Stimmung in Großbritannien kippt 112 Brexit-Wahlkreise wollen jetzt doch lieber in der EU bleiben

Brexit - nein, danke: Immer mehr Wahlkreise wünschen sich einer neuen Analyse zufolge einen Verbleib in der Europäischen Union. Darunter sogar der von Ex-Außenminister Boris Johnson.

Demonstrant in London
REUTERS

Demonstrant in London


Die Brexit-Verhandlungen laufen schleppend. Großbritannien stellt sich mittlerweile darauf ein, ohne Vereinbarungen aus der Europäischen Union auszuscheiden - mit verheerenden wirtschaftlichen Folgen. Nun hat die britische Sonntagszeitung "Observer" eine Analyse veröffentlicht, wonach 112 Wahlkreise, die einst für den Austritt des Königreichs votierten, nun doch lieber in der EU bleiben wollen.

Der Analyse zufolge ist vor allem in Nordengland und in Wales eine No-Brexit-Stimmung zu beobachten. Diese Regionen sind traditionelle Labour-Hochburgen. Durch den Meinungswandel seien von insgesamt 632 Wahlkreisen 341 für einen Verbleib in der EU. Bei der Abstimmung im Juni 2016 waren es 229 gewesen.

Wahlkreis von Johnson nun gegen Brexit

In Schottland haben demnach die Wähler in einem Wahlkreis ihre Meinung geändert, in England 97 und in Wales 14. Vor diesem Hintergrund kommen die Analysten zu dem Schluss, dass nun 53 Prozent aller stimmberechtigen Wähler gegen einen Brexit seien. Deutlich werde auch, dass junge Wähler und solche mit Migrationshintergrund für einen Verbleib in der EU seien.

Unter den Wahlkreisen, die sich umentschieden haben, ist auch der Boris Johnson, Ex-Außenminister und umstrittener Brexit-Befürworter. In Uxbridge und South Ruislip sind nun 51,4 Prozent der Wähler für einen Verbleib in der EU, zum Abstimmungszeitpunkt waren es nur 43,6 Prozent gewesen.

Treffen zwischen May und Macron

Die Frist für eine Einigung zwischen der EU und Großbritannien über den Austritt läuft im März 2019 aus, dann muss Großbritannien die Union verlassen, ob mit oder ohne Anschluss-Deal.

Derzeit reisen viele britische Regierungsmitglieder in EU-Staaten, um bilaterale Gespräche zu führen. Ein Arbeitsbesuch der Premierministerin Theresa May bei Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron Anfang August werteten Kommentatoren als Hilfeschrei Mays.

May regiert nur mit hauchdünner Mehrheit und ist anfällig für Revolten. Der Streit um den Brexit-Kurs in ihrer Regierung bremste auch die Verhandlungen mit Brüssel erheblich. Nach Mays jüngsten Plänen soll Großbritannien in Zukunft eine Freihandelszone mit der EU für Waren, aber nicht für Dienstleistungen bilden.

dop/dpa

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insgesamt 141 Beiträge
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kuac 12.08.2018
1. Brexit-Spuk
Zünglein an der Waage ist Frau May, die ehemalige Brexitgegnerin. Wie kann man/Frau übernacht eigene Überzeugung über Bord werfen und etwas durchsetzen wollen, wovon man/Frau eigentlich gar nicht überzeugt ist? Lass doch die Lügner Farrage und Johnson machen. Dann wird der Brexit-Spuk schnell vorbei sein.
pirx64 12.08.2018
2. too little, too late
einfach abblasen? Und wer zahlt die bisher aufgelaufenen Kosten? Mir wäre es auch lieber, aber Hochmut kommt vor dem Fall, also löffelt schön mal die Suppe aus. Und das nächste mal: Erst denken, dann ...
haresu 12.08.2018
3. Reicht nicht
Da müsste das halbe Land auf die Straße gehen. Mindestens! Eine parlamentarische Repräsentanz der längst wieder vorhandenen Mehrheit für einen Verbleib gibt es ja nicht. Die gesamte politische Klasse ist längst Geisel des eigenen vorhergegangenen Populismus, niemand kann und will sich bewegen und da dies sowohl für die Tories als auch für Labour gilt wird sich auch niemand bewegen.
muekno 12.08.2018
4. Wäre das Beste
den ganzen Brexit Müll in die Themse kippen. Denn aus einem auch nur halbwegs geordneten Brexit wird eh nichts und dann versinkt GB im Chaos, der Rest EU wird es etwas weh tun, aber es ist verkraftbar.
rainer82 12.08.2018
5. Wer will auch sehenden Auges in die Katastrophe wandern?
Bei den Wählern, die jetzt immer noch für den Brexit sind, dürfte eine merwürdig-absurde Form von Trotz und Stolz im Spiel sein. Denn mit Vernunft kann das nichts mehr zu tun haben, sind doch inzwischen alle jene Menschen desillusioniert, die einst den verlogenen Rattenfängern der Pro-Brexit-Propagandisten auf den Leim gegangen sind.
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