London - Nach einem jahrelangen Rechtsstreit liefert Großbritannien den radikalen Imam Abu Hamza an die USA aus. Kurz nachdem die Richter des High Court in London in letzter Instanz eine Klage des Hasspredigers zurückgewiesen hatten, wurden Hamza und vier Mitangeklagte aus dem Long Lartin Gefängnis südlich von Birmingham fortgebracht.
Die Männer wurden in der Nacht von Freitag auf Samstag auf der Militärbasis Mildenhall in Suffolk an US-Marshalls übergeben. Auf der Luftwaffenbasis in Ost-England standen bereits zwei US-Jets bereit - laut BBC auch eine Maschine des US-Justizministeriums. Kurz vor Mitternacht starteten die Maschinen Richtung USA, teilte Scotland Yard mit.
Ein britisches Gericht hatte früher am Freitag allerletzte Anträge der fünf Häftlinge, nicht ausgewiesen zu werden, abgelehnt. Es gebe keine weitere Begründung für Verzögerungen. "Daraus folgt, dass ihre Auslieferung an die Vereinigten Staaten von Amerika sofort durchgeführt wird," sagte ein Richter. Das US-Justizministerium begrüßte den Richterspruch: "Wir sind glücklich, dass der Auslieferungsprozess zu seinem Abschluss kommt", sagte ein Sprecher.
Die USA werfen Hamza vor, im Jahr 1998 an einer Geiselnahme im Jemen beteiligt gewesen zu sein. Außerdem werden ihm die Einrichtung eines Terrorcamps im US-Bundesstaat Oregon in den Jahren 1999 und 2000 sowie die Unterstützung terroristischer Anschläge in Afghanistan in den Jahren 1999 bis 2001 zur Last gelegt. Insgesamt liegen in den USA elf Anklagen gegen Hamza vor. Bei einer Verurteilung muss er mit lebenslanger Haft rechnen.
Der Imam wurde in Ägypten geboren und zog Ende der siebziger Jahren nach Großbritannien. Der einäugige Imam, bei dem ein Haken die rechte Hand ersetzt, predigte oft in der Moschee von Finsbury Park im Norden von London. Seine Verletzungen hatte er sich zugezogen, als er in Afghanistan im so genannten Dschihad gegen die sowjetischen Besatzer kämpfte.
In Großbritannien wurde er 2004 verhaftet, nachdem die USA wegen der mutmaßlichen Errichtung des Terrorcamps einen Auslieferungsantrag gegen ihn gestellt hatten. Noch im selben Jahr wurde er allerdings vor einem britischen Gericht wegen Aufrufs zu Rassenhass und Mordanschlägen angeklagt. Im Februar 2006 wurde er zu sieben Jahren Haft verurteilt.
Ende September hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte bereits eine Klage von Hamza zurückgewiesen, mit der er sich gegen seine Abschiebung in die USA wehren wollte.
heb/bos/AFP/AP
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