Großbritannien Spitzel zeugten Kinder mit Bespitzelten

Neuer Skandal um britische Undercover-Cops: Der "Guardian" enthüllt, dass zwei britische Polizisten im Einsatz unter Tarnidentität Kinder mit von ihnen überwachten Aktivistinnen zeugten. Nach Einsatzende tauchten sie ab.

Brandanschlag in Oxford (2005): Britische Fahnder spähten militante Tierschützer aus
AP

Brandanschlag in Oxford (2005): Britische Fahnder spähten militante Tierschützer aus


Diese Enthüllung dürfte die Debatte über britische Spezialeinheiten verschärfen, die seit Jahrzehnten Umwelt- und Tierrechtsaktivisten verdeckt ausspähen: Der "Guardian" berichtet über zwei Fälle, in denen eingeschleuste Ermittler Kinder mit Aktivistinnen zeugten.

Ein Fall soll erst wenige Jahre zurückliegen. Der Ermittler soll unter Tarnidentität in eine Gruppe politischer Aktivisten eingeschleust worden sein. Laut "Guardian" ging er eine Beziehung mit einer der von ihm ausgespähten Frauen ein, sie wurde schwanger.

Polizist liest in Überwachungsprotokollen über sein Kind

Nachdem das Kind zur Welt kam, sollen die Vorgesetzten den verdeckten Ermittler abgezogen haben. Der Ermittler sei ohne eine Erklärung abgetaucht, berichtet der "Guardian". Die Mutter des Kindes sei weiter überwacht worden, der Polizist habe die Berichte regelmäßig gelesen, um sich über das Leben seines Kindes und das seiner ehemaligen Freundin zu informieren.

Der zweite Fall, den der "Guardian" enthüllt, ereignete sich in den achtziger Jahren. Ein Ermittler, der damals unter dem Tarnnamen Bob Robinson Aktivisten der "Animal Liberation Front" ausspähte, begann mit einer der Aktivistinnen eine Beziehung, sie zeugten ein Kind.

Die Beziehung hielt nach der Geburt des Kindes nicht lange, die Mutter heiratete nach zwei Jahren einen anderen Mann. Der Polizist teilt dem "Guardian" mit, er sei mit der Mutter damals übereingekommen, dass er keinen Kontakt zu dem Kind hält. Er habe seitdem nichts von der Mutter und dem Kind gehört.

Acht Frauen klagen gegen britische Behörden

In den achtziger Jahren wurden in Großbritannien militante ALF-Aktivisten wegen Planung von Brandanschlägen zu Haftstrafen verurteilt. Mutmaßliche ALF-Aktivisten setzten auch Gewalt gegen Menschen ein. Ein britischer Fernsehjournalist wurde nach 1999 nach einem kritischen Bericht über die ALF entführt, die Täter brannten ihm die Buchstaben ALF auf den Rücken und drohten ihm, er werde ermordet, sollte er den Vorfall der Polizei melden.

Die Methoden britischer Fahnder gegen ALF-Aktivisten und andere Gruppen aus der Umweltschutz- und Tierrechtsbewegung sind derzeit Gegenstand interner Untersuchungen bei britischen Polizeibehörden. Im Dezember berichtete der "Guardian", dass acht Frauen Klagen gegen Behörden vorbereiten. Ihr Vorwurf: Ermittler führten mit ihnen unter Tarnidentitäten Beziehungen, zum Teil über neun Jahre hinweg, um an Informationen zu gelangen.

Verdeckte britische Fahnder spionierten in Deutschland

Ein Fall betrifft auch Deutschland: Ende 2010 wurde der Scotland-Yard-Fahnder Mark Kennedy enttarnt. Von 2002 bis 2009 war er als verdeckter Ermittler in der militanten Umweltschützerszene aktiv, zunächst in Großbritannien, danach in ganz Europa, auch in Deutschland. Kennedy arbeitete für die geheimniskrämerische National Public Order Intelligence Unit (NPOIU), eine von mehreren Anti-Terror-Einheiten, die der Association of Chief Police Officers (Acpo) unterstehen. Die Acpo ist keine Behörde, sondern eine private Firma hochrangiger Polizeibeamter, an die Scotland Yard heikle Aufträge auslagert, von denen die Öffentlichkeit nichts erfahren soll.

Da die 1997 gegründete Organisation privat ist, unterliegt sie nicht dem Informationsfreiheitsgesetz und ist der Öffentlichkeit nicht im gleichen Maße Rechenschaft schuldig wie die Polizei.

lis

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 20 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Herb_G 21.01.2012
1. Prophet Orwell
Zitat von sysopNeuer Skandal um britische Undercover-Cops: Der "Guardian" enthüllt, dass zwei britische Polizisten im Einsatz unter Tarnidentität Kinder mit von ihnen überwachten Aktivistinnen zeugten. Nach Einsatzende tauchten sie ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810523,00.html
Das ist aber praktisch. Dinge die die Exekutive nicht darf vergibt Sie privat, denn Die dürfen - oder müssen zumindest nicht drüber reden und können deswegen einfach machen, denn die Behörde die sowas normal verhindern sollte ist ja Auftraggeber. Da werden die deutschen Behörden nicht lange tatenlos zusehen, dass fehlt dem Maßnahmenportfolio. "1984" ist schon so offensichtlich im Gange, dass ich froh bin, als alter Sack nicht mehr davon betroffen sein zu werden, weil ich schlichtweg keinen mehr interessiere.
frozen 21.01.2012
2.
Zitat von Herb_GDas ist aber praktisch. Dinge die die Exekutive nicht darf vergibt Sie privat, denn Die dürfen - oder müssen zumindest nicht drüber reden und können deswegen einfach machen, denn die Behörde die sowas normal verhindern sollte ist ja Auftraggeber. Da werden die deutschen Behörden nicht lange tatenlos zusehen, dass fehlt dem Maßnahmenportfolio. "1984" ist schon so offensichtlich im Gange, dass ich froh bin, als alter Sack nicht mehr davon betroffen sein zu werden, weil ich schlichtweg keinen mehr interessiere.
Stimmt. Ich weiß nur noch nicht, ob ich schon zu alt oder noch zu Jung bin ... vermutlich hänge ich irgendwo in der Mitte fest. Ich glaube nicht, dass die Methoden andere geworden sind. Vielmehr die Verknüpfungsmöglichkeiten und die Auswertbarkeiten der Informationen hat größere Demensionen angenommen, die einem Angst machen sollten.
Simax 21.01.2012
3. Die haben das lediglich falsch verstanden.
Zitat von sysopNeuer Skandal um britische Undercover-Cops: Der "Guardian" enthüllt, dass zwei britische Polizisten im Einsatz unter Tarnidentität Kinder mit von ihnen überwachten Aktivistinnen zeugten. Nach Einsatzende tauchten sie ab. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810523,00.html
Und ihren Job als "Intruder" etwas übererfüllt. Die Frauen waren wohl nicht abgeneigt, und die Aktivitäten an sich sind immerhin vernünftiger als Menschen zu entführen und zu brandmarken.
bananenrep 21.01.2012
4. Also doch
Das sie Kinder zeugten und sich dann, wenn auch evtl. auf Drängen der eigenen Behörde, zeugt eben doch von dem menschenverachtenden Charakter unserer Regierungen. Ein Schelm wer denkt das gibt es nur im Empire. Das sie ihre "Frauen" trotz der Kinder weiter ausspionierten zeugt ebenfalls vom schweinischen Charakter. Und das heikle Aufträge an private Firmen ausgelagert werden, das ist nichts anderes als das was sie bekämpfen wollen. ORGANISIERTE KRIMINALITÄT. Ich habe meinen Kindern schon immer eingebleut: Traue niemals dem Staat. Traue niemals einem Polizisten. Trauen niemals einem Richter. Das ist alles korrupt. Die sollten alle nach Guantanamo. Alle verbandelt und verschwägert. Bis in die Politik. Da gibt es echt noch welche die sich wundern.
werauchimmer 21.01.2012
5. Was ist denn das für ein Vorwurf?
Ihr Vorwurf: Ermittler führten mit ihnen unter Tarnidentitäten Beziehungen, zum Teil über neun Jahre hinweg, um an Informationen zu gelangen. Da vögelt eine Tussi mit einem Mann, der sich ihr mit falschem Namen genähert hat und schwätzt dabei auch noch ihre Geheimnisse raus. Und dann soll "der Staat" dafür... äh, was eigentlich? Bestraft werden? Alimente zahlen? Kranzgeld? Schmerzensgeld? Was wollen diese Bräute?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.