bürgerkriegs im Jahr 2011 nur rund 5000 Syrer in Großbritannien Asyl. Die Flüchtlinge erhalten ein Visum für fünf Jahre.

Großbritannien ist nicht Teil der Schengenzone ohne Grenzkontrollen und beteiligt sich nicht an einem Programm zur Verteilung von Flüchtlingen in Europa.

"Moralische Verpflichtung" für die Briten

Cameron hatte am Donnerstag eine "Überprüfung" der Aufnahmezahlen zugesagt und erklärt, sein Land werde seiner "moralischen Pflicht" nachkommen. Er reagierte damit auf die Erschütterung, die die Fotos des dreijährigen syrischen Jungen Alan ausgelöst hatten, der tot an einen türkischen Strand gespült worden war.

Am Freitag kündigte Cameron dann an, dass Großbritannien "Tausende" Syrer aufnehmen werde. Genaue Zahlen nannte er zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker will am Mittwoch offiziell seinen Plan für verbindliche Quoten zur Flüchtlingsaufnahme in der EU vorstellen. Mit der geplanten Aufteilung von weiteren 120.000 Flüchtlingen in den kommenden zwei Jahren will die EU-Kommission vor allem Griechenland, Italien und Ungarn entlasten - die drei Länder, über die die meisten Flüchtlinge erstmals in die EU kommen. Diese Zahl kommt zu den 40.000 Flüchtlingen hinzu, deren Aufteilung bereits im Mai angekündigt worden war.

jok/dpa

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