Großbritannien Ex-Diplomaten verdammen Blairs Außenpolitik

Botschafter gelten als zurückhaltend und loyal - eben als diplomatisch. Doch nun haben mehrere dutzend britischer Ex-Spitzenbeamten ihren Premier auf beispiellose Weise kritisiert. Tony Blair solle endlich US-Präsident Bush unter Druck setzen, denn dessen Irak- und Nahostpolitik sei "zum Scheitern verdammt".


Premier Blair: Harsche Kritik an seiner Außenpolitik
AP

Premier Blair: Harsche Kritik an seiner Außenpolitik

London - In dem heute verschickten Brief forderten sie Blair auf, entweder seinen Einfluss auf US-Präsident George W. Bush geltend zu machen - oder ihm die Unterstützung zu entziehen.

Die 52 britischen Ex-Diplomaten - darunter ehemalige Botschafter in Israel und dem Irak - schrieben, sie sähen die Politik der Alliierten im Nahen Osten und im Irak mit tiefer Sorge. "Wir halten die Zeit für gekommen, unsere Ängste öffentlich zu machen, in der Hoffnung, dass sie an das Parlament weitergegeben werden und zu einer grundlegenden Bereinigung führen", hieß es in dem Brief, der der Nachrichtenagentur Reuters vorliegt.

Die Ex-Diplomaten forderten Blair auf, seinen "Einfluss als loyaler Verbündeter" zu nutzen. "Falls dies nicht akzeptiert wird oder unwillkommen ist, gibt es keinen Grund, eine Politik zu unterstützen, die zum Scheitern verdammt ist", hieß es in dem Brief.

Blair ist im Irak-Konflikt der engste Verbündete Bushs. Innenpolitisch geriet er wegen seiner Irak-Politik zunehmend unter Druck, da die meisten Briten gegen den Krieg waren. "Niemals war die Politik einer Regierung so umstritten", sagte der Koordinator des Diplomaten-Briefes, Oliver Miles, ein ehemaliger Botschafter Großbritanniens in Griechenland. "Unser Ziel ist es nicht, Blair politisch zu schaden, sondern die Hand derjenigen zu stärken, die so denken wie wir."

Die Ex-Diplomaten kritisierten, dass es offenbar keinen Plan für die Nachkriegszeit nach dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein im Irak gegeben habe. "Es gab keinen Plan für die Zeit nach Saddam." Den Widerstand als von Terroristen, Fanatikern und Ausländern geführt zu beschreiben, ist weder überzeugend noch hilfreich." Den USA warfen die Ex-Diplomaten vor, die Erwartungen in den Bemühungen um eine Friedenslösung im Nahost-Konflikt nicht erfüllt zu haben. Die Hoffnungen auf eine Führungsrolle der USA zur Umsetzung des internationalen Friedensplans seien unbegründet gewesen.

Ein Sprecher Blairs war zu einer Stellungnahme nicht zu erreichen.

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