Nachzahlung an EU Briten empört über Milliardenrechnung aus Brüssel

Die britische Regierung will sich gegen Milliarden-Forderungen aus Brüssel wehren. London soll wegen guten Wachstums nachzahlen. Premier Cameron traf sich umgehend mit seinem niederländischen Kollegen Rutte, der auch zahlen soll.

Cameron (li.) und Rutte: Gespräch in der Nacht
AP

Cameron (li.) und Rutte: Gespräch in der Nacht


Brüssel/London - Die Nachrichten aus Brüssel haben am Freitag für Empörung in London gesorgt. Großbritannien muss Medienberichten zufolge 2,1 Milliarden Euro an die EU nachzahlen. "Es ist nicht hinnehmbar, einfach die Abgaben für frühere Jahre zu ändern und sie von jetzt auf nachher einzufordern", zitierte die Nachrichtenagentur PA daraufhin Regierungskreise.

London werde sich gegen die Rechnung aus Brüssel wehren. Sie sei höher als erwartet, weil die britische Wirtschaft schneller gewachsen sei als vorhergesagt.

Premierminister David Cameron traf sich der "Times" zufolge noch in der Nacht zum Freitag in Brüssel mit seinem niederländischen Amtskollegen Mark Rutte. Die Niederlande sollen nämlich ebenfalls Geld an Brüssel nachzahlen. Beide nahmen dort am EU-Gipfel teil.

Berlin bekommt Geld zurück

"Der Zeitpunkt ist nicht ideal", sagte ein Sprecher der EU. "Aber es gibt Regeln, die wir befolgen müssen." Deutschland und Frankreich sollen dieses Jahr Geld zurückbekommen.

Die Milliardenrechnung soll Großbritannien bis zum 1. Dezember begleichen. Die britische Wirtschaft sei seit 1995 stärker gewachsen als erwartet, deshalb gebe es eine große Diskrepanz zwischen der Summe, die das Land basierend auf dem Bruttonationaleinkommen eigentlich zahlen müsste, und der tatsächlichen Zahlung. Das berichten die "Financial Times" und der "Guardian" unter Berufung auf Vertreter der EU-Kommission.

"Die Europäische Kommission hat dieses Geld nicht erwartet und braucht es nicht. Und wir werden alles dafür tun, um gemeinsam mit anderen betroffenen Ländern dagegen vorzugehen", sagte ein Vertreter Großbritanniens der Nachrichtenagentur Reuters.

Für Cameron kommt die Zahlungsaufforderung zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach Brüssel war er mit dem festen Vorsatz gereist, alle Haushaltsnachforderungen des Europäischen Parlaments abzulehnen. Den Unterhauswahlkampf hatte er mit scharfer Anti-EU-Rhetorik gestartet, um die Ukip-Sympathisanten in der eigenen Partei an Bord zu halten.

ler/dpa/Reuters

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insgesamt 36 Beiträge
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Seite 1
basiliusvonstreithofen 24.10.2014
1. Es wird belohnt....
...wer kein Wachstum produziert. Dann bekommt er "EU-Stütze". Das gilt im Föderalismus in D genauso. Und im Kleinen auch: Wer nichts hat, bekommt "Stütze" vom Staat. Irgendwann wird es aber keinen mehr geben, der sich nicht unterstützen lässt.
ekel-alfred 24.10.2014
2. Money, Money must be funny
Die Eu ist nur gut, wenn man Vorteile und Geld daraus ziehen kann. Das es aber dafür auch Einzahlungen geben muss, sollte man Herrn Cameron mal erklären. Money fällt nun mal nicht vom Himmel.
spon-1280943165745 24.10.2014
3.
Meine Situation ist ähnlich. Obwohl das Finanzamt auf meine Steuernachzahlung nicht angewiesen ist und auch keine Nachzahlung erwartet hat, hat man mir eine Steuerbescheid geschickt. Da der Zeitpunkt nicht ideal ist werde ich gegen diese Zahlung angehen. Das sind doch Argumente die keiner ernst nimmt. Im Endeffekt wird es so sein das man über die Nachzahlung verhandelt und evtl. stundet und einen Teil erläßt gegen ein ja für den Haushalt und um Cameron an der "Heimatfront" den Rücken zu stärken. Um das zu finanzieren könnte es dann erforderlich sein das Frankreich und Deutschland dann etwas weniger erhalten. Während Deutschland dann real auf die Zahlung verzichtet wird man Frankreich die Zahlung als Teil eines Konkunkturprogramms erlassen.
tobiash 24.10.2014
4. Nicht hinnehmbar!
Warum ändert man diese Zahlen im Nachhinein einfach ab? Es kann ja wohl nicht sein, dass die Briten und Holland eine solch hohe Summe nachzahlen müssen, nur weil sie allzu konservative Angaben gemacht haben. Kein Wunder, dass es gerade aus GB immer wieder Austrittsforderungen gibt. Man sollte den Briten den Arsch voll Geld blasen du ihnen anständig die Füße küssen. Es reicht doch völlig, wenn Schland die Zeche zahlt und vom übrig gebliebenen Geld die PIIGS vorfinanziert. Seltsame Blüten, die die EU da treibt!
rudig 24.10.2014
5. nein,
Zitat von ekel-alfredDie Eu ist nur gut, wenn man Vorteile und Geld daraus ziehen kann. Das es aber dafür auch Einzahlungen geben muss, sollte man Herrn Cameron mal erklären. Money fällt nun mal nicht vom Himmel.
Sie brauchen ihm das nicht zu erklären, weil er Nettozahler ist. Das er jetzt allerdings nachträglich mehr bezahlen soll, weil die Wirtschaft besser läuft als geplant, finde ich auch grenzwertig.
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