Wahlkampf in Großbritannien May attackiert Herausforderer wegen Äußerungen zu Manchester

In wenigen Tagen wählt Großbritannien. Die Labour-Partei schien schon geschlagen, doch zuletzt holte sie rasant auf. Jetzt streiten Oppositionsführer Corbyn und Premierministerin May erbittert über den Anschlag von Manchester.

Theresa May
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Theresa May


In zwölf Tagen wählen die Briten ein neues Parlament. Nach dem Selbstmordanschlag von Manchester ist die innere Sicherheit zum zentralen Thema im Wahlkampf geworden. Die Regierung von Theresa May streitet mit der Opposition offen über die Lehren aus dem Attentat.

Ungewöhnlich deutlich attackierte May nun ihren Herausforderer Jeremy Corbyn. Der Labour-Chef hatte der britischen Außenpolitik eine Mitschuld an der Terrorgefahr gegeben.

"Ich arbeite mit den anderen Regierungschefs am Kampf gegen den Terror", sagte May am Rande des G7-Gipfels in Taormina: "Und Corbyn sagt zur gleichen Zeit, die Terroranschläge seien unsere eigene Schuld."

May ergänzte, es könne "niemals eine Entschuldigung für Terrorismus geben", niemals gebe es Ausreden für das, was in Manchester passiert sei.

Der Oppositionschef reagierte prompt. Ein Sprecher von Corbyn warf May vor, die Unwahrheit zu sagen. Der Labour-Chef habe die Schuld der Islamisten nie relativieren wollen. Aber viele Experten, auch bei den Geheimdiensten und Sicherheitsbehörden, hätten Verbindungen zwischen dem Terrorismus in unserem Land und den Kriegen im Afghanistan und im Irak hergestellt. "Wir müssen mutig genug sein einzugestehen, dass der 'Krieg gegen den Terror' nicht funktioniert", sagte Corbyn.

Am Montag hatte ein Selbstmordattentäter bei einem Konzert in Manchester 22 Menschen mit einer Bombe getötet, darunter viele Kinder. Für den Anschlag wird Salman Abedi verantwortlich gemacht, ein 22-jähriger Brite libyscher Herkunft.

Ukip kritisiert Stellenabbau bei Polizei

Die Labour-Partei hat laut einer aktuellen Umfrage deutlich aufgeholt. Von 24 Prozentpunkten im April schrumpfte der Abstand zwischen Mays Konservativen und Corbyns Labour-Partei laut einer YouGov-Befragung auf nur noch fünf Prozentpunkte (43:38).

Die Parteien hatten wegen des Anschlags den Wahlkampf unterbrochen und erst am Freitag wieder aufgenommen. Auch die Vize-Chefin der rechtspopulistischen Ukip, Suzanne Evans, griff die Regierungschefin direkt an. May trage einen Teil der Verantwortung für den Anschlag von Manchester, weil sie Haushaltskürzungen im Sicherheitsbereich mitgetragen habe. Die konservative Innenministerin Amber Rudd widersprach dieser Darstellung.

Allerdings sehen sich die Konservativen auch mit der Frage konfrontiert, warum seit ihrem Machtantritt 20.000 Stellen bei der Polizei abgebaut worden sind. Rudd sagte inzwischen zu, den Personalabbau rückgängig zu machen. Ein Teil der Streichungen wurde von der früheren Innenministerin durchgesetzt. Ihr Name: Theresa May.

cte/dpa/AFP



insgesamt 18 Beiträge
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friedrich_eckard 27.05.2017
1.
Das gehört nun allerdings zu den vermufftesten Stücken aus der demagogischen Mottenkiste: die - in diesem Falle: völlig zutreffende - Beschreibung eines Ursachenzusammenhanges in einen Schuldvorwurf umzufälschen. Aber da Labour mit Corbyn - good luck, comrade! - in den Umfragen gerade eine Aufholjagd hinlegt, die selbst Optimisten kaum für möglich gehalten haben dürften kann es sich Frau May halt nicht mehr leisten, in der Wahl ihrer Mittel wählerisch zu sein - so kennen wir ja unsere Rechten, und jenseits des Kanals taugen sie offenbar auch nicht mehr als hier.
Oskar ist der Beste 27.05.2017
2. bin ja mittendrin...
...und mache Wahlkampf für die Labour party, bin also nicht neutral: Aber man merkt deutlich, daß die Stimmung im Land sich ändert, selbst eingefleischte Tory Wähler fangen an, sich zu fragen, ob das Bombadieren Syriens nicht dazu beigetragen hat, Massenmörder wie den Idioten am Montag in Manchester zu seinem Tun zu verleiten. Corbyn hat übrigens gestern das Attentat keineswegs das Attentat relativiert, was er zu Recht getan hat und was man von Politikern in Staatsämtern erwarten sollte, ist, daß sie Ursachenforschung betreiben und zwar un abhängig davon, was sich das Volk gerade wünscht. (und natürlich ist das verständlicherweise auch Rache). Der Abstand zwischen den Tories und Labour ist auf 5% zusammengefallen und es gibt die kleine Chance, daß Jeremy Corbyn tatsächlich am 09. Juni zur Queen geht. Und Großbritannien hat die Wahl: Entweder weiter auf Bombardierungen ohne Uno Mandat zu setzen und damit die Sicherheit der in Großbritannien lebenden Menschen aufs Spiel setzen oder einen Mann wählen, der über Verhandlungen die Gefahr solcher Attentate verringern will. Und wie gesagt: Selbst eingefleischte Wähler der Tories hören Corbyn zu.
foerster.chriss 27.05.2017
3. Die Labour-Partei kann keinen Wahlkampf
"Allerdings sehen sich die Konservativen auch mit der Frage konfrontiert, warum seit ihrem Machtantritt 20.000 Stellen bei der Polizei abgebaut worden sind. Rudd sagte inzwischen zu, den Personalabbau rückgängig zu machen. Ein Teil der Streichungen wurde von der früheren Innenministerin durchgesetzt. Ihr Name: Theresa May." Warum kann die Labour-Partei nicht darauf rumhacken, statt den "Krieg gegen den Terror" als solches in Frage zu stellen? Es kommt doch darauf an, WIE man den Krieg führt.
m.m.s. 27.05.2017
4. Frauen sind die besseren Regierungschefs
Hier sieht man, dass Frauen die besseren Politiker sind, und ganze Länder vor dem Abgrund bewahren.
mauser 27.05.2017
5. es spricht Bände,
wenn Politiker solche Katastrophen für sich ausnutzen. Ekelhaft.
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