Nach Störfällen in Gatwick Britische Flughäfen setzen Drohnenabwehr-Technologie ein

Tausende Flüge fielen am Flughafen Gatwick aus, weil Drohnen über dem Airport den Flugverkehr gefährdeten. Jetzt investieren die großen britischen Airports Millionen in die Abwehr der Miniflieger.

Drohne und Passagierjet (Archivfoto)
DPA

Drohne und Passagierjet (Archivfoto)


Nach den jüngsten Zwischenfällen mit Drohnen im britischen Luftverkehr haben die Londoner Flughäfen Heathrow und Gatwick militärische Drohnenabwehr-Technologie im Wert von mehreren Millionen Pfund gekauft. Die neue Ausrüstung sei bereits seit über einer Woche in Betrieb, teilte der Flughafen Gatwick am Donnerstagabend mit. "Mit dieser Investition über mehrere Millionen Pfund stellen wir sicher, dass wir auf dem gleichen Level wie das Militär ausgerüstet sind", sagte eine Sprecherin ohne Details zu nennen. Auch Heathrow hat die Technologie bestellt. Man arbeite im Kampf gegen die Drohnen eng mit den Behörden und der Polizei zusammen, teilte Europas größter Flughafen mit.

Drohnen hatten den Flugverkehr am Airport Gatwick vor Weihnachten für mehrere Tage lahmgelegt. Rund 1000 Flüge fielen aus, rund 140.000 Passagiere waren betroffen. Zwei Personen wurden festgenommen, wenig später aber wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Auch wenn die weitreichenden Vorsichtsmaßnahmen auf Reisende übertrieben gewirkt haben mochten: Sie waren berechtigt. Ein Zusammenstoß zwischen einer Drohne und einem Flugzeug ist gefährlich. Schon ein Vogel kann im schlimmsten Fall eine Cockpitscheibe durchbrechen. (Eine ausführliche Darstellung der Gefahrenfinden Sie hier.)

Helikopter auf Drohnenjagd über Gatwick (Archivfoto)
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Helikopter auf Drohnenjagd über Gatwick (Archivfoto)

Immer wieder kommt es wegen Kollisionen zwischen Flugzeugen und Vögeln zu Notlandungen - und Drohnen sind deutlich schwerer und potenziell gefährlicher. "Drohnen sind - simplifiziert - Vögel aus Metall, daher werden sie auch mindestens so ernst genommen", teilte die Deutsche Flugsicherung auf Anfrage mit. Noch größer ist das Risiko für Hubschrauber, weil ihre Rotoren nahezu ungeschützt sind und sie deutlich niedriger fliegen als Linienflugzeuge.

Ein weiteres Problem: Drohnen sind auf dem Radar nicht zu erkennen, weil sie zu klein oder nicht mit der notwendigen Technik ausgestattet sind, etwa mit einem Transponder. Die Piloten werden von den Fluggeräten deshalb überrascht und können nur schwer ausweichen.

Aber was tun, wenn die kleinen Flieger aufsteigen? Als wiederholt Drohnen über Gatwick gesichtet wurden, wurden auch Scharfschützen postiert und Hubschrauber in Bereitschaft gehalten. Aber ein Abschuss der Drohnen war nur als taktische Option in Erwägung gezogen worden. Die Gefahr durch fehlgeleitete Geschosse sei zu groß, hatte Verkehrsminister Grayling damals gesagt. "Man kann nicht einfach aufs Geratewohl Waffen in einem bebauten Gebiet um den Flughafen abfeuern."

Wo der Abschuss vom Boden aus nicht möglich ist, bleiben drei Optionen:

  • das Neutralisieren per Störsender: Das "Guardion"-System der deutschen Firmen ESG, Diehl Defence und Rohde & Schwarz beispielsweise kam bereits 2015 beim G7-Gipfel in Elmau, beim Staatsbesuch von US-Präsident Barack Obama im Juni 2016 in Berlin, im Jahr darauf beim G20-Gipfel in Hamburg und in diesem Jahr bei der Luftfahrtausstellung ILA in Berlin zum Einsatz. Es soll das Fernsteuerungssignal oder aber den GPS-Empfang von Drohnen stören oder sie notfalls mit starker elektromagnetischer Strahlung grillen.
  • die Bekämpfung mithilfe von Netzen oder Jagddrohnen. Das "Skywall"-System der britischen Firma Openworks Engineering holt Drohnen mit stumpfer Gewalt vom Himmel. "Skywall", eine Art Luftgewehr von den Abmessungen einer Panzerfaust, schießt mithilfe von Pressluft einen Behälter ab, der sich im Flug zerteilt und ein Netz auswirft, in dem sich die Drohne verfängt. Der Drohnenhersteller Theiss schickt die Netzkanone gleich selbst in die Luft - an Bord eines Multikopters, der damit quasi zur Anti-Drohnen-Drohne wird.
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    9  Bilder
    Miniflieger: Wie man Drohnen abwehren kann

  • Die wohl spektakulärste Variante der Drohnenjagd in der Luft ist der Einsatz von Raubvögeln, wie er in Arabien oder auch in den Niederlanden bereits versucht wird.
  • Auf welche Technik die britischen Airports vertrauen, ist noch nicht bekannt. In Gatwick deutete man immerhin an, es handele sich um eine Kombination von Radar und einer Art Störsender, der die Kommunikation der Drohne mit ihrem Piloten stört.

    oka/Reuters

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